29.09.2021

Agrarministerkonferenz – ISN fordert Augenmaß und umsetzbare Lösungen für die Schweinehalter!

Seit 2013 hat die Anzahl der gehaltenen Sauen in Deutschland deutlich abgenommen, im Gegensatz dazu baut Spanien in gleichem Maß seinen Sauenbestand weiter aus

Seit 2013 hat die Anzahl der gehaltenen Sauen in Deutschland deutlich abgenommen, im Gegensatz dazu baut Spanien in gleichem Maß seinen Sauenbestand weiter aus

Auf der am Donnerstag und Freitag in Dresden stattfindenden Herbstkonferenz der Agrarminister geht es u.a. um die Preiskrise am Schweinemarkt und den drohenden Strukturbruch in der Schweinehaltung.

ISN: Die gestern veröffentlichte ISN-Umfrage zeigt, ein Strukturbruch in der deutschen Schweinehaltung ist bereits in Gang – viele Betriebe fühlen sich durch die Summe der immer wieder erweiterten Auflagen überfordert. Die Politik muss endlich mit Augenmaß handeln und für Lösungen sorgen, um den Schweinehaltern Perspektive und Planungssicherheit zu geben. Die amtlichen Statistiken zeigen schon jetzt, Deutschland baut Schweinebestände ab und Spanien baut auf. Das Prinzip - Aus den Augen aus dem Sinn - darf nicht die Maßgabe der Politik sein!     

 

 

Ab morgen findet in Dresden die Agrarministerkonferenz (AMK) statt. Auf der 40 Punkte umfassenden Tagesordnung stehen eine Reihe von Themen, die für die Schweinehaltung existenziell wichtig sind. Ein Thema soll u.a. die Bewältigung der aktuellen Preiskrise bzw. die Verhinderung eines erheblichen Strukturbruchs in der Schweinehaltung sein. Für die Schweinehalter geht es also um viel.

 

ISN-Umfrage zeigt dramatischen Strukturbruch auf

Mit der Veröffentlichung der Umfrageergebnisse zur Zukunft der deutschen Schweinehaltung hat die ISN im Vorfeld der AMK in Richtung der Agrarminister ein deutliches Signal gesetzt. Die Ergebnisse sind höchst alarmierend. Es zeichnet sich ganz konkret ein Strukturbruch von bisher unbekanntem Ausmaß ab. Rund 60 % der Sauenhalter und 40 % der Schweinemäster wollen in den nächsten 10 Jahren aufgeben, insbesondere die kleineren Betriebe planen einen zeitnahen Ausstieg. Die Ergebnisse zeigen eindeutig: Die Betriebe fühlen sich von der Summe der Auflagen überfordert und sehen einen fehlenden Rückhalt aus der Politik. Die Folge: ein Strukturbruch in der Schweinehaltung wird nicht nur konkret, er ist schon konkret. Daher fordern ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack und ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes bereits im Vorfeld der AMK, dass nicht immer noch weitere Nachforderungen aus den Bundesländern und dem Bund an die Schweinehalter gestellt werden. Es ist längst überfällig, endlich mit Augenmaß zu agieren und zügig ein schlüssiges und für Schweinehalter umsetzbares Gesamtkonzept auf den Weg bringen. Nur wenn jetzt schnell Perspektive und Planungssicherheit für die Schweinehalter geschaffen werden, ist der Strukturbruch noch ein Stück weit aufzuhalten.

 

Betriebe steigen aus

Laut den Ergebnissen der ISN-Umfrage wollen sowohl viele Schweinemäster als auch Sauenhalter bereits kurz- oder mittelfristig aussteigen. In der Sauenhaltung stehen große Investitionen im Deckzentrum und im Abferkelbereich an, welche die Ausstiegsabsichten erheblich vorantreiben. Grund ist die im Februar novellierte Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, durch die die Vorgaben für die Haltung der Sauen massiv verschärft wurden.

Aber nicht nur die Umfrageergebnisse, sondern auch ein Blick auf die aktuellen Schlachtzahlen macht deutlich, dass die Sauenbestände schon jetzt stark zurückgefahren werden. Die Zahl der Sauenschlachtungen steigt von Woche zu Woche. In der letzten Woche wurden mit 16.700 Sauen etwa 20 % mehr Sauen als üblich geschlachtet. Sauenschlachter berichten davon, dass ganze Gruppen von Sauen zur Schlachtung gegeben werden, was auf Betriebsaufgaben schließen lässt. Es werden demnach sogar schon Wartelisten bei den Sauenschlachtern geführt.

Auch die amtlichen Statistiken zeigen den Ausstieg der Sauenhalter bereits deutlich. So wurden bei der vergangenen Viehzählung am 03. Mai 2021 bereits 8,3 % weniger Sauen als noch im Mai 2020 gezählt. 

Dass auch die deutsche Schweinemast deutlich zurückgefahren wurde, zeigt die Zahl der Schweineschlachtungen in Deutschland, welche auf dem niedrigsten Stand seit 2007 ist. 

 

Verlagerung der Tierhaltung ins Ausland ist im Gange

Die Schweinehaltung verlagert sich also schon jetzt ins Ausland. Während hierzulande der Sauenbestand massiv zurückgefahren wird, wird er beispielsweise in Ländern wie Spanien in annähernd gleicher Zahl aufgestockt.So ist die Anzahl der Sauen in Deutschland im Zeitraum von 2013 bis 2021 schon um ca. 418.000 Sauen abgestockt und in Spanien um mehr als 428.000 aufgestockt worden. Diese Entwicklung kann nicht ignoriert werden, denn es geht um viel – es geht darum, dass das Schweinefleisch auch zukünftig noch in Deutschland unter den hohen Standards in Deutschland erzeugt und nicht aus anderen Ländern mit geringeren Erzeugerstandards importiert wird. Es kann nicht sein, dass man hierzulande dem Motto Aus den Augen, aus dem Sinn freien Lauf lässt.

 

Die ISN meint:

Unsere Umfrage zeigt, wo die Knackunkte liegen, die zur Aufgabe der schweinehaltenden Betriebe führen. Die Betriebe sind von den vielen und immer wieder neuen Anforderungen überfordert. Ihnen fehlen Planungssicherheit und Perspektive und ihnen fehlt der politische Rückhalt. Auch wenn die Bundesländer die Krisensituation in der Schweinehaltung auf die Agenda der AMK gesetzt haben, kommt es jetzt neben der Liquiditätssicherung – z.B. durch die Überbrückungshilfen – darauf an, umsetzbare Lösungsansätze und Strategien wirklich voranzutreiben. Es wurde in den vergangenen Jahren viel über Konzepte und Lösungsansätze diskutiert, die den Betrieben die nötige Perspektive und Planungssicherheit bringen sollen. In der Realität wurde diese Herausforderung aber wie eine heiße Kartoffel zwischen dem Bund und den Ländern herumgereicht. Wirklich Zählbares für die Schweinehalter war im Ergebnis kaum dabei. Deshalb müssen die Fäden nun endlich zum Gesamtkonzept zusammengebunden werden und Bund und Länder müssen ihrer Verantwortung gegenüber der Schweinehaltung gerecht werden. Und ganz wichtig: Die Schweinehalter brauchen endlich wieder Verlässlichkeit und Augenmaß von Seiten der Politik.