01.09.2021

Gutsherrenart à la EDEKA: Anlieferer sollen Medien aktiv im Sinne des Unternehmens beeinflussen

Gutsherrenart a la EDEKA: Anlieferer sollen Medien aktiv im Sinne des Unternehmens beeinflussen. (Bild: eigene Darstellung; Logos EDEKA Foodservice und EDEKA Südwest Fleisch; Screenshots top agrar, agrarheute

Gutsherrenart a la EDEKA: Anlieferer sollen Medien aktiv im Sinne des Unternehmens beeinflussen. (Bild: eigene Darstellung; Logos EDEKA Foodservice und EDEKA Südwest Fleisch; Screenshots top agrar, agrarheute

Bei der aktuellen Diskussion zu den katastrophal niedrigen Schweine- und Ferkelpreisen sowie um das Marktverhalten der großen Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels hat nun die EDEKA Südwest Fleisch GmbH (ein 100 %-iges Tochterunternehmen der EDEKA Südwest) ein mehr als fragwürdiges Verhalten an den Tag gelegt.  Die Geschäftsführer des Unternehmens beklagen sich in einem E-Mail-Schreiben an die Schweine-Lieferanten über die Kritik am Unternehmen u.a. von Seiten der Landwirtschaft bzw. aus den (landwirtschaftlichen) Medien. Im weiteren Verlauf des Schreibens werden dann die Lieferanten aufgefordert, die Medien im Sinne des Unternehmens aktiv zu beeinflussen. Zudem soll über diese erfolgten Maßnahmen gegenüber der EDEKA Südwest Fleisch quasi einen Leistungsnachweis erbracht werden.

 

ISN: Ungeheuerlich! So eine Selbstherrlichkeit stinkt zum Himmel! Während es bei den Bauern um die nackte Existenz geht, sorgt man sich bei der EDEKA Südwest Fleisch nur um den eigenen Ruf – und dies mit äußerst zweifelhaften Methoden. Von demokratischen Grundwerten wie der Meinungsfreiheit hält man im Unternehmen hingegen scheinbar nicht viel. Wer sich trotz begründeter Kritik so wie hier verhält, für den sind Negativpreise wie die Kotzwurst von Greenpeace längst nicht genug. EDEKA Südwest Fleisch überschreitet hier ganz klar eine rote Line. Das wird Folgen haben!


EDEKA Südwest Fleisch sieht sich mit Pressemeldungen kompromittiert und verweist dabei unter anderem auf diese Meldung von top agrar ©https://www.topagrar.com/schwein/news/edeka-suedwest-verspricht-garantierte-abnahmemenge-plus-zuschlag-fuer-regionale-schweinemaester-12667428.html

EDEKA Südwest Fleisch sieht sich mit Pressemeldungen kompromittiert und verweist dabei unter anderem auf diese Meldung von top agrar ©https://www.topagrar.com/schwein/news/edeka-suedwest-verspricht-garantierte-abnahmemenge-plus-zuschlag-fuer-regionale-schweinemaester-12667428.html

EDEKA Südwest Fleisch fühlt eigenes Engagement nicht gewürdigt

Die Geschäftsführung der EDEKA Südwest Fleisch GmbH (ein 100 %-iges Tochterunternehmen der EDEKA Südwest) beklagt sich in einem E-Mail-Schreiben an die Schweine-Lieferanten - welches der ISN vorliegt - über die Kritik am Unternehmen u.a. von Seiten der Landwirtschaft bzw. aus den (landwirtschaftlichen) Medien. Gegenüber den Mitbewerbern, die sich am freien Markt versorgen habe man einen erheblichen finanziellen Nachteil. (Anmerkung: Die Aussage bezieht sich auf das Gutfleisch-Programm der EDEKA). Die angesprochenen Landwirte würden durch die individuellen Verträge von der vereinbarten Preisstützungsmaßnahme bei einer Notierung unter 1,40 € profitieren. Zudem sei man bundesweit der einzige Partner der Landwirtschaft, der eine ITW-Ausgleichszahlung von 3,50 € je Schwein leiste.

Die Geschäftsführung der EDEKA Südwest Fleisch beklagt, dass man sich trotz des Engagements des Unternehmens mit Pressemeldungen kompromittiert sehe. Sie verweist dabei konkret auf Meldungen aus top agrar und agrarheute.

 

Lieferanten sollen Unternehmen ins rechte Licht rücken

Besonders ungeheuerlich geht es dann im Anschreiben an die Lieferanten weiter: Anliefernde Viehvermarkter werden nicht nur dazu aufgefordert, die Medien im Sinne des Unternehmens zu beeinflussen. Die Lieferanten werden obendrein noch dazu aufgefordert, der EDEKA Südwest Fleisch quasi einen Leistungsnachweis über die erfolgten Maßnahmen zu erbringen. Wörtlich heißt es:

Wir bitten sie deshalb, aktiv aus ihrer Position / Funktion heraus an die Medien / Presse heranzutreten und hier unsere partnerschaftliche Zusammenarbeit und unsere wirtschaftliche Leistungen für unsere Landwirte ins rechte Licht zu rücken. Bitte informieren Sie uns über ihre Maßnahmen.

 

Die ISN meint:

Die Selbstherrlichkeit, mit der das Unternehmen hier auftritt ist schier unerträglich! Natürlich ist es vollkommen legitim, wenn ein Unternehmen, das sich in der Öffentlichkeit falsch dargestellt fühlt, gegenüber der Presse und der Öffentlichkeit die eigene Sichtweise und die eigenen Leistungen betont. Das was EDEKA Südwest Fleisch macht, überschreitet aber ganz klar eine rote Linie und geht gar nicht! Gibt es keine Moral in diesem Unternehmen, keine Achtung von demokratischen Grundwerten? Man muss sich den Zusammenhang mal auf der Zunge zergehen lassen: Weil es von Bauern nachvollziehbare Kritik am Handelsgebaren des Unternehmens gibt, will man seitens des Unternehmens Lieferanten instrumentalisieren, damit diese das selbst abgegebene Bild ins gewünschte rechte Licht rücken! Obendrein werden diese Lieferanten aufgefordert, quasi einen Leistungsnachweis über die Medienbeeinflussung zu erbringen. Wie selbstverliebt und ignorant muss man sein? Dieses Vorgehen erinnert doch sehr stark an einige Methoden des bisherigen US-Präsidenten Donald Trump.

Und dazu ausgerechnet die EDEKA Südwest. Gerade dieses Unternehmen konnte in der zurückliegenden Zeit durchaus positive Akzente in Bezug auf partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft setzen und überzeugen. Und nun folgt so ein Fehltritt! Wir sind zwar kein Lieferant der EDEKA Südwest Fleisch, aber gerne zeigen wir der Öffentlichkeit, wie man bei der EDEKA wirklich tickt. Und leider passt die unsägliche Gutsherrenart aus unserer Sicht komplett ins Bild: Während man mit mehr als fragwürdigen Methoden um Anerkennung für einen niedrigen Mindestpreis für Qualitätsprogramme buhlt und versucht, die Medien zu beeinflussen, handelt man weiterhin über eine andere EDEKA-Tochtergesellschaft (EDEKA Foodservice) Billigfleisch aus fernen Drittländern in Südamerika, bei denen man kaum etwas über die Erzeugerstandards weiß. Zudem wird so zusätzlicher erheblicher Preisdruck aufgebaut, wie wir in verschiedenen Meldungen in den letzten Tagen eingehend beschrieben haben. Trotz der massiven Kritik von uns und anderen landwirtschaftlichen Organisationen hat EDEKA Foodservice das kritisierte chilenische Schweinefleisch nach eigener Aussage übrigens nicht ausgelistet, sondern nur aus der aktiven Vermarktung genommen. Und noch etwas stößt uns sauer auf: Die mit der aktuellen E-Mail deutlich zur Schau gestellte Doppelmoral zeigt sich auch an anderer Stelle: Die EDEKA-Gruppe bringt sich nach den Bauernprotesten seit einigen Monaten in verschiedenen stufenübergreifenden Dialogformaten ein und gibt sich nach außen hin offen für Veränderung. Ist dies wirklich ernsthaft gemeint? Wie passt das zusammen? Scheinbar gilt auch an dieser Stelle: In der Krise zeigt sich das wahre Gesicht. Die Maske der EDEKA ist nun definitiv gefallen!


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