01.03.2016rss_feed

CDU Schleswig-Holstein fordert Schweinefleisch für Kantinen und Schulen

Grillplatte

Immer mehr Kitas, Schulen und Kantinen von öffentlichen Einrichtungen streichen Schweinefleischgerichte von ihrer Speisekarte – dies geschieht aus religiösen, finanziellen oder ideologischen Gründen. Die CDU in Schleswig-Holstein fordert jetzt ein Art Recht auf Schweinefleisch von ihrer Landesregierung.

Von den Politikern anderer Parteien und den Medien erntet die CDU dafür viel Spott und Hohn. Beim genauen und objektiven Hinsehen geht es aber um die Kernfrage der Wertschätzung eines hochwertigen Lebensmittels und dem Auseinanderklaffen gesellschaftlicher Erwartungen auf der einen und der Zahlungsbereitschaft auf der anderen Seite, meint die ISN.

 

Minderheiten sollen nicht Mehrheit dominieren

Die Landesregierung wird aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass insbesondere Schweinefleisch auch weiterhin im Nahrungsmittelangebot sowohl öffentlicher Kantinen als auch in Kitas und Schulen erhalten bleibt, fordert die CDU-Fraktion in einem Antrag für die nächste Landtagssitzung.

Vor allem aus Rücksicht auf Minderheiten sei Schweinefleisch bereits vielfach vom Speiseplan verschwunden, argumentieren die Politiker. Dabei werde keine Rücksicht auf die Mehrheit genommen, welche weiterhin Schweinefleisch verzehrt. Der Minderheitenschutz – auch aus religiösen Gründen – darf nicht dazu führen, dass eine Mehrheit aus falsch verstandener Rücksichtnahme in ihrer freien Entscheidung überstimmt wird, so die CDU.

 

Entscheidungsfreiheit bewahren

Die CDU betonte, es gehe ihr nicht um eine Pflicht. Im Gegenteil, niemand solle gezwungen werden, gegen seine Überzeugung zu essen, oder in der Auswahl eingeschränkt zu werden. Toleranz bedeutet in einer pluralistischen Gesellschaft auch die Anerkennung und Duldung anderer Esskulturen und Lebensweisen, begründet die Fraktion den Antrag.

Von der Opposition erntete die CDU in Kiel vor allem Häme, zum Beispiel als Gegenbeispiel zum Veggieday oder mit der Frage nach Schweinefleisch als Leitkultur. Der WWF vermeldete, er sehe keine Anhaltspunkte dafür, Schweineschnitzel unter Artenschutz zu stellen. Das Thema hatte zuletzt auch in Dänemark für Schlagzeilen gesorgt, als die rechtspopulistische Dänische Volkspartei Schweinefleisch per Gesetz auf den Speiseplan setzen wollte.

 

Die ISN meint:

Niemand soll (zum Konsum von Schweinefleisch) verpflichtet werden. Wir wollen aber auch nicht, dass die Mehrheit auf Schweinefleisch verzichten muss. Diese Meinung des schleswig-holsteinischen CDU-Fraktionschefs Daniel Günter teilt auch die ISN.

Die Sorge darüber, dass immer mehr öffentliche Einrichtungen und Kantinen Schweinefleisch aus ihrem Angebot nehmen, erfüllt auch uns mit Sorge. Wir warnen aber davor die Diskussion - wie im dänischen Frikadellenkrieg geschehen - rechtspopulistisch aufzuladen. Eine sachliche Einschätzung wie die der CDU Schleswig-Holstein muss allerdings gestattet sein und ist aus Sicht der ISN auch zwingend erforderlich. Hierbei geht es nämlich im Kern um die Wertschätzung eines hochwertigen Lebensmittels.  

 

Staatliche Verpflichtungen bei der Essenwahl lehnen wir klar ab - egal ob es um einen Veggie-Day o.ä. geht. Jeder soll selbst entscheiden, was er isst. Er/Sie muss aber grundsätzlich auch die Möglichkeit dazu haben. Und genau diese Wahlfreiheit fehlt in den Kantinen immer häufiger. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU)  hat es Mitte Februar gegenüber der WAZ-Gruppe auf den Punkt gebracht:  Es kann nicht sein, dass wir Schweinefleisch, das Teil unserer Ernährung und Esskultur ist, einfach von den Speiseplänen verbannen. Ich erwarte hier, dass Kreativität im Umgang mit kulturellen Essgewohnheiten zu mehr Abwechslung im Speiseplan führt und nicht zu weniger.

 

Gründe für die Einschränkung des Menüplans sind aus unserer Sicht aber weniger die – oft vorgeschobenen – religiösen Vorbehalte, sondern vielmehr die finanziellen. Wer täglich vor der Herausforderung steht, für unter 2 Euro ein vollwertiges Mittagsmenü aufzutischen, der schaut genau, wo er sparen kann. Geflügelfleisch und vegetarische Komponenten sind da oftmals einfach billiger als hochwertiges Schweine- oder Rindfleisch. Ein alternatives Wahlmenü anzubieten ist in vielen Fällen kostentechnisch gar nicht darzustellen!

 

Damit sind wir wieder beim Kernthema der öffentlichen Debatte um die Tierhaltung: Die Verbraucher wollen zwar ganz genau wissen, was drin ist und wie es hergestellt wurde, kosten darf es aber nichts! Genau das hatte vergangene Woche übrigens auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) anlässlich der ISN-Mitgliederversammlung deutlich kritisiert.

Und eben dieser Widerspruch ist eine breite gesellschaftliche Debatte wert. Nicht mehr und nicht weniger.

 


arrow_forward"Frikadellenkrieg" in Dänemark: Schweinefleisch auf dem Speiseplan als Pflicht?


→ alle Partner auf einen Blick

Partner-News