03.05.2016rss_feed

Viele Fragen zur betäubungslosen Ferkelkastration noch offen

Ferkelkastration

Ferkelkastration

Mit Blick auf das ab dem 1. Januar 2019 in Deutschland geltende Kastrationsverbot für Ferkel ohne Betäubung sind noch viele Fragen offen.

 

Wie die QS Qualität und Sicherheit GmbH heute mitteilte, haben sich die Teilnehmer der Koordinierungsplattform Verzicht auf betäubungslose Ferkelkastration deshalb bei ihrer letzten Sitzung am 18. April für ein gemeinsames und aktives Vorgehen ausgesprochen. Zudem wurde ein Eckpunktepapier erarbeitet, um unter Beachtung des Tierschutzes und wirtschaftlicher Faktoren einen rechtzeitigen und geordneten Ausstieg zu erreichen, fasst Agra Europe zusammen.

 

Drei Alternativen stehen zur Verfügung

In dem Papier wird festgestellt, dass zukünftig die drei Alternativen Kastration mit Schmerzausschaltung/Betäubung, Jungebermast sowie die Immunokastrationsimpfung zur Verfügung stehen werden, die alle Vor- und Nachteile hätten. Es sei nicht davon auszugehen, dass sich nur ein Verfahren in der Praxis flächendeckend durchsetzen werde, weshalb jede Methodik ihre Berechtigung habe und die Wirtschaftspartner dies nicht als Wettbewerbsargument missbrauchen dürften.

 

Gleiche Regeln für Importware!

Da der Tierschutz nicht an der Staatsgrenze ende, müssten bei Importen von Schweinen und Fleisch aus dem Ausland die gleichen Maßstäbe für die Ferkelkastration wie in Deutschland gelten, fordern die Experten der Plattform. Eine EU-weite Abstimmung sei deshalb erforderlich.

Die bisherigen Forschungen und praktischen Erfahrungen haben dem Koordinierungsrat zufolge bereits zu wichtigen Erkenntnissen geführt. Es gebe jedoch noch immer Forschungs- und Klärungsbedarf. QS-Geschäftsführer Dr. Hermann-Josef Nienhoff erklärte dazu: In der Wirtschaft und Wissenschaft wird mit Hochdruck an Lösungen gearbeitet. Es geht darum, offene Fragen in den Bereichen Geruchsdetektion, Tierhaltung, Züchtung, Verarbeitung und Vermarktung zu klären. Dazu gehörten aber auch Folgeabschätzungen der Auswirkungen auf Betriebs- und Marktstrukturen sowie den innereuropäischen Handel.

 

Die ISN meint:

Das Eckpunktepapier, das unter Beteiligung der ISN entstanden ist, beschreibt den aktuellen Stand genau richtig. Es zeigt auf was geht und auch wo es noch hakt. Klar ist: Bis 2019 sind noch große Anstrengungen von Wirtschaft und Politik notwendig. Die Folgen des Ausstiegs auf die Strukturen der deutschen Schweinehaltung werden immens sein, deshalb ist auch eine Folgenabschätzung in Arbeit. Die Wirtschaft - und insbesondere auch die Schweinehalter - haben sich bereits lange und intensiv mit Lösungen beschäftigt. Nun von Seiten der Politik zu sagen, dass jetzt die Wirtschaft dran sei, ist deshalb zu kurz gesprungen und wird den Anstrengungen nicht gerecht. In Deutschland ist die betäubungslose Ferkelkastration ab 2019 gesetzlich verankert, in den anderen Ländern wie den Niederlanden oder Dänemark gibt es lediglich freiwillige Vereinbarungen. Jeder kann sich ausmalen, dass deshalb wieder einmal die deutschen Ferkelerzeuger die Dummen sind, wenn die Nachbarn problemlos ohne Betäubung kastrierte Ferkel liefern können. Gleiches Recht - und gleiche Kontrollen - für alle, dies muss endlich in Europa umgesetzt werden. Hier hat die Politik noch lange nicht ihre Hausaufgaben fertig. 


 

Erst vor wenigen Wochen hatte die Bundesregierung erklärt, dass sie erhebliche Fortschritte bei der Entwicklung alternativer Verfahren zur betäubungslosen Ferkelkastration sehe: 


arrow_forwardAlternativen zur Kastration weitgehend erforscht?


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