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Interview: Düngeverordnung - Weniger Nährstoffe durch N- und P-reduzierte Fütterung

Lucia Schulze Steinmann, 
 - Produktmanagerin Schwein bei Agravis
© Agravis

Lucia Schulze Steinmann, Produktmanagerin Schwein bei Agravis

Der DLG-Arbeitskreis Futter und Fütterung hat neue Vorgaben zur sehr stark N- und P-reduzierten Fütterung veröffentlicht. Lucia Schulze Steinmann, AGRAVIS-Produktmanagement Schwein, erläutert im Interview die Auswirkungen für den Landwirt und wie die Futterkonzepte zur Nährstoffreduzierung beitragen.

 

Was bedeuten die Vorgaben im Detail?

 

Schulze Steinmann: Besonders viehstarke und flächenknappe Betriebe sind auf der Suche nach einer Lösung, wie sie ihre Nährstoffüberhänge reduzieren können. Der beste Weg, dies zu erreichen, ist eine nährstoffexakte Versorgung der Schweine mit Rohprotein und Phosphor. Der Verzicht auf Sicherheitszuschläge bedeutet für den Landwirt, auch alle weiteren Einflussfaktoren im Blick zu behalten. Das Schwein selbst und seine Haltungsumwelt müssen noch stärker in den Fokus rücken. Leistungspotenzial, Alter, Geschlecht und Tiergesundheit sind nur einige Beispiele, die Einfluss auf den Bedarf der Tiere nehmen. Bei der Umsetzung des Konzeptes sollte also eine intensive Tierbeobachtung und -betreuung sichergestellt werden, um die Schweinesignale rechtzeitig zu erkennen.

 

Was ändert sich bei den AGRAVIS-Futterkonzepten?

 

Schulze Steinmann: Mit unserem Programm Zukunft Füttern sind wir Vorreiter in Sachen Nährstoffreduzierung. Das Bewertungssystem stellt sicher, dass der Bedarf an verdaulichen Aminosäuren und verdaulichem Phosphor in jeder Produktionsphase gedeckt wird. Die Optimierung auf verdaulichen Phosphor und neun verdauliche Aminosäuren ist zwingend erforderlich und ermöglicht, die neuen Vorgaben zielgerichtet umzusetzen. Mit dem Olympig-Alleinfuttermittel, Fisopan-Ergänzungsfutter und VitaMiral-Mineralfutter haben wir die Möglichkeit, die Schweine sehr stark N und P-reduziert zu versorgen. Für Eigenmischer ist es wichtig, dass sie die Inhaltsstoffe ihrer Komponenten genau kennen, um die Mischung auf den Punkt zu optimieren.

 

Stellt sich die Frage, warum der N- und P-Gehalt nicht noch weiter abgesenkt wird?

 

Schulze Steinmann: Die N- und P-Absenkung hat physiologische Grenzen. Das Schwein hat keinen Protein-, sondern einen Aminosäuren-Bedarf. Der Rohprotein- Gehalt kann soweit abgesenkt werden, bis eine Aminosäure die Proteinsynthese bzw. das Wachstum begrenzt. Leucin, Isoleucin und Histedin können aktuell als freie Aminosäuren nicht zudosiert werden und legen somit die Grenze fest. Hierzu hat die AGRAVIS vor kurzem einen Versuch umgesetzt. Bei einer extremen Absenkung (Rohprotein bei 30 bis 50 Kilogramm Lebendmasse: 13,5 Prozent; Rohprotein bei 50 bis 120 Kilogramm Lebendmasse: 11,5 Prozent) zeigt sich vor allem in der Vor- und Mittelmast bei den Versuchstieren eine reduzierte Tageszunahme (40 Gramm/Tag), und später am Schlachtkörper ein geringes Fleischmaß und entsprechend höheres Speckmaß. Die hohen Futterkosten unter anderem durch die Zugabe von Valin und Tryptophan und der schlechtere Schlachterlös haben in dem Versuch Mehrkosten von 7 Euro pro Tier erzeugt. So kann der Landwirt nicht effizient produzieren. Unser Ziel ist es, Mastschweine nährstoffexakt zu versorgen, sodass sie möglichst wenig N und P über Kot und Harn ausscheiden, aber trotzdem optimal wachsen.

Schlachtkörperqualitäten im Vergleich

 

 

Parameter kg Kontrolle Turbo Versuch extrem N- + P-reduziert

Parameter

kg

Kontrolle Turbo

Versuch extrem N- + P-reduziert

Schlachtkörpergewicht kg 94,9 95,1
Indexpunkt je kg SG kg 1,011 0,996
Schinkengewicht % 18,9 18,5
Bauch MFA mm 59,7 57,8
Speckmaß mm 12,9 14,3
Fleischmaß mm 69,2 66,8
Futterkosten/Tier 50,13 (+4,20) 54,33
Schlachterlös/Tier 135,35 (-2,78) 132,57
Überschuss über Futter 85,23 (-6,98) 78,25

 



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