24.09.2021

Absatzimpulse für deutsches Schweinefleisch: Auch Lidl kündigt zusätzliche Werbeaktionen an

Die deutschen Verbraucher sind extrem preissensibel: Bei Aktionsartikeln wird deutlich häufiger zugegriffen ©AMI

Die deutschen Verbraucher sind extrem preissensibel: Bei Aktionsartikeln wird deutlich häufiger zugegriffen ©AMI

Absatzimpulse für deutsches Schweinefleisch sind aufgrund der desaströsen Situation am Schweinemarkt wichtiger denn je. Die ersten Lebensmitteleinzelhändler haben den Ball bereits aufgenommen und wollen den Absatz von deutschem Schweinefleisch durch verstärkte Werbung ankurbeln. Nach Aldi sichert nun auch Lidl den Schweinehaltern Unterstützung mit zusätzlichen Schweinefleisch-Aktionen zu.

 

ISN: Genau richtig! Angesichts der immer dramatischer werdenden schlechten finanziellen Lage der Schweinehalter sind Absatzimpulse die wichtigste Akutmaßnahme. Das klingt paradox, aber auch hier gilt das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Heißt: Erst wenn es die hohen Kühlhausbestände nicht mehr gibt, wird es bei weiterhin rückläufigem Lebendangebot zu einer Marktentspannung kommen. Besonders entscheidend ist, dass alle Vertriebswege für deutsches Fleisch voll genutzt werden. Deshalb müssen weitere Lebensmitteleinzelhändler und insbesondere auch der Großhandel hier schnell nachziehen!

 

 

Die Preissituation für Ferkelerzeuger und Schweinemäster ist katastrophal. Viele schweinehaltende Betriebe in Deutschland sind in ihrer Existenz bedroht. Um einen Ausweg aus der Krise zu finden, muss der Absatz von deutschem Schweinefleisch angekurbelt werden. Darin waren sich beim Branchentreffen des Bundeslandwirtschaftsministeriums in der vergangenen Woche alle Teilnehmer einig. Bereits im Vorfeld des Branchentreffens hatte die ISN gefordert, mit massiven Werbeaktionen den Absatz von deutschem Schweinefleisch im Lebensmittelhandel zu fördern und den Lebensmittelhandel dabei nicht durch politische Aussagen dafür zu rügen oder gar daran zu hindern. 


Lidl verspricht Schweinehaltern schnelle Hilfe

Direkt im Anschluss des Branchentreffens hatten Aldi Nord und Aldi Süd mitgeteilt, in den kommenden Wochen mit zusätzlichen Schweinefleisch-Aktionsartikeln aus deutscher Herkunft den Absatz von Schweinefleisch zu unterstützen. Nun positioniert sich auch Lidl und sichert den Landwirten ebenfalls Unterstützung in Form von zusätzlichen Schweinefleisch-Aktionen in allen Filialen zu. Damit wolle man schnelle Hilfe für den Abbau des aktuellen Überangebots an Schweinen in der deutschen Landwirtschaft bieten, erklärt der Lebensmitteleinzelhändler in einer Pressemitteilung. Darüber hinaus zahle Lidl seinen Lieferanten Preise über der Schweinepreisnotierung.

 

Lidl will langfristig deutsche Landwirtschaft stärken

Weiterhin setzt das Unternehmen auf ein Bekenntnis zur deutschen Landwirtschaft: die Schweinefleisch-Aktionen seien ein wichtiger Schritt in der langfristigen Strategie von Lidl, die deutsche Landwirtschaft dauerhaft zu stärken. Der Lebensmitteleinzelhändler beziehe Schweinefleisch für sein Eigenmarkensortiment mit Ausnahme internationaler Spezialitäten vollständig aus Deutschland. Zudem habe die Schwarz Gruppe bereits Ende letzten Jahres Schweinehalter, die an der Initiative Tierwohl teilnehmen, mit einer Sonderzahlung von 50 Millionen Euro unterstützt. Für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft bedürfe es jedoch eines Dialogs mit allen Branchenteilnehmern und der Politik, so Lidl.

 

Die ISN meint:

Genau richtig! Verschiedene Lebensmittelhändler haben den Ernst der Lage in der Schweinehaltung klar erkannt. Wir begrüßen es daher sehr, dass mit Aldi und Lidl die ersten Lebensmitteleinzelhändler den Ball jetzt aufnehmen und kurzfristig mit verstärkten Aktionen den Absatz ankurbeln und damit zur Entlastung des Marktes beitragen.

Angesichts der immer dramatischer werdenden schlechten finanziellen Lage der Schweinehalter, werden kurzfristige Absatzimpulse dringend als Akutmaßnahme benötigt. Angebot und Nachfrage bestimmen nunmal den Preis und bei der Nachfrage hakt es. Also muss man in der aktuellen Absatzkrise hier ansetzen. Das klingt zunächst paradox, aber erst wenn es die hohen Kühlhausbestände nicht mehr gibt, wird es bei weiterhin rückläufigem Lebendangebot zu einer Marktentspannung kommen. Das Thema Margenverteilung in der Kette, also plakativ gesagt: wer kriegt welches Stück vom Kuchen, für das viele Bauern auf die Straße gegangen sind und noch immer gehen, ist davon komplett unbenommen. Das steht also in keinem Widerspruch. Wie gesagt: Es ist eine kurzfristige Akutmaßnahme. Wie bei einem Flächenbrand bekämpft man quasi Feuer mit Feuer – und es hat sich oft gezeigt, dass eben genau das funktioniert. Natürlich müssen dabei insbesondere regionale Aspekte und die Herkunft Deutschland eine entscheidende Rolle spielen. Aber man muss sich nichts vormachen: Deutsche Verbraucher sind extrem preissensibel. Jeder noch so fromme Wunsch, dies auszublenden ist zwar aller Ehren wert, geht aber gerade in dieser schwierigen Lage komplett an der Realität vorbei. Jeder Kritiker dieser Maßnahme sollte sich vor Augen führen: Es geht jetzt darum kurzfristig auch mit unkonventionellen Maßnahmen den Betrieben zu helfen, damit diese jetzt nicht aufgrund der Preiskrise das Handtuch werfen., so ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. Besonders entscheidend ist nun aber auch, dass alle Vertriebskanäle für deutsches Fleisch voll genutzt werden. Deshalb müssen weitere Lebensmitteleinzelhändler und insbesondere auch der Großhandel hier schnell nachziehen!

 


Absatzimpulse für deutsches Schweinefleisch nötig – Führende Großhändler zeigen sich weiter dickfellig!

BMEL-Branchentreffen: Einigkeit über kurzfristige Maßnahmen - ISN sieht positives Signal

Krise am Schweinefleischmarkt: An erster Stelle stehen die Absatzimpulse