27.12.2018rss_feed

Keine Lust auf (Bio)Labelfleisch? Wie viel sind den Schweizern hohe Tierwohlstandards noch wert?

Flagge Schweiz

In der Schweiz hat Schweinefleisch, das unter höheren Tierwohl- oder gar Biostandards produziert wurde, derzeit einen schweren Stand: Der Absatz von Bioschweinefleisch entwickelt sich weniger dynamisch als erhofft und die Preise sind auf den tiefsten Stand seit über 10 Jahren gesunken. Auch die Kauflust für Labelfleisch scheint abgeflaut zu sein.

 

Labelfleisch deklassiert

Der Schweizer Lebensmittelhändler Coop teilt seinen Lieferanten mit, dass er sich, aufgrund der eingebrochenen Nachfrage gezwungen sehe, die unter dem Naturafarm-Label produzierten Schweine per 2020 gegenüber 2017 um 30 Prozent zu reduzieren und die Platzanforderungen und Labelprämien anzupassen. In dem Schreiben heißt es weiter, dass Coop in den letzten Jahren eine immer grösser werdende Menge an Labelfleisch deklassieren musste.

 

Bioschweine: Mittelfristig keine Entspannung in Sicht

Der Preis für Schweizer Bioschweine ist seit August 2017 im Sinkflug. Im Oktober 2018 erreichte er gar den tiefsten Stand seit über 10 Jahren. Der Preissturz kommt nicht von ungefähr. Der Haltung von Bio-Schweinen ist in den letzten Jahren stark gewachsen, weil die in Aussicht gestellte Nachfrage groß war. Seit 2011 hat sich die Zahl der geschlachteten Bioschweine von 20'000 auf über 40’000 mehr als verdoppelt. Und das Angebot wird voraussichtlich weiter steigen, denn Betriebe, die vor zwei Jahren mit der Umstellung begonnen haben, drängen ab 2019 ebenfalls auf den Markt.

Der Dachverband der Schweizer Bio-Produzenten Bio Suisse will den Absatz von Bio-Schweinefleisch am Verkaufspunkt fördern und eine solidarische moderate Mengenreduzierung von Seiten der Bioschweinehalter soll die Preise wieder stabilisieren.

Michèle Hürner, Produktmanagerin Fleisch bei Bio Suisse, rät umstellungswilligen Schweinehaltern zu warten, denn mittelfristig sei keine Entspannung der Situation in Sicht.

 

Schweizer Bauernverbände fragen: Wie viel darf Tierwohl kosten?

Den Schweizer Bauernverband, den Kälbermästerverband und Suisseporcs alarmiert die Entwicklung. Sie befürchten nichts weniger, als den Ausverkauf der Schweizer Landwirtschaft. «Ein hohes Tierwohl-Niveau ist bei jeder Meinungsumfrage eine Hauptforderung der Konsumentinnen und Konsumenten an die Schweizer Landwirtschaft», schreiben sie.

In Anbetracht der unbefriedigenden Verkaufszahlen stelle sich damit letztlich die Frage, ob denn überhaupt jemand bereit sei, für Tierwohl mehr zu bezahlen oder ob am Schluss beim Einkauf doch nur der Preis entscheide, wie viel Tierwohl im Einkaufskorb landet.


open_in_newInterview mit Michèle Hürner, Produktmanagerin Fleisch bei Bio Suisse

open_in_newBericht der Schweizer Bauernzeitung zum Coop-Label

arrow_forwardVion-Tochter schlachtet über 100 000 Bioschweine in den Niederlanden


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