16.06.2022rss_feed

Nachhaltigkeitspreis und Preisdruck – Wie passt das zusammen?

Medienberichten zufolge wollen Handelsunternehmen mit Verweis auf den Weltmarkt keine weiteren Preissteigerungen für Schweinefleisch akzeptieren.

Medienberichten zufolge wollen Handelsunternehmen mit Verweis auf den Weltmarkt keine weiteren Preissteigerungen für Schweinefleisch akzeptieren.

Medienberichten zufolge wollen Handelsunternehmen gegenüber ihren Lieferanten in derzeitigen Verhandlungen keine weiteren Preissteigerungen für Schweinefleisch akzeptieren. Obwohl das Angebot an deutscher Ware deutlich rückläufig ist, wollen die Händler nur den Weltmarktpreis bezahlen. Insbesondere der Discounter ALDI soll bei diesen Forderungen mitmischen. Ausgerechnet das Unternehmen, das vergangene Woche noch mit einem Award für Nachhaltigkeit ausgezeichnet wurde.

 

Am Schweinemarkt lassen sich derzeit deutlich die Folgen der seit über zwei Jahren andauernden Krise beobachten. Nachdem insbesondere im letzten Jahr etliche Ferkelerzeuger aufgrund der wirtschaftlichen Schieflage bei gleichzeitig fehlender Perspektive die Entscheidung trafen, die Sauenhaltung für immer einzustellen, nimmt das Lebendangebot in Deutschland nun zeitversetzt spürbar ab. Im Gegensatz dazu ist der europäische Fleischmarkt durch die stockenden Drittlandsexporte in Länder außerhalb der EU sowie durch die hohe Inflationsrate verbunden mit den Veränderungen im Einkaufsverhalten der Verbraucher ausreichend versorgt. Medienberichten zufolge sollen Handelsunternehmen das zum Anlass nehmen, Preisdruck auf ihre Lieferanten auszuüben.

 

Handel stemmt sich gegen Preissteigerungen beim Schweinefleisch

So berichtet die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) heute über derzeit laufende Verhandlungen zwischen Handel und Fleischproduzenten. Dabei sollen die Handelskonzerne mit außergewöhnlich scharfen Forderungen in die Gespräche gehen und offenbar keine weiteren Preissteigerungen speziell für Schweinefleisch akzeptieren. Zwar gibt es zu diesen Aussagen laut NOZ keine offizielle Stellungnahme der Händler, doch in Gesprächen mit der Redaktion soll in diesem Zusammenhang besonders ein Unternehmensname häufiger gefallen sein: der des Unternehmens ALDI. Ein Sprecher des Discounters bestätigte der Redaktion, dass derzeit die Lieferanten ihre Angebote abgeben und sich dabei grundsätzlich am jeweiligen weltweiten Marktgeschehen orientieren würden. Die NOZ zitiert: Hier sehen wir derzeit insbesondere beim Schweinefleisch wieder sinkende Basispreise, nicht zuletzt aufgrund der erheblichen Überkapazitäten am Markt

 

ISN: Preisdruck völlig falsches Signal zur Unzeit

Die Forderung der Handelsunternehmen ist ein völlig falsches Signal zur Unzeit, kommentiert ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. Der Schweinebestand in Deutschland ist auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren und die vorläufigen Ergebnisse der Mai-Viehzählung zeigen weitere besonders hohe Rückgänge insbesondere bei der Zahl der Sauenhalter und Sauen. Sprich, wir haben ein deutlich rückläufiges Angebot an deutscher Ware, insbesondere 5xD, und in den kommenden Wochen wird das noch spürbarer werden, führt Staack weiter aus. Wer in so einer existentiellen Phase von den deutschen Tierhaltern immer höhere Standards fordert und gleichzeitig bei der Bezahlung auf die Preise am Weltmarkt verweist, der zeigt seinen wahren Charakter! Das ist so, als würde man eine Luxuslimousine fordern, aber einfach nur einen Kleinwagen bezahlen – das ist dreist!, kritisiert Staack. Dementsprechend sind Forderungen nach Preisrückgängen mit Verweis auf den Weltmarkt derzeit völlig deplatziert und gehen am Marktgeschehen hierzulande völlig vorbei!

 

Preisdruck vs. Nachhaltigkeitspreis

Besonders fragwürdig erscheint das Ganze vor dem Hintergrund, dass ALDI Nord und ALDI Süd vergangene Woche für das Projekt Haltungswechsel mit dem Deutschen Award für Nachhaltigkeitsprojekte 2022 in der Kategorie Lieferkette ausgezeichnet wurden, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung bekannt gab. Wir müssen ganz nüchtern feststellen: das passt alles hinten und vorne nicht zusammen. Auf der einen Seite einen Preis für ein Projekt zu holen, das Zuschläge für höhere Haltungsformen ins Schaufenster stellt und auf bessere Haltungsbedingungen abzielt und auf der anderen Seite am deutschen Markt den Basispreis zu drücken mit dem Verweis auf den Weltmarkt, kritisiert Staack. Das hat mit Nachhaltigkeit nichts zu tun!

 


Preisdruck bei Schweinefleisch: Völlig falsches Signal zur Unzeit

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