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Perspektive 2040: Zwei Schweinehalter zeigen ihre lösungen für Tierwohl-Ställe

© ISN

Im dritten Teil der Veranstaltungsreihe Perspektive 2040: Schweinehaltung mit Zukunft stellten in dieser Woche zwei Schweinehalter am Beispiel ihrer eigenen Betriebe unterschiedliche Umbau- bzw. Neubaulösungen für Tierwohlställe für Mastschweine mit Außenklima vor.

ISN:  Zwei Schweinemäster haben eindrucksvoll gezeigt, wie sie die Herausforderung zur Weiterentwicklung ihrer Betriebe in Richtung Tierwohl angegangen sind. Viel mehr Tierwohl wäre aber möglich, wenn derartige Weiterentwicklungen in der Breite der Betriebe ermöglicht und endlich die Stallbaubremse gelöst würde.

 

Zukunftsmodelle in der Schweinemast

Viele Schweinehalter müssen in naher Zukunft erhebliche Veränderungen im eigenen Betrieb umsetzen. Zum einen schreibt die neue Tierschutz-Nutztierhaltungs-VO, die im Februar veröffentlicht wurde, teils erhebliche Anpassungen vor. Zum anderen werden die Forderungen nach höheren Haltungsformen immer lauter. Schweinehaltern, welche die Schweinehaltung langfristig fortführen wollen, stellt sich die Frage, wie das Zukunftsmodell für ihre Schweinehaltung im eigenen Betrieb aussehen kann. Viel wird darüber nämlich schon seit längerer Zeit beispielsweise im Hinblick auf die Tierwohlkennzeichnung und den sogenannten Borchert-Plan diskutiert. Auch im Lebensmitteleinzelhandel gewinnen die höheren Stufen der Haltungsformen immer mehr an Aufmerksamkeit.

Nachdem es in den beiden zurückliegenden Veranstaltungen dieser Reihe um die politische Einordnung, das Konzept und die Haltungskriterien zum Borchert-Plan ging, richtete sich im dritten Teil der Veranstaltungsreihe der Blick auf zwei Schweinehalter, die in ihren Betrieben den Schritt zu mehr Tierwohl in ihren Mastställen bereits gegangen sind. Die beiden Praktiker präsentierten jeweils ihre Um- bzw. Neubaulösungen hin zum Offen- bzw. Außenklimastall in der Mastschweinehaltung.

 

Offen- und Außenklimastall von A bis Z

Beide Landwirte haben gezeigt, wie sie die Herausforderung Tierwohl mit Außenklima oder als Offenstall betriebsindividuell gelöst haben. Von der Planungs- und Bauphase, über anfängliche Stolpersteine bis hin zum erfolgreichen Mästen der Schweine im neuen Stall, wurden alle Aspekte detailliert erläutert und den Teilnehmern bildlich näher gebracht. Ein großes Interesse an den praktischen Lösungen zeigte sich auch im Nachgang der Vorträge an den zahlreichen, zum Teil sehr weit ins Detail gehenden Nachfragen, die ungeschönt und detailliert beantwortet wurden. Sowohl die Vorteile als auch die Nachteile der Stallkonzepte wurden von den Praktikern offengelegt, sodass sich die Teilnehmer insgesamt ein sehr realistisches Bild davon machen konnten, wie es ist, einen Offenstall oder Außenklimastall zu betreiben. So hieß es aus Sicht des einen Praktikers ganz deutlich: Der Offenstall macht Spaß, ist aber mit viel Handarbeit verbunden. Der zweite Betriebsleiter machte deutlich, dass die Strukturierung der Stallbereiche entscheidend dafür ist, wie gut das Stallkonzept funktioniert. Auf beiden Betrieben werden nur unkupierte Schweine gehalten – denn die Lösung des Kuperverzichts in ihren Betrieben sahen beide Vortragende als wichtige Motivation für die Neuausrichtung ihrer Ställe an. Beide Betriebsleiter stellten aber auch klar, dass sich der Mehraufwand am Ende auch finanziell rechnen muss. So vermarkten beide Betriebe ihre Tierwohlschweine über entsprechende Sondervermarktungswege, über die sie die notwendigen höheren Verkaufserlöse erzielen können.   

 

Tierwohlställe müssen genehmigungsfähig sein

In der Diskussion wurde auch die Schwierigkeit deutlich, entsprechende (Um-)Baugenehmigungen für derartige Tierwohlställe zu bekommen. Einer der beiden Referenten brachte es auf den Punkt. Es sei nicht zu begreifen, dass sein Stall auf der einen Seite als besonders tiergerecht ausgezeichnet werde, er auf der anderen Seite aber keine Genehmigung für den Umbau seiner übrigen Ställe bekomme, die er in gleicher Weise gestalten wolle. Er beschrieb die aktuelle Lage deutlich: Ich finde die Situation ermüdend. Viele wollen ihre Betriebe weiterentwickeln und haben bereits Ideen im Kopf, aber die gesetzlichen Rahmenbedingungen werden nicht geschaffen.

 

Die ISN meint:

Die beiden Betriebsleiter haben eindrucksvoll gezeigt, wie sie die Herausforderung der Weiterentwicklung ihrer Betriebe angegangen sind, ohne darauf zu warten, bis die Politik im Detail die Rahmenbedingungen gesetzt hat, so Dr. Karl-Heinz Tölle, Geschäftsführer der ISN-Projekt GmbH, im Schlusswort zur Veranstaltung. Allerdings muss die Politik den Schweinehaltern endlich Planungssicherheit und Perspektive für die Weiterentwicklung ihrer Betriebe liefern. Die bestehende Stallbaubremse, die greift, wenn Landwirte ihre Betriebe weiter entwickeln und z.B. mehr Tierwohl umsetzen wollen, muss endlich gelöst werden. Klar ist auch, dass mehr Tierwohl nicht zum Nulltarif zu haben ist. Genau deshalb braucht es auch ein Gesamtkonzept, bei dem am Ende alle Fäden zusammenfließen können. Der Borchert-Plan soll schließlich genau dafür den Rahmen bieten. Jetzt und insbesondere auch im bevorstehenden Wahlkampf wird sich zeigen, wie ehrlich es die verschiedenen Parteien und Politiker mit ihrem breiten Bekenntnis zum Borchert-Plan und zur Weiterentwicklung der Tierhaltung meinen. Die ISN wird zu diesem Thema in Kürze eine neue Kampagne starten unter dem Titel Stallbaubremse lösen und wird genau hier den Finger in die Wunde legen. 

 

Zum Hintergrund der Veranstaltungsreihe

Durch Neuregelungen im Ordnungsrecht, z.B. die Novellierung der Tierschutz-Nutztierhaltungs-VO, sowie die Ideen zur Veränderung der Tierhaltung im Rahmen einer Nutztierstrategie (Borchert-Papier) ergeben sich für jeden Schweinehalter in den nächsten Jahren konkrete Notwendigkeiten zu erheblichen Veränderungen im eigenen Betrieb. Hier müssen die Schweinehalter als Unternehmer weitreichende Entscheidungen für ihre Betriebe treffen. Dafür sind Planungssicherheit, Perspektive und Vertrauen in die Politik zwingend notwendig.

Die gemeinsame Veranstaltungsreihe des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, der Schweinespezialberatung Schleswig-Holstein , des Netzwerks Sauenhaltung Schleswig-Holstein  und der ISN soll Antworten auf die drängenden Fragen gegeben: Wohin führt uns der Weg der Umgestaltung? Wie sehen pragmatische Lösungen aus? Welche Hürden gibt es noch zu überwinden? Wo kann unsere Schweinehaltung im Jahr 2040 stehen?

 

Die nächste Veranstaltung aus der Reihe findet am 18.Mai um 15:30 Uhr statt. Dabei werden zwei Sauenhalter Beispiele aus der Praxis für den Stallumbau bzw. Stallneubau vorstellen.


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