25.05.2021

Perspektive 2040: Zwei Ferkelerzeuger zeigen ihre Lösungen für Deckzentrum und Abferkelstall

Im vierten Teil der Veranstaltungsreihe Perspektive 2040 stellten zwei Ferkelerzeuger ihre betriebsindividuellen Lösungen zur Umsetzung der neuen Haltungsvorgaben im Deckzentrum und Abferkelbereich vor. ©ISN

Im vierten Teil der Veranstaltungsreihe Perspektive 2040 stellten zwei Ferkelerzeuger ihre betriebsindividuellen Lösungen zur Umsetzung der neuen Haltungsvorgaben im Deckzentrum und Abferkelbereich vor. ©ISN

Im vierten Teil der Veranstaltungsreihe Perspektive 2040: Schweinehaltung mit Zukunft stellten letzte Woche zwei Sauenhalter am Beispiel ihrer eigenen Betriebe Umbau- bzw. Neubaulösungen im Deckzentrum und im Abferkelbereich vor.

ISN: Zwei Ferkelerzeuger haben eindrucksvoll gezeigt, wie sie die Herausforderung der Weiterentwicklung ihrer Betriebe bereits angegangen sind – das macht Mut. Wieder einmal zeigte sich aber auch, dass die Politik in der Pflicht ist, die Stallbaubremse endlich zu lösen, damit Schweinehalter ihre Betriebe überhaupt weiterentwickeln können.

 

Im vierten Teil der Veranstaltungsreihe Perspektive 2040 stellten es in der vergangenen Woche zwei Ferkelerzeuger aus Niedersachsen ihre betriebsindividuellen Lösungen zur Umsetzung der neuen Haltungsvorgaben im Deckzentrum und Abferkelbereich vor. Beide Betriebe sind Modell- und Demonstrationsbetriebe (MuD) des Bundes. Von baulichen Maßnahmen, über Anpassungen im Management bis hin zum erfolgreichen Besamen der Sauen im neuen Deckzentrum sowie zur erfolgreichen Abferkelung in Bewegungsbuchten, wurden alle Aspekte detailliert erläutert und den Teilnehmern bildlich nähergebracht.

 

Deckzentrum mit viel Ausweichmöglichkeiten

Im ersten Vortrag wurde die Bedeutung von ausreichend Platzbedarf und Strukturierung für die Sauen während der Gruppenhaltung im Deckzentrum sehr deutlich. Rangkämpfe und gegenseitiges Bespringen der Sauen in der Rausche treten aber dennoch auf, erläuterte der Landwirt, dessen Sauen auch in der Rauschephase bereits in der Gruppe gehalten werden. Gerade an das gegenseitige Bespringen müsse man sich erst einmal gewöhnen, so der Landwirt. Allerdings ermögliche der Stallaufbau, dass sich die Sauen aus dem Weg gehen bzw. gegenseitig ausweichen können. Die Besamungen erfolgen auf dem Betrieb in dafür eingerichteten Fress-Liegebuchten, so dass ein zügiges Besamungsmanagement mit entsprechender Stimulation durch den Eber weiter möglich ist. Viele Sauen nutzten diese Liegebuchten aber auch freiwillig als Rückzugsraum, beschrieb der Landwirt seine Erfahrungen. Wichtig sei auch die Anordnung der Liegekessel, in denen die Sauen in Liegeposition den Stall in Blick behalten können. Die Verletzungsraten können nach Aussage des Landwirts so in Griff gehalten werden und auch der Belegungserfolg sei im gleichen Rahmen im Vergleich zum konventionellen Deckzentrum mit Fixierung.
Den Platz im neuen Deckzentrum schaffe der Landwirt durch einen Anbau an das Deckzentrum. Dabei wurde auch ein Außenklimabereich geschaffen, der durch eine Wand vom inneren Stallbereich abgetrennt war und den die Sauen über eine breite Pendeltür betreten können. Um auch mit einer entsprechenden Menge an organischen Materialien umgehen zu können, wurden die Güllekanäle mit entsprechend spülbaren Kanälen ausgestattet. In den eigens eingerichteten Bereichen im Außenklimabereich werden aktuell Strohpellets zum Fressen und zur Beschäftigung gegeben.

 

Bewegungsbuchten schon seit 2018

Bei der Beschreibung des zweiten Beispielbetriebes stand der Abferkelstall im Fokus. Dieser wurde bereits 2017/2018 neu gebaut. Dabei habe er Glück gehabt, dass seine 7,3 m² großen Abferkelbuchten nun auch den neuen Vorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung entsprächen, die beim Bau noch nicht bekannt waren. Der Landwirt legte besonders Wert auf die Ausgestaltung der Abferkelbucht. Die Ferkel müssen sich in einem Schutzbereich um die Sau herum bewegen können, um zusätzliche Ferkelverluste z.B. durch Erdrücken zu vermeiden. Die Sauen legten sich sehr unterschiedlich ab. Ohne Frage bedeuten die Bewegungsbuchten Umstellungen im Management, so der Landwirt. Wichtig sei dabei, dass die Bedienung der Schutzvorrichtung einfach sei. Klar sei aber beispielsweise auch, dass das System einen höheren Zeitbedarf bedeute. So erfordere beispielsweise das Einsammeln der Ferkel beim Absetzen mindestens eine zweite Person. Der Landwirt füttert die Sauen im Abferkelstall komplett ad libitum. Die Ferkelverluste hätten sich durch die kurze Fixierungsdauer nicht wesentlich erhöht, dafür sei aber nicht nur die Haltungstechnik verantwortlich. Man habe gleichzeitig auch auf eine Genetik mit guten Muttereigenschaften gesetzt. Und ein weiteres Detail betonte der Landwirt für den Abferkelbereich noch. Nämlich die offene Gestaltung der Buchtenabtrennungen im oberen Bereich. Dadurch würden auch soziale Interaktionen zwischen den Sauen zugelassen, wodurch die Rangkämpfe laut Eindruck des Landwirts nach dem Absetzen deutlich reduziert seien.    

 

Hohe Kosten und viel Aufwand, aber Tiere danken es

Besonders großes Interesse galt den praktischen und technischen Lösungen, wie die jeweiligen Fragen im Nachgang der Vorträge zeigten. Die Praktiker legten Vor- und Nachteile ihrer Stallkonzepte offen, sodass sich die Teilnehmer ein realistisches Bild machen konnten. So hieß es aus Sicht der Praktiker ganz deutlich: Der hohe Flächenbedarf ist teuer, aber die Sauen danken es. Der zweite Betriebsleiter betonte, dass der Arbeitsaufwand deutlich höher als früher sei, es aber schön anzusehen sei, wenn Sau und Ferkel sich bewegen können. Das käme auch bei den Besuchern gut an, so der Landwirt, der mit seinem Betrieb nun insgesamt auf die Haltungsstufe 4 mit entsprechendem Vermarktungskonzept setzt und auch schon längere Zeit auf das Kupieren der Schwänze verzichtet. Beide Landwirte betonten, dass man sich an das Thema erst rantasten müsse, es aber durchaus Chancen für Ferkelerzeuger biete und ermutigten ihre Berufskollegen dazu den Weg ebenfalls zu gehen.

 

Die ISN meint:

Ebenso wie die beiden Schweinemäster aus der vergangenen Veranstaltung, zeigten auch dieses Mal die beiden Ferkelerzeuger eindrucksvoll, wie sie die Herausforderung der Weiterentwicklung ihrer Betriebe bereits angegangen sind. Das sollte auch anderen Ferkelerzeugern Mut machen. Aber auch mit den Ausführungen in dieser Veranstaltung wurde deutlich, dass die Stallbaubremse greift und auch die Umsetzung der neuen Haltungsvorgaben mit hohen Genehmigungshürden verbunden ist.  Hier muss die Politik endlich liefern und die bestehende Stallbaubremse lösen. Deutlich wurde auch: mehr Tierwohl gibt nicht zum Nulltarif. Genau deshalb braucht es auch ein Gesamtkonzept für die Weiterentwicklung der Betriebe. Der Borchert-Plan soll genau dafür den Rahmen bieten. Jetzt und insbesondere auch im bevorstehenden Wahlkampf wird sich zeigen, wie ehrlich es die verschiedenen Parteien und Politiker mit ihrem breiten Bekenntnis zum Borchert-Plan und zur Weiterentwicklung der Tierhaltung meinen. Die ISN hat zu diesem Thema eine neue Kampagne gestartet unter dem Titel Weiterentwicklung ermöglichen - Stallbaubremse lösen und wird genau hier den Finger in die Wunde legen.

 

Zum Hintergrund der Veranstaltungsreihe

Die gemeinsame Veranstaltungsreihe Perspektive 2040: Schweinehaltung mit Zukunft des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, der Schweinespezialberatung Schleswig-Holstein, des Netzwerks Sauenhaltung Schleswig-Holstein und der ISN soll Antworten auf die drängenden Fragen zur Weiterentwicklung der Schweinehaltung gegeben: Wohin führt uns der Weg der Umgestaltung? Wie sehen pragmatische Lösungen aus? Welche Hürden gibt es noch zu überwinden? Wo kann unsere Schweinehaltung im Jahr 2040 stehen?

Die Veranstaltungsreihe geht nun in die Sommerpause und wird im September fortgeführt.

 


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Hier geht’s zur Kampagne „Betriebsentwicklung ermöglichen - Stallbaubremse lösen“