12.05.2020rss_feed

Corona-Infektionen in Schlachtbetrieben – Update 12. Mai: Warten auf weitere Ergebnisse

Corona-Infektionen bei Schlachtbetrieben

Nachdem am vergangenen Freitag der Schlachthof der Westfleisch in Coesfeld aufgrund von Corona-Infektionen vorübergehend geschlossen wurde, laufen nun die Untersuchungen der Schlachthofmitarbeiter sowie die Inspektion der Unterbringung der Werksmitarbeiter in ganz NRW und einigen anderen Bundesländern. Inzwischen liegen bereits erste Testergebnisse vor, bislang ohne größere Überraschungen. Allerdings werden weitere Ergebnisse in den nächsten Tagen folgen.

ISN: Auch wenn das Medieninteresse an dem Thema nach wie vor groß ist – es wird weiter besonnen, aber sehr intensiv die Infektionslage in der Schlachtbranche insgesamt untersucht. Damit kein Überbietungswettbewerb der Maßnahmen zwischen den Kommunen und Bundesländern stattfindet, ist weiterhin Augenmaß gefragt. Bislang sind auch die Marktakteure größtenteils besonnen geblieben – sowohl auf Seiten der Fleischwirtschaft als auch auf Seiten der Landwirtschaft. Deshalb machen erste Zeichen der Entspannung am Markt inzwischen auch Hoffnung.

 

 

Aufgrund der Corona-Infektionen im Schlacht- und Zerlegebetrieb der Westfleisch in Coesfeld hat die Landesregierungen in NRW entschieden, auf allen großen Schlachtbetrieben im Land Corona-Untersuchungen der Schlachthofmitarbeiter durchzuführen – das sind allein in NRW immerhin 20.000 Mitarbeiter. Schleswig-Holstein ist dem Beispiel gefolgt und auch in Niedersachsen werden Schlachthofmitarbeiter untersucht und die Unterkünfte der Werksmitarbeiter inspiziert.

 

Umfangreiche Untersuchungen noch nicht abgeschlossen

Nach Angaben der dpa wurden bei Westfleisch in Coesfeld bis Dienstagnachmittag rund 1.000 Arbeiter auf eine Infektion getestet, davon waren 260 positiv. Weitere Ergebnisse stehen noch aus. Auch an den anderen Westfleisch-Standorten, wo der der Schlachtbetrieb weiterläuft, wurden Massentests durchgeführt. Bisher wurden in Oer-Erkenschwick insgesamt 150 Mitarbeiter positiv auf COVID-19 getestet, davon sollen ein Großteil aber schon wieder genesen und aktuell noch 33 infiziert sein. Bei der Westfleisch in Hamm-Uentrup  wurden laut dpa 1150 Tests durchgeführt. Die Auswertung der Ergebnisse liegt noch nicht vor, die dpa spricht aber von Indizien, dass sich das Phänomen Coesfeld in Hamm nicht wiederholt. Weitere Ergebnisse werden für morgen erwartet.

Deutschlands größtes Schlachtunternehmen Tönnies teilte heute in einer Pressemeldung mit, dass am Standort Kellinghusen alle 170 Mitarbeiter getestet wurden und alle Proben negativ seien. Für den Standort Rheda erwarte man morgen die ersten Testergebnisse. Das Schlachtunternehmen stellte außerdem ein Hygienekonzept mit 14 Punkten zur Corona-Risiko-Minimierung vor, das die Bereiche Arbeit, Wohnen und Transport umfasst. Unter anderem soll ein Testcenter für PCR-Tests auf COVID-19 aufgebaut werden.

 

Infektionen in Schöppingen und Birkenfeld

Nachdem am gestrigen Abend der Kreis Schöppingen mitgeteilt hat, dass 33 Mitarbeiter der Boeser Frischfleisch GmbH positiv auf das Coronavirus getestet wurden, wurde heute bekannt gegeben, dass der Zerlegebetrieb für zwei Wochen geschlossen werden soll. Der Betrieb erklärte, dass durch die Kontakte und die damit verbundenen Quarantänemaßnahmen so viele Mitarbeiter ausfallen, dass der Zerlegebetrieb für die Quarantänezeit von zwei Wochen eingestellt wird.

Bereits Ende April wurde auf dem Müller-Schlachthof in Birkenfeld bei Pforzheim das Coronavirus bei über 100 Mitarbeitern festgestellt. Nachdem es dort einige Zeit scheinbar ruhig war, sind dort nun weitere 82 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden sind. Damit steige dort die Zahl der Mitarbeiter, die mit Covid-19 infiziert sind oder waren, auf rund 400,  was knapp ein Viertel der Belegschaft von etwa 1100 Mitarbeitern ist. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben deshalb an einem Pandemieplan 2.0. zur weiteren Eindämmung.

 

 

Die ISN meint:

Auch wenn das Medieninteresse an dem Thema nach wie vor groß ist – Nun wird besonnen, aber sehr intensiv die Corona-Infektionslage in der Schlachtbranche insgesamt untersucht. Natürlich wird alles getan, um die Verbreitung des Virus wirksam einzudämmen und die Schlachthofmitarbeiter zu schützen. Damit kein Überbietungswettbewerb der Maßnahmen zwischen den Kommunen und Bundesländern stattfindet, ist weiter Augenmaß gefragt. Denn der Schlachtbetrieb muss u.a. aus Tierschutzgründen in Gang bleiben bzw. dort, wo er vorerst eingestellt wurde, schnellstmöglich wieder in Gang kommen. 
Erste Zeichen der Entspannung am Markt machen Hoffnung, dass sich das Blatt hier nun wieder wendet. Wichtig ist es, dass nun keine Panikverkäufe von zu leichten Schweinen erfolgen, um die Zahl der Schlachtschweine nicht unnötig in die Höhe zu treiben. Bislang sind die Marktakteure größtenteils besonnen geblieben – sowohl auf Seiten der Fleischwirtschaft als auch auf Seiten der Landwirtschaft. So hat beispielsweise die Westfleisch zugesichert, trotz des Ausfalls in Coesfeld alle Schlachtschweine von ihren Vertragslandwirten abzunehmen und die Schlachtgewichtsgrenze zu erhöhen, um übergewichtige Schweine in der jetzigen Situation nicht zu bestrafen. 

 


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