23.10.2019rss_feed

Nottötung von Schweinen: Erneut im medialen Fokus

Screenshots der medialen Berichterstattung

Screenshots der medialen Berichterstattung

Die Nottötung stand gestern schon wieder im medialen Fokus von Spiegel und Report Mainz. Bilder, die der Tierrechtsorganisation ARIWA angeblich zugespielt wurden, zeigten mutmaßliche Tierschutzvergehen in zwei Betrieben.

ISN: Das, was auf den Bildern zu sehen war, ist augenscheinlich nicht rechtskonform – hier gibt es nichts zu beschönigen und hier sind nun die Behörden am Zug! Die Tatsache, dass die Bilder aber über ein halbes Jahr alt sind, bis dato nicht zur Anzeige gebracht wurden und erst jetzt veröffentlicht werden zeigen jedoch den wahren Zweck der Tierrechtler-Kampagne: Es geht um die Bewerbung einer Petition von ARIWA, um politischen Druck zu einer bereits existierenden Bundesratsinitiative zu diesem Thema zu verstärken. Denn schließlich steht das Thema Nottötung längst im Fokus der Politik und der Branche. Viele Aktivitäten dazu sind bereits (an)gelaufen.

 

Und schon wieder ist der Umgang mit kranken und verletzten Schweinen und insbesondere die Nottötung im medialen Fokus. Nachdem gestern zunächst das Magazin Der Spiegel einen Beitrag mit dem Titel Warum 13 Millionen Schweine im Müll landen veröffentliche, berichtete am Abend auch Report Mainz mit dem Beitrag Rechtswidrige Tötung von Schweinen über das Thema. Diesmal waren Filmaufnahmen aus zwei Betrieben in den ostdeutschen Bundesländern aufgenommen worden. Diese wurden  dann der Tierrechtsorganisation ARIWA angeblich zugespielt. Die Bilder stammen nach Aussagen von Spiegel Online von Ende Januar und Anfang Februar bis Mai, das Jahr wird nicht genannt. In Bezug auf den Inhalt der Bilder muss man hier nicht lange um den heißen Brei herumreden: Das sind verstörende Bilder. Augenscheinlich wurde in beiden Fällen nicht rechtskonform notgetötet. Das geht so nicht und dem muss entsprechend von Seiten der zuständigen Veterinärämter auf den Grund gegangen werden. Solche Fälle schaden der gesamten Branche – auch den vielen Tierhaltern, die hier mit großer Sorgfalt und Sensibilität vorgehen. Allerdings wissen genau das auch ARIWA und die helfenden Medienvertreter. Gehört es nicht zur journalistischen Sorgfaltspflicht, nachzufragen, warum so ein zeitlicher Versatz zwischen Entstehung und Veröffentlichung der Bilder entstanden ist? Und wann wurden die Fälle bei den zuständigen Behörden angezeigt? Falls ein zeitlicher Verzug vorliegt, warum wurde nicht unverzüglich Anzeige erstattet? Warum erst jetzt und nicht schon im Januar?

 

Petition und Druck auf die Politik

Klar ist, dass mit solchen Bildern Forderungen nach weiteren Überwachungsinstrumenten und mehr Kontrolle schnell gestellt sind. So forderte im Beitrag der bei diesem Thema immer wieder zu Rate gezogene Rechtsexperte Professor Jens Bülte eine Videoüberwachung aller Nottötungen. Interessant ist aber insbesondere auch der gezielte Druck in Richtung Politik, der im Zusammenspiel zwischen Tierrechtlern und den beteiligten Medien hier aufgebaut wird. Erst werden heimlich und illegal Bilder in den Ställen gedreht, nicht zur Anzeige gebracht, dann angeblich der Tierrechtsorganisation zugespielt. Im Anschluss werden – nach eigenen Aussagen von Tierrechtlern – Medienkooperationen gesucht und die Bilder dort mit erheblichem zeitlichen Versatz entsprechend journalistisch ergänzt und veröffentlicht. Parallel geht ARIWA mit einer Petition Das große Sterben sichtbar machen an den Start. Ein ohne Frage sehr durchdachtes und getaktetes Vorgehen. Es ist schon sehr beeindruckend, wie eng die zeitliche Abstimmung der Veröffentlichung bei den einzelnen Akteuren erfolgt ist. Hier wird ein Zerrbild vor dem Hintergrund einer durchdachten politischen Kampagne aufgebaut. 

 

Politik längst aktiv

Denn die Politik ist längst an dem Thema aktiv dran. Und das geht den beteiligten Akteuren nicht schnell genug! Niedersachsen hatte schon vor einiger Zeit eine entsprechende Bundesratsinitiative eingebracht zur Möglichkeit der routinemäßigen Kontrolle von Falltieren in Verarbeitungsbetrieben für Tierische Nebenprodukte (VTN). Der Bundesrat hat das inzwischen beraten und sich dafür ausgesprochen, dass die Bundesregierung die notwendige gesetzliche Grundlage dafür schafft. In einem weiteren Aspekt hat Nordrhein-Westfalen die Videoüberwachung an Schlachthöfen u.a. im Bundesrat vorangetrieben. Mit den nun veröffentlichten Bildern will man dem Entscheidungsprozess scheinbar beschleunigen! 

  

Kontrolle ja, Bürokratiemonster nein        

Gegen eine effektive Kontrolle, die von den zuständigen Behörden umgesetzt wird, ist nichts einzuwenden – im Gegenteil, sie ist natürlich richtig und wichtig. Aber es ist auch richtig, die Eigenverantwortung der Tierhalter anzuerkennen. Wenn die Kontrollinstrumente zu Bürokratiemonstern führen, wenn – wie bei der Videoüberwachung jeder Nottötung in den Betrieben – ein Arbeiten kaum noch möglich ist bzw. die Durchführung behindert, dann ist das für das Wohl der Tiere kontraproduktiv.

 

Nottötung, ein wichtiges Thema

Der Umgang mit kranken und verletzten Tieren bis hin zur Nottötung ist eines der Top-Themen, die auf der Tagesordnung der Branche stehen. Ob man es uns glauben will oder nicht – nie hat dieses Thema einen solchen Stellenwert in der Schweinehaltung gehabt, wie in den vergangenen Monaten und Jahren. Nachweislich sind bundesweit unzählige Schulungen zu dem Thema gelaufen, Leitfäden in gedruckter Form oder als E-Learning-Tool wurden erstellt. Es wurden und werden die Instrumentarien zur Nottötung ergänzt – beispielsweise haben sich viele Mastbetriebe eine teure Elektrozange zugelegt, um den Vorgang der Nottötung einfacher umsetzen zu können. Auch die Entwicklung neuer und einfacher anzuwendenden Nottötungsinstrumente wird weiter vorangetrieben – zu nennen ist hier das Elektroverfahren auch für kleine Ferkel, was in einem vom Land Niedersachsen geförderten Projekt der Tierärztlichen Hochschule Hannover entwickelt wird. Wir selbst sind an einem weiteren – ebenfalls vom Land Niedersachsen geförderten Projekt mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover beteiligt, in dem der richtige Zeitpunkt der Nottötung genauer untersucht und beschrieben werden soll.

 

Die ISN meint:

Worum geht es wirklich? Ohne Frage: Das in den Videos gezeigte Vorgehen bei der Nottötung ist – soweit man das anhand der Bilder beurteilen kann – rechtswidrig und somit nicht akzeptabel. Ein klarer Fall für die Behörden.

Für uns stellt sich allerdings die Frage, ob und wann genau diese von den filmenden Tierrechtlern oder von ARIWA überhaupt  informiert worden sind. Denn die Bilder stammen nach Aussage von Spiegel Online von Ende Januar und Anfang Februar bis Mai – vermutlich diesen Jahres! Was ist das für ein Vorgehen auch von Seiten der veröffentlichen Medien? Interessant ist in diesem Fall auch ein anderer Aspekt: Die auffällig organisierte und getaktete  Abfolge der Veröffentlichungen von ARIWA, Spiegel und Report Mainz zeigt klar den dahinter stehenden Kampagnencharakter, um mit einer Petition von ARIWA politischen Druck zu einer bereits existierenden Bundesratsinitiative zu diesem Thema zu verstärken. Denn schließlich steht das Thema Nottötung längst im Fokus der Politik und der Branche. Viele Aktivitäten dazu sind bereits (an)gelaufen.  Das erstellte Informationsmaterial, die vielen Seminare, die Investitionen in entsprechende Gerätschaften, die genannten Projekte dazu und die politischen Aktivitäten sind ein klarer Beleg dafür.

Wie gesagt: Der zeitliche Versatz zwischen Entstehung und Veröffentlichung der Bilder von über einem halben Jahr sowie das Nicht-Anzeigen der Vorfälle gegenüber den Behörden sprechen für sich!


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