08.06.2016 rss_feed

Mal was probieren - Junge ISN diskutiert mit Greenpeace und WWF

Markus Wolter, WWF, wirbt für den Anbau heimischer Eiweißpflanzen

Markus Wolter, WWF, wirbt für den Anbau heimischer Eiweißpflanzen

Was kann die Agrarbranche von den NGO´s lernen und ist der heimische Anbau von Eiweißpflanzen eine Alternative zum Sojaimport aus Südamerika? Auf ihrer Mitgliederversammlung diskutierten die Jungen ISNler mit den NGO-Agrarexperten Markus Wolter (WWF) und Martin Hofstetter (Greenpeace).

 

Den Aufschlag machte Markus Wolter, Referent für Agrarrohstoffe und Tierhaltung beim WWF Deutschland. Er hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Sojaanbau in Südamerika auseinandergesetzt. Dieser führt aus seiner Sicht zu vielschichtigen landwirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Fehlentwicklungen in den Anbauländern.

Der intensive Anbau gehe auf Kosten der Wälder, Savannen und Grasländer und zerstöre das Ökosystem. Er bemängelt das fehlende Bodenmanagement, welches zu Bodenerosion, Verlust der Bodenfruchtbarkeit, Nährstoffverlusten und schlussendlich zu Mindererträgen in den Anbauregionen führt. Die von Wolter beschriebene Anbaupraxis in Südamerika rief Unverständnis bei der Zuhörern hervor: Kapitalvernichtung ist das! – waren sich die Jungschweinehalter mit den WWF-Referenten einig.

 

Wo ansetzen?

Doch wo für Veränderungen angesetzt werden müsste, darüber war man sich uneinig.

Wolter warb für den Anbau von Ackerbohnen, Erbsen und Co. in Deutschland und hatte Studien im Gepäck, die keine signifikanten Unterschiede in der Wachstumsintensität (TZ) und der Schlachtkörperqualität bei der Fütterung von heimischen Leguminosen aufwiesen. Er wies auch auf die vielen positiven Eigenschaften von Leguminosen wie die Auflockerung der Fruchtfolge, die Verbesserung der Stickstoffversorgung und Senkung des Bedarfs an synthetischen N-Düngern hin und dass diese den Bedarf an Import-Soja senken. Vor allem Eigenmischer könnten vom eigenen Anbau heimischer Körnerleguminosen profitieren und diese werden schon erfolgreich in der Schweinemast eingesetzt. Dazu sei durch die neuen Greening-Auflagen der Anreiz für einige Landwirte wieder größer geworden.

Wäre es nicht zielführender, die Landwirte in Südamerika aufzuklären und zu beraten, als in Deutschland den ineffizienten Anbau von heimischen Eiweißpflanzen auf den knappen deutschen Flächen zu fördern? Zumal die Sortenentwicklung lange vernachlässigt wurde und deshalb das Ertragspotential entsprechend schwankend und niedrig ausfällt, fragten die Jungen ISNler. Und hat es wirklich einen Effekt auf den Sojabohnenanbau in Südamerika, wenn Deutschland als Importeur von 4,5 Mio. Tonnen Soja jährlich dem Importbedarf von 90 Mio. Tonnen in China gegenübersteht?

Ja, es habe einen Effekt war sich Wolter sicher. Wir müssen Verantwortung übernehmen und uns bewusst werden, zu welch hohem Preis der Sojananbau in Südamerika stattfindet, appellierte Wolter an die Zuhörer.


Martin Hofstetter, Greenpeace, verrät das "Erfolgsgeheimnis" von Greenpeace

Martin Hofstetter, Greenpeace, verrät das "Erfolgsgeheimnis" von Greenpeace

Die Lobbyarbeit der Agrarwirtschaft ist extrem erfolgreich

Was hat Greenpeace, was ich/wir nicht haben? diese Frage beantwortete Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace. Die Umweltschutzorganisation ist bekannt für ihre eindringliche Bildersprache und riskante Aktionen, die weltweit Aufmerksamkeit erregen.

Wieso findet Greenpeace scheinbar mehr Gehör mit seinen Kampagnen als die Landwirte? Dem widersprach Hofstetter: Die Lobbyarbeit der Agrarwirtschaft ist extrem erfolgreich, stellte er fest und machte dies am Erhalt an Subventionen, wie der Dieselverbilligung fest, aber auch an der Verhinderung restriktiverer Gesetzgebung, wie die Umsetzung der EU-Vorgaben zur Nitrat-Richtlinie.

 

…nur beim Image haperts

Nichts desto trotz: Die Landwirtschaft habe ein Imageproblem und verliere an Bedeutung. Mit der sinkenden Anzahl an Betrieben und der einhergehenden Entfremdung von der Wirtschaftsweise auf den Höfen schwinde auch die Akzeptanz in der Bevölkerung. Provokant zeigte Hofstetter Bilder vom Ferkelnottöten oder einem ‚Haufen‘ Spritzmittelkanister. Fehler, die die Landwirtschaft macht, nach Hofstetters Meinung. Überspitzte und vereinfachte Darstellung, sagten die Zuhörer.

 

Doch ohne den Schwarzen Peter dem Einen oder dem Anderen zuzuschieben, die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen in der Kommunikation. Da waren sich alle Anwesenden einig. Bei Greenpeace arbeiten Kommunikationsprofis an der zielgruppenorientierten Aufarbeitung von Themen. Hofstetter gab den Jungen ISNler mit auf dem Weg offen zu kommunizieren und auch Fehler einzugestehen. Kommen Sie raus aus ihrer Wagenburg und suchen Sie sich neue Verbündete, rief er den Jungschweinehaltern zu.

 

So eine spannende und vielschichtige Diskussion habe ich selten erlebt. Wir, von der Jungen ISN, bleiben auf jeden Fall aufgeschlossen und neugierig, zog Philipp Lütjens sein Fazit.


Vor der Diskussion besuchte die Junge ISN den Tönnies-Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück und die Landfleischerei Heseker - Mehr dazu hier...


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