11.07.2016 rss_feed

Aufgewärmt? Bundeskanzlerin ruft zu Toleranz für Schweinefleisch auf

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU); - (Bundesregierung/Steffen Kugler)

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU); (Bundesregierung/Steffen Kugler)

Die Debatte um den Verzicht von Schweinefleisch in der Schulspeisung war in den vergangenen Monaten ruhig geworden. Nun hat sich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu diesem Thema zu Wort gemeldet.

In einer aktuellen Videobotschaft rief sie Migranten zu Toleranz gegenüber deutschen Essgewohnheiten wie dem Verzehr von Schweinefleisch auf: Man muss darauf achten, dass die Vielfalt unserer Angebote, wie wir sie gewöhnt sind, weiterhin erhalten bleibt, sagte Merkel.

 

In dem Interview, das anlässlich des jüngst verabschiedeten Integrationsgesetzes geführt wurde, ging Merkel auf Vorschläge ein, aus Rücksicht auf Muslime in Schulkantinen keine Speisen mit Schweinefleisch mehr anzubieten. Wir respektieren, wenn jemand bestimmte Bräuche oder bestimmte Regeln hat. Auf der anderen Seite darf das natürlich nicht zu einer Einschränkung führen für die, die andere Regeln haben, betonte die Kanzlerin. Die Toleranz gehört schon dazu, dass wir uns in unseren Essgewohnheiten jetzt nicht verändern müssen. Aber es sei im Gegenzug durchaus angebracht, darauf hinzuweisen, wo Schweinefleisch verwendet wird.

 

Reaktionen auf das Merkel-Interview

Im Netz und in den Kommentarspalten wird der Vorstoß der Kanzlerin als Wiederaufwärmen eines monatealten Fleisch-Streits gewertet. Wie schon die Diskussion im März, die durch den Frikadellenkrieg in Dänemark ausgelöst wurde, gibt es mehr Spott und Häme als Verständnis für den Aufruf. Viele Kommentare driften auch in rechtspopulistische Gefilde ab.

 

Blick zurück

Im März hatte dieCDU in Schleswig-Holstein dafür eingesetzt, dass insbesondere Schweinefleisch auch weiterhin im Nahrungsmittelangebot sowohl öffentlicher Kantinen als auch in Kitas und Schulen erhalten bleibt. Der Minderheitenschutz – auch aus religiösen Gründen – darf nicht dazu führen, dass eine Mehrheit aus falsch verstandener Rücksichtnahme in ihrer freien Entscheidung überstimmt wird, führte die CDU in einem Antrag aus.

 

Als Reaktion darauf hatte auch Bundesernährungsminister Christian Schmidt davor gewarnt, Schul- oder Kantinenessen aus Rücksicht auf Muslime einzuschränken. Ich nehme es mit Besorgnis wahr, dass Schweinefleisch in Schulen und Kantinen vom Speiseplan genommen wird, sagte der CSU-Politiker damals. Unser Weg kann doch nicht sein, dass wir kulturelle Unterschiede bei der Ernährung mit der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner beantworten.

 

Die ISN meint

Die Entwicklung, dass immer mehr öffentliche Einrichtungen und Kantinen Schweinefleisch aus ihrem Angebot nehmen, erfüllt auch uns nach wie vor mit Sorge. Schon lange mahnt die ISN zu mehr Augenmaß bei diesem Thema! Wir sind auch bei dem aktuellen Diskussionsvorstoß ganz bei der Kanzlerin und meinen: Jeder soll frei für sich entscheiden können, was und wieviel er wovon isst. Eine ganz einfache Forderung auf Entscheidungsfreiheit, die jeder Demokratie zu Grunde liegt. Diese Maxime sehen wir jedoch zum Teil, durch den Verzicht auf Schweinefleisch in Kantinen, außer Kraft gesetzt.

Die Debatte lohnt sich also und sollte frei von Spott und Häme zu Ende geführt werden dürfen!

Letzteres verdienen dagegen nach unserer Meinung vielmehr Aussagen, wie die der Bundesumweltministerin Hendricks (SPD), die zwar eine Halbierung des Fleischkonsums aus Umweltschutzgründen fordert, gleichzeitig aber nichts davon hält, aus Klimaschutzgründen zum Verzicht auf Fernflüge aufzurufen –  eine widersprüchliche Verzichtsrhetorik, die mit Logik nichts zu tun hat.


Hier finden Sie die Videobotschaft/den Podcast der Bundeskanzlerin

Rückblick - "Frikadellenkrieg" in Dänemark: Schweinefleisch auf dem Speiseplan als Pflicht?

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