Tabelle Schlachthofranking 2019

ISN-Schlachthofranking 2019: Exportgeschäfte brummen – Lieferantenbindung großes Thema

Das Jahr 2019 stand für die Schlachtbranche ganz im Zeichen der stark gestiegenen Rohstoffpreise. Preistreiber waren ein abnehmendes Angebot an Schlachtschweinen in Deutschland und die rasante Nachfrage nach Schweinefleisch aus Asien - speziell aus China. Bei der Zahl der Schweineschlachtungen in Deutschland eilt das Schlachtunternehmen Tönnies der Konkurrenz immer weiter davon. 

Wie die Schlachtunternehmen mit Thema Rohstoffsicherung umgehen und welche Themen sich sonst noch auf der Agenda der Schlachtunternehmen drängen, hat die ISN im bekannten Schlachthofranking zusammengefasst.


Zwischen Januar und Dezember legte die Notierung für Schlachtschweine eine regelrechte Preisrallye hin und stieg von 1,36 Euro zu Jahresbeginn auf 2,03 Euro je kg Schlachtgewicht zum Jahresende. Haupttreiber für die gestiegenen Preise waren ein abnehmendes Angebot an Schlachtschweinen in Deutschland und die rasante Nachfrage nach Schweinefleisch aus Asien, speziell aus China. Dort raffte die Afrikanische Schweinepest (ASP) Schätzungen zufolge bis zu 50 % der Schweinebestände dahin. Dementsprechend glücklich konnten sich die Unternehmen mit einer Exportlizenz nach China schätzen. Eine weniger zufriedenstellende Bilanz ziehen die Wursthersteller und Fleischverarbeiter, die auf dem deutschen und europäischen Markt ihre Hauptabnehmer finden und die nötigen Preiserhöhungen im Lebensmitteleinzelhandel nach eigenen Angaben nicht ausreichend umsetzen konnten.


Tönnies eilt der Konkurrenz davon

Entgegen den Entwicklungen des Gesamtmarktes konnte Tönnies wachsen. Die Schlachtungen in Deutschland erhöhten sich um rund 100.000 Schweine bzw. 0,6 % auf insgesamt 16,7 Mio. bei Tönnies. Damit konnte der Marktführer seinen Abstand auf die Konkurrenz noch einmal ausbauen und eilt davon. Inzwischen schlachtet Tönnies in Deutschland mit einem Marktanteil von über 30 % mehr Schweine als seine Verfolger Westfleisch und Vion zusammen. Während man in Rheda insbesondere die erste Jahreshälfte als wirtschaftlich herausfordernd ansah, profitierte Tönnies in der zweiten Jahreshälfte vom Nachfrageboom aus China. Dabei wird man jedoch nicht müde zu betonen, dass bei aller Euphorie über die asiatische Nachfrage der deutsche Markt nachhaltig bedient werde. Tierwohl und Nachhaltigkeit sieht Tönnies als die Kernthemen der kommenden Jahre. Tönnies ist sich sicher, dass in spätestens fünf Jahren 70 Prozent der angelieferten Schweine aus anerkannten Programmen für Tierwohl und Umweltschutz stammen.


Westfleisch trotz Rückgang auf Platz 2

Beim genossenschaftlichen Schlachtunternehmen Westfleisch aus Münster gingen die Schlachtzahlen leicht um 1,2 % auf 7,7 Mio. Schweine zurück. Dennoch machten sie der Vion den zweiten Rang streitig. Auch bei der Westfleisch konnte die zweite Jahreshälfte die insgesamt nur durchwachsene Bilanz etwas aufpolieren. Kehrseite der guten Exporterlöse in der zweiten Jahreshälfte waren jedoch hohe Rohstoffkosten für die eigene Verarbeitungsindustrie. In der Wurstproduktion würden diese zu einer unbefriedigenden Ertragssituation führen, so die Westfleisch. Die Westfleisch dürfte sich mit der Situation nicht zufriedengeben. Umfangreiche Um- und Erweiterungsbauten stehen für den Standort Coesfeld an, die Kapazität soll mittelfristig auf bis zu 70.000 Schweine in der Woche steigen. 


Vion lässt deutlich Federn

Das niederländische Schlachtunternehmen Vion muss an den deutschen Standorten einen deutlichen Rückgang der Schlachtungen um 5 % bzw. 400.000 Schweine hinnehmen und liegt im Ranking nun mit 7,6 Mio. Schweineschlachtungen in 2019 auf Platz 3. Vor allem an den Schlachtstandorten in den südlichen Bundesländern macht den Einkäufern das durch den rasanten Strukturwandel sinkende Schlachttieraufkommen zu schaffen. In Bayern und Baden-Württemberg insgesamt ging die Anzahl der Schlachtungen im Jahr 2019 um 5,2 % deutlich stärker als im Bundesdurchschnitt zurück. Die Konsolidierung bei der Vion ist noch nicht abgeschlossen. Noch im ersten Quartal 2020 stellt der Konzern die Schweineschlachtung in Altenburg ein.


Danish Crown mit stärkstem Rückgang

Danish Crown konnte die Schlachtzahlen aus dem Vorjahr ebenfalls nicht halten und hatte relativ gesehen mit einem Minus von 5,6 % den stärksten Rückgang unter den Top 10. Hauptursache hierfür war die Einstellung der Schweineschlachtungen in Teterow im August 2019. Seitdem werden am Standort in Mecklenburg-Vorpommern nur noch Rinder zerlegt, wofür es in der Region lautstarke Kritik gab. Gerade die regionale Vermarktung hatte große Hoffnungen auf den dänischen Konzern gelegt, nachdem dieser den Standort erst im Jahr 2017 gekauft hatte.


Mittelstand solide im schwierigen Umfeld

Die mittelständischen Schlachtunternehmen behaupten sich auch in 2019 im nicht immer einfachen Marktumfeld. Die Müller-Gruppe mit Schlachtstandorten in Bayern und Baden-Württemberg schlachtete zwar weniger Schweine als im Vorjahr, das Minus fiel aber mit 2,3% geringer aus als im Durchschnitt der südlichen Bundesländer. Tummel als reiner Hälftenversender konnte das Vorjahresergebnis nicht ganz wiederholen. Entgegen dem Markttrend wachsen konnten hingegen die Willms-Gruppe, Simon-Fleisch und mit dem größten relativen Zuwachs Manten. 


Fazit 2019: Chinaboom und gefragte Lieferanten

Die enorme chinesische Nachfrage nach Schweinefleisch hat bei den führenden Schlachtbetrieben zu positiven wirtschaftlichen Ergebnissen des abgelaufenen Jahres geführt. Die Preise auf dem EU-Binnenmarkt hinkten lange Zeit hinterher, wodurch Betriebe ohne gültige Chinalizenz weniger zufrieden auf das Jahr schauen können, resümiert ISN-Marktexperte Matthias Quaing die Entwicklungen des vergangenen Jahres. Es ist zu befürchten, dass die Schere zwischen den Unternehmen weiter auseinander geht, zumal aktuell zusätzliche Lizenzen für neue Betriebe in der Warteschleife hängen, weil hierzu von chinesischer Seite noch Nachbesserungsbedarf zu den Anträgen besteht, so Quaing.

 

Eine weitere Entwicklung ließ sich laut Quaing im vergangenen Jahr beobachten. Das knappe Schlachtschweineangebot in 2019, der anhaltend starke Strukturwandel in der Landwirtschaft und die immer höheren Anforderungen der Fleischeinkäufer im In- und Ausland hat einige Schlachtunternehmen zum Umdenken gebracht. Plötzlich steht das Thema Rohstoffsicherung oben auf der Agenda. Inzwischen setzen nahezu alle größeren Schlachtunternehmen auf Verträge, um sich den Rohstoff Schwein auch am Standort Deutschland zu sichern. Das erklärt sich schon dadurch, dass die Zahl der Schlachtungen mittlerweile auf das Niveau von vor über zehn Jahren zurückgegangen ist. Allein im vergangenen Jahr sind die Schlachtungen in Deutschland um über 1,7 Mio. Schweine gesunken. Das entspricht einem Rückgang der Mastbestände um deutlich über 500.000 Plätze. Selbst Tönnies, jahrelang Verfechter des freien Einkaufs, bindet nun einen erheblichen Anteil seiner Lieferanten mit festen Verträgen. Zwischen den Schlachtunternehmen ist ein Wettbewerb um die zukunftsfähigen Lieferanten entbrannt, beobachtet Quaing die aktuelle Entwicklung in Sachen Boni und Zuschläge auf den Schweinepreis."



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