18.12.2017 rss_feed

Vilomix-Fachgespräch gut besucht

Gruppenbild: Personen v.l.n.r.: Dr. Albrecht Hortmann-Scholten, Heinrich Jans-Wenstrup, Dr. Alois Estermann, Prof. Katrin Mahlkow-Nerge, Dr. Annabell Hardinghaus (Vilomix), Dr. Andreas Dreishing (Vilomix), Dr. Stephan Schneider

Gruppenbild: Personen v.l.n.r.: Dr. Albrecht Hortmann-Scholten, Heinrich Jans-Wenstrup, Dr. Alois Estermann, Prof. Katrin Mahlkow-Nerge, Dr. Annabell Hardinghaus (Vilomix), Dr. Andreas Dreishing (Vilomix), Dr. Stephan Schneider

Tierhaltung Baustelle

von Dr. Heike Engels

Hochrangige Referenten machten das alljährliche Fachgespräch der Deutschen Vilomix, welches kürzlich in Neuenkirchen-Vörden stattfand, erneut zu einer interessanten Veranstaltung. Dies zeigte sich auch an den zahlreichen Besuchern, die aus ganz Deutschland und sogar dem benachbarten Ausland anreisten. Deutlich wurde:

Die Tierhaltung befindet sich derzeit im Umbruch, es gibt viele offene Baustellen.

 

Trotz tiergerechterer Haltung auch in der Schweiz Schwanzbeißer

Dass auch die Schweizer Landwirte trotz ihrer tiergerechteren Haltungssysteme Probleme mit dem Schwanzbeißen bei ihren Schweinen haben, davon berichtete Dr. Alois Estermann, Tierarzt und Leiter des Schweinegesundheitsdienstes (SGD) Sempach-Zentralschweiz. In der Schweiz herrscht bereits seit einigen Jahren (2008) ein Kupierverbot bei Schweinen und das Land wird immer als Vorbild dargestellt, wenn es um den deutschen Weg im Umgang mit dem Schwanzkupieren geht. In der Schweiz wird die Schweinehaltung unter extensiveren Produktionsbedingungen betrieben, weil es der Verbraucher wünscht und der Staat die Haltungsstandards deshalb vorgibt. Die Sauen, Ferkel und Mastschweine werden ausschließlich in Freilaufbuchten gehalten in Buchten, die in Funktionsbereiche unterteilt sind. Beschäftigungsmaterial ist Pflicht, ebenso die Haltung auf Stroh.

 

Das sind gute Voraussetzungen dafür, dass die Schweine sich beschäftigen können, viel Rohfaser aufnehmen und trotzdem kommt bei uns Schwanzbeißen vor, so Dr. Estermann. Da in der Schweiz die Tiere Auslauf haben, sehe der Verbraucher, wenn bei den Tieren die Schwänze kupiert sind, so dass der betroffene Landwirt richtig Ärger bekomme. Das ist bei uns eine Verstümmelung am Tier und stellt ein schweres Vergehen dar, so der Tierarzt. Schlachthöfe sind gehalten, kupierte oder auch verletzte Tiere dem SGD zu melden, so dass der betroffene Betrieb besucht werden kann. Er betonte, dass es ein faktorielles Geschehen sei und man es offensichtlich nicht ganz verhindern könne.


Dr. Alois Estermann, Tierarzt und Leiter des Schweinegesundheitsdienstes (SGD) und Dr. Albert Hortmann-Scholten, LWK Niedersachsen

Dr. Alois Estermann, Tierarzt und Leiter des Schweinegesundheitsdienstes (SGD) und Dr. Albert Hortmann-Scholten, LWK Niedersachsen

Die Haltungsbedingungen erklärten nur einen kleinen Teil des Schwanzbeißens. Wichtig sei, schnell auf Schwanzbeißer zu reagieren. Gebissene Tiere müssen sofort einzeln aufgestallt und behandelt werden und der Beißer sollte ebenfalls aus der Gruppe genommen werden. Wir haben beobachtet, dass Licht durch Fenster oder Lampen und weiße Wände einen vorbeugenden Effekt haben, genauso wie Magnesium im Futter, das entspannt die Tiere. Auch soll das Verfüttern von Brennnesseln im Sommer Abhilfe schaffen und gute Erfahrungen gibt es mit einem Cumarinhaltigen Anti-Agressionsspray.

 

Mykotoxine fördern Schwanzbeißen

Er empfiehlt, die Schweine möglichst wenig Mykotoxinen auszusetzen, denn Mykotoxine führen zu Schwanzentzündungen und -nekrosen. Sobald die Schwänze bereits Blutungen oder Nekrosen aufweisen, steigert dies das Beknabbern durch andere Schweine. Zu weniger Mykotoxinen trage neben qualitativ hohem Futter und Stroh auch das regelmäßige Reinigen der Silos bei. In der anschließenden Diskussion kam die Frage nach der Herkunft des Strohs auf hinsichtlich der Bedrohung durch die Afrikanische Schweinepest (ASP), da ein Zuhörer aus den östlichen Bundesländern laut seines Amtstierarztes kein Stroh mehr verwenden dürfe aus Sorge um die ASP.


Stroh könne im Außenlager in Kontakt mit Wildschweinen kommen und das Virus übertragen. Dr. Estermann erklärte, das Stroh in der Schweiz derzeit hauptsächlich aus Italien komme, weil es von sehr guter Qualität durch das trockene Wetter sei. Und hinsichtlich der ASP gebe es derzeit durch die Autobahn Bern-Zürich noch keine Wildschweine aus Deutschland oder dem Osten allgemein in der Zentralschweiz. Das werde sich aber voraussichtlich bald ändern und somit auch ASP ein Thema werden, da Naturschützer mehrere Wildquerungsbrücken durchgesetzt hätten, die aktuell gebaut würden.

 

Gut organisiert mit 1.000 Sauen

Den Vortrag des Praktikers übernahm Heinrich Jans-Wenstrup aus Wenstrup bei Neuenkirchen. Er bewirtschaftet heute zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn nach etlichen Entwicklungsschritten gut 1.000 Sauen mit 4.500 Ferkelaufzuchtplätzen und 4.560 Mastplätzen auf 205 ha Fläche. Diese Betriebsgröße ist nur mit Fremdarbeitskräften und einer guten Organisation zu schaffen, so Jans-Wenstrup. Großen Wert legt er auf die Dokumentation von Arbeitsschritten, die für jeden einsichtig hinterlegt sind. So ist jeder Vorgang, sei es Jungsaueneingliederung oder Sauen in Abferkelbereich einstallen, mit einer Arbeitsbeschreibung festgelegt.

 

Jeder weiß, was zu tun ist, und muss die erledigten Arbeiten abhaken. Außerdem arbeiten wir ganz viel mit Post-it-Zetteln, die wir mit der entsprechenden Information überall hin kleben. So geben wir die Informationen untereinander weiter. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Hygiene. Alle Ställe sind mit Schleusen versehen, durch die die Ställe betreten werden und es liegen dort jeweils stalleigene Arbeitskleidung und Stiefel für jeden Mitarbeiter und Besucher aus. Die Biosicherheit ist sehr wichtig, das leben bei uns alle Mitarbeiter. Alle Arbeitsgeräte haben wir im Stall, so dass auch niemand mal eben etwas von außen holen muss. Solche Situationen sind häufig die, bei denen sich dann nicht umgezogen wird, es muss ja schnell gehen, und schon ist die Erregerübertragung passiert, so Jans-Wenstrup.

 

Er äußerte sich besorgt über das derzeit problematische Image der Landwirte. Wir sollten aktiv etwas dagegen tun, z.B. auf Außenwirkung achten, Gülle fahren müssen wir nicht vorm Wochenende. Durch ein Ehrenamt können wir in der Öffentlichkeit präsent sein, Hilfeleistungen in der Nachbarschaft mit Lader oder Autoanhänger erbringen und vor allem auf das äußeres Erscheinungsbild des Betriebes achten. Es sind viele kleine Dinge, die unser Image verbessern können. Wir sollten offen für Neues sein. Und bei allem gilt: Tue es, aber tu es sofort.

 

N und P im Futter senken

Der neuen Düngeverordnung sowie der TA-Luft und der Stoffstromverordnung ist u.a. mit einer nährstoffreduzierten Fütterung zu begegnen, teilte Dr. Stephan Schneider von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft mit. 95 % der Ammoniak (NH3)-Emissionen stammen in Deutschland aus der Landwirtschaft. Deutschland muss seinen Ammoniakausstoß bis zum Jahr 2030 gegenüber dem Basisjahr 2005 um 29 Prozent vermindern. Davon sind wir weit entfernt. Im Futter steckt Rohprotein, was als NH3 in den Ausscheidungen die Umwelt belastet, und das ist der Grund, weshalb die Landwirtschaft und speziell die Fütterung jetzt so eine große Rolle spielt, so der Berater.


Wir müssen die Stickstoffeffizienz verbessern, denn z.B. Schweinemastbetriebe werden nach ihrer Leistung eingeteilt: Eine hohe Leistung bedeutet eine geringere Stickstoffausscheidung. Eine bedarfsgerechte Fütterung und Rationsplanung auf Basis von Versorgungsempfehlung und Futteranalysen ist Pflicht für jeden zukunftsfähigen Betrieb. Es müssten verstärkt einzelbetriebliche Futteranalysen durchgeführt werden, damit bei der Rationsberechnung überhaupt verlässliche Werte vorhanden sind. Jedes Futtermittel gehöre hinsichtlich der N- und P-Gehalte auf den Prüfstand, was zu gewaltigen Verschiebungen auf dem Futtermittelmarkt führen werde, denn auch die Versorgung mit Phosphor (P) liege derzeit über der Versorgungempfehlung und müsse reduziert werden. Hier müsse sich vor allem die Mineralfutterindustrie auf die Situation neu einstellen und am besten verstärkt P-freie Mineralfutter produzieren.


Stickstoff-Höchstmenge beachtenAller Stickstoff und Phosphor, der über Futtermittel eingekauft wird, fließt in die Stoffstrombilanz ein, die ab 2018 Betriebe mit mehr als 50 Großvieheinheiten je Betrieb oder mit mehr als 30 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche bei einer Tierbesatzdichte von jeweils mehr als 2,5 Großvieheinheiten je Hektar erstellen müssen. Ab 2023 gelte dies für alle Betriebe mit mehr als 20 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche oder mehr als 50 Großvieheinheiten.


Ab zählt 2018 auch der Stickstoff aus anderen organischen und organisch-mineralischen Düngern zur 170 kg Grenze. Bei Gärresten ist neben dem tierischen Anteil jetzt auch der pflanzliche Anteil mit einzubeziehen. Dies betrifft also auch Biogasgärreste, Klärschlamm und Kompost. Durch Einbeziehung von Gärsubstraten und Reduzierung der zulässigen Salden von Stickstoff und Phosphor wird der Bedarf an notwendiger Güllefläche in vielen Betrieben ansteigen. Aufgrund der hohen Pacht- und Flächenpreise ist eine Erweiterung aber nicht praktikabel. Wir müssen Möglichkeiten zur Reduzierung der Nährstoffe im Futter finden, oder die Produktion reduzieren. Die N-/P-reduzierte Fütterung wird stark an Bedeutung gewinnen. Wir brauchen Futteroptimierungsprogramme, die bis zu den Ausscheidungen rechnen. Die Mineralfutter- und Zukaufsfuttermittelauswahl ist zu überdenken. Die Fütterungsberater sollten aktiv werden, denn sie sind der Schlüssel zum Erfolg der Düngeverordnung, so Dr. Schneider. Letztendlich haben wir nur die Wahl zwischen: Weniger Emissionen pro Tier oder weniger Tiere.


Hier finden Sie die Originalpressemitteilung

www.vilomix.de


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