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Frikadellenkrieg in Dänemark: Schweinefleisch auf dem Speiseplan als Pflicht?

Dänemark Frikadelle

Um die dänischen Esskultur zu stärken – oder muslimischen Mitbürgern bewusst mit Ablehnung zu begegnen, will die dänische Stadt Randers in ihren öffentlichen Einrichtungen per Verordnung mehr Schweinefleisch auf den Speiseplan setzen. Innerhalb kürzester Zeit ist dort nun ein Frikadellenkrieg entfacht.

 

Ratsbeschluss mit knappem Ja

Am vergangenen Montag beschloss der Rat der Hafenstadt Randers mit 16 Ja- gegen 15 Nein-Stimmen den Vorschlag der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei (DF), traditionelles dänisches Essen mit Schweinefleisch in Kindergärten und Schulen in den Mittelpunkt des Speiseplans zu rücken. Eine genaue Mengenangabe oder Häufigkeit von Schweinefleisch wurde in dem schwammigen Beschluss nicht festgelegt.

 

Vorausgegangen war dem Beschluss die Entscheidung einer Kita im letzten Jahr, welche im Hinblick auf die steigende Anzahl muslimischer Kinder kein Schweinefleisch mehr ins Mittagsangebot aufgenommen hatte – weil es nicht mehr gegessen wurde. Die Initiatoren betonten, niemand werde gezwungen sich gegen seine Überzeugung oder Religion zu ernähren. Auf ihrer Facebook-Seite schreibt die DF laut einem Bericht des Spiegels deutlich: Konsequenterweise bekämpfen wir auch islamische Vorschriften und eine fehlgeleitete Rücksichtnahme, die dänischen Kindern vorschreibt, was sie zu essen haben.

 

Schweine als Teil der dänischen Kultur

Der Ratsbeschluss ist der vorläufige Gipfel einer hitzigen Debatte in Dänemark, ob man aus Rücksicht auf Muslime Schweinefleisch ganz von öffentlichen Speiseplänen streichen müsse. Auch stellt sich die Frage, ob sich die Politik überhaupt mit Vorgaben einmischen solle. Für die starke Schweinezucht in Dänemark spielen die aktuellen Diskussionen und Beschlüsse natürlich auch eine Rolle. Hier ist der pro-Kopf-Verzehr höher als in jedem anderen europäischen Land. Die Zeitung Jyllands-Posten berichtet in diesem Zusammenhang von einer Umfrage, nach der die Mehrheit der nicht-muslimischen dänischen Bürger eine Schweinefleisch-Pflicht in ihrer Kommune ebenfalls unterstützen würde. Die hochspezialisierte Schweinefleischproduktion bringt in Dänemark aber schon jetzt 90% des Fleisches in den Export.

 

Die ISN meint:

Aus Sicht der Schweinehalter klingt die Anordnung natürlich zunächst einmal verlockend. Trotzdem lehnen wir dieses Vorgehen ganz klar ab! Als Organisation der marktorientierten Schweinhalter sind wir ganz klar gegen staatliche Zwangsmaßnahmen - das gilt für einen Veggie-Day genauso wie für diese dänische Maßnahme. Hier soll Politik in der Flüchtlingsfrage auf dem Rücken der Schweine ausgetragen werden. Das geht gar nicht! Allerdings haben wir in der Tat ein Riesenproblem – auch in Deutschland – dass flächendeckend Schweinefleisch von den Speisekarten der öffentlichen Einrichtungen und Kantinen verschwindet. Wir sehen die Entwicklung mit großer Sorge und haben verschiedene Caterer und Einrichtungen nach den Gründen gefragt. Die Antworten waren erschreckend: Sicherlich wird regional tatsächlich aus religiösen Gründen auf Schweinefleisch verzichtet und sicherlich gibt es auch verschiedentlich Leitungspersonal in Einrichtungen, welches seine ideolgische Verklärtheit in Ernährungsfragen auf dem Rücken der Kinder austrägt.

 

Der eigentliche Skandal dahinter ist jedoch ein ganz anderer: Wer täglich vor der Herausforderung steht, für unter 2 Euro je Mahl den Kindern ein vollwertiges Mittagsmenü aufzutischen, der schaut genau, wo er sparen kann. Geflügelfleisch und vegetarische Komponenten sind da oftmals einfach billiger als hochwertiges Schweine- oder Rindfleisch. Ein alternatives Wahlmenü anzubieten, ist da in vielen Fällen kostentechnisch schon gar nicht darzustellen! Damit sind wir wieder beim Kernthema der öffentlichen Debatte um die Tierhaltung: Die Verbraucher wollen zwar ganz genau wissen, was drin ist und wie es hergestellt wurde, kosten darf es aber nichts! Oder wie es jemand im Rahmen einer Tierwohltagung zusammengefasst hat: Die Verbraucher wollen mehr Tierwohl, als sie es sich leisten können. Wie wahr! Den Einrichtungen raten wir, diskutieren Sie die Frage der Ernährung ideologiefrei vor Ort mit den Eltern, die müssen letztendlich entscheiden, wie ihre Kinder ernährt werden sollen und was sie bereit sind, dafür auszugeben.

 

 



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