21.02.2019

Ergebnisse der ISN-Umfrage zur Zukunft der Schweinemast in Deutschland – Ein Drittel denkt ans Aufgeben

Regionale Unterschiede werden auch in dieser Umfrage deutlich

Regionale Unterschiede werden auch in dieser Umfrage deutlich

Fast ein Drittel der deutschen Schweinemäster überlegt, die Schweinemast aufzugeben. Dabei wird sich schätzungsweise auch die Zahl der gehaltenen Mastschweine um mehr als 10 % reduzieren. Hauptgründe dafür sind insbesondere die Summe der Auflagen und die fehlende Perspektive. Viele Schweinemäster sind bereit, ihre Betriebe z.B. in Richtung Tierwohl weiterzuentwickeln, scheitern aber an genehmigungsrechtlichen Hürden bzw. Zielkonflikten. Oftmals spielt dabei das Emissionsrecht die entscheidende Rolle. Das sind die zentralen Ergebnisse der schriftlichen ISN-Umfrage, an der sich von November 2018 bis Januar 2019 insgesamt 839 Betriebe beteiligt haben.

 

Jeder dritte Schweinemäster will aussteigen

Von den Befragten gaben 31,5 % an, in den kommenden 10 Jahren aus der Schweinemast aussteigen zu wollen. Eine vergleichbare ISN-Umfrage unter Sauenhaltern hatte im Sommer vergangenen Jahres sogar eine Ausstiegsabsicht bei mehr als jedem zweiten Befragten gezeigt. Bei etwa jedem sechsten befragten Mastbetrieb steht der Ausstieg bereits innerhalb der kommenden fünf Jahre bevor. Hier ist also die Ausstiegsabsicht schon sehr konkret. Die größten Ausstiegsquoten sind in den südlichen Bundesländern zu finden. So sind es fast 40 % der Schweinemäster, die dort laut Umfrage ihre Tore schließen werden.


Wie schon bei der Sauenhalterumfrage zeigt sich auch bei den Mästern, dass die kleineren Betriebe eher an die Aufgabe denken als größere

Wie schon bei der Sauenhalterumfrage zeigt sich auch bei den Mästern, dass die kleineren Betriebe eher an die Aufgabe denken als größere

Wer hat mitgemacht?

Beteiligt haben sich 839 Betriebe, die von weniger als 100 Mastschweinen bis hin zu mehreren tausend halten. Insgesamt halten die Betriebe, die an der Umfrage teilgenommen haben, über 1,6 Mio. Mastschweine und damit gut 8 Prozent des deutschen Mastschweinebestandes. Mit 1942 Mastplätzen haben die Umfragebetriebe im Mittel überdurchschnittlich viele Mastschweine (Durchschnitt in Deutschland: unter 900 Mastschweine je Betrieb). Der Anteil der in Deutschland in den kommenden zehn Jahren aufgebenden Mastbetriebe wird deshalb wahrscheinlich noch deutlich höher als in der Umfrage ausfallen. Die befragten Betriebe liegen verteilt in ganz Deutschland, zum überwiegenden Teil in den Erzeugerzentren Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens.

 

Wie schon bei der Sauenhalterumfrage zeigt sich auch bei den Mästern, dass die kleineren Betriebe eher an die Aufgabe des Betriebszweiges denken als größere. Bei Betrieben unter 800 Mastplätzen plant über die Hälfte den Ausstieg, ein Drittel schon innerhalb der kommenden fünf Jahre. Bei Betrieben mit mindestens 2800 Mastplätzen wollen dagegen fast 90 Prozent auch dauerhaft weiter Schweine mästen. 

 


Die gesellschaftliche Stimmung ist für die Schweinemäster der wichtigste Grund für einen geplanten Ausstieg aus der Schweinemast

Die gesellschaftliche Stimmung ist für die Schweinemäster der wichtigste Grund für einen geplanten Ausstieg aus der Schweinemast

Erheblicher Strukturwandel steht bevor

Wie schon in der Sauenhaltung sehen wir auch in der Mast einen erheblichen Strukturwandel, der uns bevorsteht. Und das nach bereits erfolgten erheblichen Rückgängen bei der Zahl der Betriebe in den vergangenen Jahren. Die Ergebnisse der Umfragen sind besorgniserregend: Will man in Deutschland eine Schweinehaltung vor Ort oder setzt man auf Fleisch- und Ferkelimport? Diese Frage müssen sich Gesellschaft und Politik stellen und entsprechend handeln, kommentiert der ISN-Vorsitzende Heinrich Dierkes die Zahlen.

 

Auflagenflut und fehlende Perspektive führen zur Aufgabe

Als Hauptgründe für die geplante Aufgabe der Schweinemast geben die Tierhalter mit Ausstiegsabsichten am häufigsten (jeweils um 60 %) die gesellschaftliche Stimmung gegen die Tierhaltung, die Summe der Auflagen und die fehlende Perspektive an. Erst deutlich dahinter folgt die Ökonomie als Ausstiegsursache mit ca. 45 Prozent der Nennungen. Emissionsvorgaben werden lediglich von jedem fünften aussteigenden Landwirt genannt. Dieser Faktor schlägt erst dann richtig zu, wenn es um Umbauabsichten bei vorhandenen Gebäuden oder um Neubau geht. 

 


Nur 17,5 % der Betriebe geben an, die Mastplätze in ihrem Betrieb zu erweitern zu wollen

Nur 17,5 % der Betriebe geben an, die Mastplätze in ihrem Betrieb zu erweitern zu wollen

Nur noch wenig Neubau von Mastplätzen

Nur 17,5 % der Betriebe geben an, die Mastplätze in ihrem Betrieb zu erweitern zu wollen. In der Tendenz sind es die größeren Betriebe, die ihre Schweinemast noch erweitern wollen. Klar ist jedoch der Zusammenhang zwischen der aktuellen Betriebsgröße und der beabsichtigten Größe der Erweiterung: Wenn also eine Erweiterungsabsicht besteht, bauen größere Betriebe mehr Plätze dazu als kleine. 

 

In der Bilanz aus Ausstieg und Ausbau geht die Zahl der Mastplätze bezogen auf die befragten Betriebe in den kommenden 10 Jahren um 11 Prozent zurück. Zum Vergleich: Bei der Sauenhalterumfrage war im gleichen Zeitraum der Rückgang an gehaltenen Sauen um 25 % geschätzt worden. Das heißt, während die Gesamterzeugung an Schweinefleisch in Deutschland spürbar zurückgeht, werden insbesondere die einheimischen Ferkel immer knapper. 

 


Ca. 35 % der Befragten geben an, ihren Schweinen schon heute mehr Platz als die gesetzlich vorgegebene Mindestfläche zu geben. Aber auch die Stichworte Raufutter, Stroh und Außenklima wurden sehr oft genannt

Ca. 35 % der Befragten geben an, ihren Schweinen schon heute mehr Platz als die gesetzlich vorgegebene Mindestfläche zu geben. Aber auch die Stichworte Raufutter, Stroh und Außenklima wurden sehr oft genannt

Weiterentwicklung wird ausgebremst

Dass die Weiterentwicklung eines Betriebes viel mehr als eine Erweiterung der Schweinemast bedeutet, zeigt sich darin, dass jeder fünfte Schweinemäster über eine Neuausrichtung der Schweinemast nachdenkt. Die Tierhalter suchen nach neuen Vermarktungsmöglichkeiten. Dabei ist der Blick sehr stark auf Veränderungen zu mehr Tierwohl gerichtet, wie viele Antworten in der Umfrage zeigen. Da ist natürlich die Rede von mehr Platz für die Schweine, was nicht verwunderlich ist. Denn ca. 35 % der Befragten geben an, ihren Schweinen schon heute mehr Platz als die gesetzlich vorgegebene Mindestfläche zu geben. Aber auch die Stichworte Raufutter, Stroh und Außenklima wurden sehr oft genannt. Fast schon wie ein Mantra passen dazu die Antworten zu Zielkonflikten und genehmigungsrechtlichen Hürden, die eine Weiterentwicklung verhindern. Neben der Auflagen- und Gutachtenflut sind es vor allem emissionsrechtliche Fragen, die den Entwicklungsabsichten einen Riegel vorschieben. Immerhin gab ein Viertel der Betriebe an, schon einmal durch solche Hürden in der Weiterentwicklung ausgebremst worden zu sein. 

 

Die Ergebnisse der Umfrage bringen es auch an dieser Stelle auf den Punkt – wir Schweinehalter verweigern uns nicht der Weiterentwicklung unserer Ställe – im Gegenteil! Ein Tierhalter, der umbauen will, muss das dann aber auch dürfen, fasst der ISN-Vorsitzende Heinrich Dierkes zusammen. Wir haben immer gesagt, dass wir endlich ein Gesamtkonzept brauchen, auf das wir verlässlich und perspektivisch setzen können. Dazu gehört es, die Zielkonflikte und Hürden zu beseitigen, um Maßnahmen überhaupt umgesetzt zu können. Dabei darf nicht vergessen werden, dass das Ganze auch ökonomisch funktionieren muss. Sonst kann Schweinehaltung in Deutschland auf Dauer nicht im globalen Wettbewerb bestehen.


Hier finden Sie die Ergebnisse der ISN-Umfrage zur Zukunft der Sauenhaltung: "Deutsche Ferkelerzeuger steigen aus"

ISN-Umfrage zur Sauenhaltung: Große Resonanz in Medien und Politik