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Agrarkongress: Mehr Perspektive für Schweinehalter?

Agrarkongress: Viele gute Worte - jetzt müssen aber auch schnell Taten folgen! (Bildquellen: BMUV, BMUV/Sascha Hilger, ISN/Jaworr)

Agrarkongress: Viele gute Worte - jetzt müssen aber auch schnell Taten folgen! (Bildquellen: BMUV, BMUV/Sascha Hilger, ISN/Jaworr)

Das Bundesumweltministerium (BMUV) hat heute zum Agrarkongress mit dem Thema Umwelt und Landwirtschaft im Aufbruch – Die Zukunft jetzt auf den Weg bringen! eingeladen. Bundesumweltministerin Steffi Lemke und Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir stellten gemeinsam ihre Überlegungen für eine nachhaltige Agrar- und Ernährungswirtschaft vor.
ISN: Daumen hoch an vielen Stellen. Allerdings müssen jetzt auch schnell Taten folgen! Denn wer die Zukunft jetzt auf den Weg bringen will, der muss jetzt die Schweinehalter bei der Bewältigung der akuten Preiskrise unterstützen!  

 

Bereits in ihren Eingangsstatements beim diesjährigen Agrarkongress stellten Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir und die Bundesumweltministerin Lemke ihre Vorstellungen dar. So sprach Özdemir von einer Hausfreundschaft zwischen Bundeslandwirtschafts- und Bundesumweltministerium und betonte die zukünftige intensive Zusammenarbeit. Die Landwirtschaft stecke in einer Krise. Vieles sei sowohl ökologisch, ökonomisch und sozial nicht zukunftsfähig. Die Übernutzung von Natur, Umwelt und den Tieren müsse beendet werden.

Wir können es uns nicht mehr leisten, dass in den Gewinnen von heute die Kosten von morgen verursacht werden, so Özdemir. Er stellte aber gleichzeitig klar, dass die Landwirte mit der Erzeugung von Lebensmitteln und mit Umwelt und Tierschutz Geld verdienen können müssen. Sonst geben sie auf und das kann nicht in unserem Interesse sein, so Özdemir. Man habe sich vorgenommen, die Landwirte beim Umbau der Nutztierhaltung zu unterstützen. Geht es dem Tier besser, müssen das auch die Bäuerinnen und Bauern im Portemonnaie spüren, erklärte Özdemir.

Explizit wurden hierbei auch namentlich die Borchert-Pläne genannt, die den Weg aufzeigten und für die man nun eine Ansatz zur Finanzierung finden müsse. Auch Umweltministerin Steffi Lemke sprach von einer Herkulesaufgabe und betonte, dass man natürlich nicht bei Null anfange. Man könne auf viele Vorarbeiten zurückgreifen. Jetzt sei es eine große Aufgabe, die Strategien auch endlich in die Realität umzusetzen. Dass die Borchert-Pläne mit dem Regierungswechsel nun nicht verpuffen, wurde auch daran deutlich, dass der ehemalige Landwirtschaftsminister Jochen Borchert im Anschluss sein Konzept darstellen konnte.   

  

Die ISN meint:

Daumen hoch an vielen Stellen bei diesem virtuellen Agrarkongress zieht ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack ein Fazit. Landwirtschaftsminister Özdemir und Umweltministerin Lemke haben scheinbar gut zugehört, denn sie nehmen wichtige Forderungen, die wir und andere landwirtschaftliche Organisationen immer wieder gestellt haben, direkt auf – das ist gut so!, so Staack weiter: So wird die zukünftige Zusammenarbeit zwischen den beiden Ministerien sehr stark betont – genau richtig, denn die Streitigkeiten zwischen den beiden Häusern in der Vergangenheit hatten gerade die Landwirte auszubaden. Gut ist auch die Erkenntnis, dass die Borchert-Pläne weiter als Grundlage für den Umbau der Tierhaltung genutzt werden, die Überlegungen nicht bei Null anfangen und das Ganze ausreichend finanziert werden muss. Wie Umweltministerin Steffi Lemke richtigerweise sagte, muss es jetzt aber zügig an die Umsetzung gehen.

Die Umweltministerin sprach treffend von einer Herkulesaufgabe, die vor ihr liege. Eine solche Herkulesaufgabe liegt aber auch vor den Tierhaltern, denn die Ansprüche, die man an sie stellt sind enorm. Dabei muss nicht nur die von Minister Özdemir angesprochene ökologische Wahrheit auf den Tisch, sondern auch die ökonomische Wahrheit, fasst der ISN-Geschäftsführer weiter zusammen, Denn die zeigt aktuell, dass die finanzielle Situation auf den schweinehaltenden Betrieben katastrophal ist, jeder Tag einen echten Existenzkampf birgt und jeden Tag mehr Betriebe aussteigen.

Ein klare Aussage zu Hilfsgeldern, um die schweinehaltenden Betriebe in der gegenwärtigen Situation zu unterstützen, gab es hingegen nicht. Staack: Viele gute Worte – jetzt müssen aber auch schnell Taten folgen! Denn wer die Zukunft auf den Weg bringen will, der muss jetzt die Schweinehalter bei der Bewältigung der akuten Preiskrise unterstützen. Das heißt, die Schweinehalter brauchen kurzfristig Unterstützung, um betrieblich zu überleben! Staack erläutert weiter: Den Schweinehaltern steht das Wasser finanziell bis zum Hals. Sie brauchen dringend kurzfristige Unterstützung. Trotzdem hakt es, weil von Seiten der Bundesregierung wichtige Klarstellungen zur Bewilligung der Hilfsgelder fehlen. Leider gab es dazu bislang keine Aussage! Dabei tickt die Uhr: An jedem Tag, an dem sich deren Auszahlung weiter verzögert und noch nicht auf den Konten der Schweinehalter ankommt, gehen mehr Betriebe im finanziellen Desaster unter. Betriebe, welche die gesellschaftlich gewünschten Veränderungen in ihren Ställen nicht mehr umsetzen können. Und auch an anderer Stelle klaffen Zukunftspläne und betriebliche Realität weit auseinander, so Staack weiter: Ein Schweinehalter, der heute seine Ställe in Richtung dieser Zukunftspläne umbauen will, der kann das nicht und er darf es auch oft nicht. Traurig aber wahr: Vielschichtige Genehmigungshürden bremsen derzeit jegliche Weiterentwicklung der Betriebe aus. Das aufzulösen ist ein echter Kraftakt – oder wie Frau Lemke treffenderweise sagte: eine Herkulesaufgabe.


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