19.12.2016rss_feed

Ein Jahr Ringelschwanzprämie in Niedersachsen – in kleinen Schritten voran

201612 PK Ringelschwanz

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer zog heute im Rahmen einer Pressekonferenz nach einem Jahr Ringelschwanzprämie eine erste positive Bilanz. Meyer lobte die teilnehmenden Landwirte. Die hohen Erfolgsquoten und Ergebnisse zeigten, dass es nicht nur ökologischen, sondern insbesondere auch konventionellen Betrieben gelingen könne, durch mehr Tierwohl im Schweinestall Schwanzbeißen zu vermeiden.

 

Wir sind auf dem Weg in Richtung Kupierverzicht ein Stück weiter gekommen - nicht mehr und nicht weniger. Wir haben gemeinsam noch dicke Bretter zu bohren, bis wir gänzlich auf das Kupieren der Schwänze verzichten können., sagte Heinrich Dierkes, Vorsitzender der ISN. Als richtig habe sich erwiesen, mit möglichst kleinen Tierzahlen zu starten und damit Schritt für Schritt und besonnen vorzugehen.

 

Erfolgsquoten nicht überinterpretieren

Die Ergebnisse zeigten aber auch, dass alle Betriebsformen (bio, Neuland, konventionell) mit Schwanzbeißen zu kämpfen haben und sich die Frage nicht, wie einige uns glauben lassen wollen, auf die scheinbar einfache Erfolgsformel Stroh herunterbrechen lässt, zeigt Dierkes auf. Die am Kontrollstichtag erhobenen Erfolgsquoten erscheinen zwar bombastisch, dürfen aber nicht überinterpretiert werden, weil die größte Herausforderung – die Ferkelaufzucht – bislang bei der Quote unberücksichtigt bliebe, erläuterte Dierkes weiter. Es sei also nicht bekannt, wie viele Ferkel am Anfang nicht kupiert wurden und wie viele davon am Ende unversehrt am Schlachthof angekommen seien. Prof. Dr. Thomas Blaha von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz sah es als besonders wertvoll an, dass die Betriebe und Berater Erfahrungen gesammelt haben und diese in das Expertennetzwerk für Tierschutz und Tiergesundheit weitertragen. Nun stünden immer mehr Ansprechpartnern zu diesem Thema in Niedersachsen zur Verfügung.


Pressekonferenz - Ein Jahr Ringelschwanzprämie (v.l.n.r.: Prof. Dr. Thomas Blaha, Lisa Maria Kreh, Landwirtschaftsminister Christian Meyer, Heinrich Dierkes, Timo Jürgens - Foto: ML Niedersachsen)

Pressekonferenz - Ein Jahr Ringelschwanzprämie (v.l.n.r.: Prof. Dr. Thomas Blaha, Lisa Maria Kreh, Landwirtschaftsminister Christian Meyer, Heinrich Dierkes, Timo Jürgens - Foto: ML Niedersachsen)

Ringelschwanzprämie für die Mastbetriebe

Im ersten Förderjahr vom 1. Dezember 2015 bis 30. November 2016 haben insgesamt 86 Betriebe mit einer Gesamtzahl von 80.857 Mastschweinen erfolgreich an der Ringelschwanzprämie teilgenommenen. Davon sind 54 konventionelle Betriebe (58.111 Schweine), 13 Neuland-Betriebe (9.196 Schweine) und 19 Öko-Betriebe (13.550 Schweine). Sie bekommen für die erbrachten Mehraufwendungen zugunsten des Tierwohls die erfolgsorientierte Prämie von 16,50 Euro pro Schwein. Insgesamt erfolgte bei 91 Betrieben eine Vor-Ort-Kontrolle: Davon konnten fünf Betriebe und somit rund fünf Prozent der Teilnehmer die Mindestquote von 70 Prozent intakter Ringelschwänze nicht erfüllen. Diese bekamen daher keine Zahlungen.

 

Keine Blaupause

Bundesweit haben sich in den vergangenen fünf Jahren mindestens 30 Projekte mit dem Thema beschäftigt. Klar ist, dass es keine Blaupause für die Schweinehalter gibt, um Schwanzbeißen bei unkupierten Schweinen sicher zu verhindern. Klar ist inzwischen ebenfalls, wie auch die jüngsten Ergebnisse aus NRW und Schleswig-Holstein zeigten, dass das Hauptproblem zumeist in der Ferkelaufzucht liegt. Damit der Verzicht auf das Schwanzkupieren bei unseren Schweinen klappt, müssen wir viele tierwohlfördernde Extras in unseren Stall integrieren, sagte im Rahmen der Pressekonferenz Timo Jürgens, konventioneller Landwirt und Teilnehmer an der Tierwohlprämie. Für Prof. Blaha hat sich einmal mehr herausgestellt: Die Qualität und Intensität der Beobachtung und Betreuung der Tiere sind die wichtigsten Stellschrauben, damit der Verzicht auf das Kupieren der Ringelschwänze gelingen kann. Auch wenn eine Anschubfinanzierung in der Frage Kupierverzicht ohne Zweifel hilfreich ist, so müssen der entstehende Mehraufwand und die damit verbundenen und nicht zu unterschätzenden Mehrkosten auf den Tisch. Denn am Ende muss das Geld dafür aus dem Markt kommen, so Heinrich Dierkes.


Prämien für Ferkelerzeuger angekündigt

Minister Meyer kündigte im Rahmen der Pressekonferenz für Niedersachsen an, zwei neue Tierwohlprämien über die bisherige Ringelschwanzprämie hinaus einführen zu wollen – eine Ferkel- und die Sauenprämie. Teilnehmende Ferkelerzeuger sollen bei Erreichen einer geforderten Erfolgsquote in Sachen Ringelschwanz fünf Euro pro Ferkel bekommen. Diese neue Prämie ist mit der bisherigen Ringelschwanzprämie (Mast) kombinierbar. Bei der geplanten Sauenförderung soll es als Voraussetzung für die Prämie konkrete Haltungsvorgaben geben, die deutlich über den derzeit geltenden Standards liegen. Dafür ist eine Prämie von maximal 150 Euro pro Sau angedacht.


Hier kommen Sie zum Expertennetzwerk für Tierschutz und Tiergesundheit

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