23.08.2019rss_feed

Erstbesamung von Jungsauen: Hat ein früher Termin Einfluss auf die Leistung?

Die körperliche Entwicklung zur Erstbesamung entscheidet mit über die Nutzungsdauer der Tiere. Doch wann ist die richtige Kondition erreicht? Hier unterschieden sich die einzelnen Sauengenetiken erheblich. Wird traditionell ein Mindestalter von 240 Tagen empfohlen, begibt sich die PIC mit ihrer Camborough-Sau auf andere Wege. Hier werden 200 bis 210 Tage bei einem Körpergewicht von 135 bis 160 kg empfohlen. Es ist in jedem Fall darauf zu achten, dass die Sauen frühestens in der zweiten dokumentierten Rausche besamt werden. Ob die Sauen bei einer solch frühen Erstbesamung trotzdem gute Leistungen erbringen und ob dies Einfluss auf die Nutzungsdauer der Sauen hat, war Gegenstand einer Untersuchung am Lehr- und Versuchszentrum der Landwirtschaftskammer in Futterkamp (LVZ).


Warum eine frühe Erstbesamung?

Die Gründe für die frühe Erstbesamung liegen aus wirtschaftlichen Gesichtsgründen auf der Hand. Können die Sauen deutlich früher besamt werden und somit abferkeln, entfallen unproduktive Tage im Berufsleben der Sau. Dadurch werden Futterkosten eingespart und die Sau trägt über den Ferkelverkauf früher zum Betriebseinkommen bei. Der zeitliche Vorsprung darf allerdings auf keinen Fall mit Einbußen in der Produktivität der Sauen verbunden sein. In diesem Fall sind wären die wirtschaftlichen Vorteile schnell aufgezehrt. In der vorliegenden Erprobung wurden 100 Camborough® Jungsauen, einer Kreuzung aus der PIC-Landrasse und der PIC-Large White, nach und nach in den Betrieb des LVZ eingestallt. Die Jungsauen erreichten den Betrieb mit einem Alter von 137 bis 166 Tagen. Nach Quarantäne und Eingliederung wurden die Tiere in die produktive Sauenherde integriert. Zielgröße für das Erstbesamungsalter war eine Spanne von 207 bis 228 Tagen. Im Mittel waren die Jungsauen bei der Erstbesamung 218 ± 9 Tage und bei erfolgreicher Besamung 223 ± 20 Tage alt. Zur Erstbesamung wurden die Jungsauen einmalig mit Altrenogest synchronisiert.

Praxisdaten der frühen Erstbesamung

Die Jungsauen wurden vom Zeitpunkt der Einstallung (März 2016 bis Mai 2017) bis zum 30.06.2019 Zeitpunkt verfolgt. Mittlerweile haben die ersten Sauen den achten Wurf erreicht. Tabelle 1 gibt einen Überblick über die Wurfnummern der ausgewerteten Würfe der 100 Sauen. Mittlerweile sind 59 von den 100 Jungsauen abgegangen, während sich noch 41 Tiere im Bestand befinden. Das Abgangsalter der Sauen ist aus Abbildung 1 ersichtlich. Tabelle 2 gibt einen Überblick über die Abgangsursachen (Stand 30.06.2019). Deutlich ersichtlich ist aus den Daten, dass die Häufigkeit der Abgänge in den Wurfnummern zwei bis sechs mit ca. 10% pro Wurfnummer auf vergleichbarem Niveau liegt. Als Zuchtläufer und im ersten Wurf sind erfreulicherweise zusammen lediglich fünf Sauen abgegangen.


Tabelle 1: Wurfnummernverteilung der ausgewerteten Würfe der 100 Sauen
Würfe %
ausgewertete Würfe 433 100,0
Jungsauenwürfe 95 21,9
2. Wurf 89 20,6
3. Wurf 80 18,5
4. Wurf 70 16,2
5. Wurf 48 11,1
6. Wurf 31 7,2
7. Wurf 17 3,9
8. Wurf 3 0,7
Abbildung 1: Verbleiberate

Abbildung 1: Verbleiberate


Tabelle 2: Abgangsursachen
Abgangsursache Anzahl Sauen
Abort 3
Umrauscher 5
akute Mastitis 13
niedrige Milchleistung 9
Reproduktion 8
Bewegungsapparat 9
Organvorfälle 4
verendet 3
Sonstiges 5

 

 

 


Welche Leistungen sind bei frühem Erstbesamungsalter möglich?

Während der Vorteil der verkürzten Jungsauenaufzucht Kosteneinsparungen mit sich bringt und auch die Abgangsraten je Wurfnummer nicht höher sind als in anderen Sauenherden, muss sichergestellt werden, dass die Sauen vergleichbare Leistungen erzielen wie bei einer späteren Erstbesamung. Um dies beurteilen zu können sind die wesentlichen Sauenplanerdaten in Tabelle 3 dargestellt. Jungsauen haben nicht verwunderlich ca. zwei bis drei lebend geborene und gesamt geborene Ferkel weniger als Sauen der höheren Wurfnummern. Da sich die totgeborenen Ferkel nicht unterscheiden zieht sich die Differenz durch bis zu den gesamt geborenen Ferkeln. Insgesamt hatten die Sauen 14,8 lebend geborene Ferkel bei einem tot geborenen Ferkel (15,8 gesamt geborene Ferkel). Die Anzahl abgesetzter Ferkel unterschied sich mit 12,5 Ferkeln pro Wurf im Mittel nicht. Lagen die Saugferkelverluste in den ersten drei Würfen konstant bei ca. 13,9 % erhöhten sich diese in den höheren Wurfnummern auf 16,9 bis 20%.


Tabelle 3: Jungsauen ziehen vergleichbar viele Ferkel auf wie Altsauen.

Futterkamp Aufzuchtleistung

Unterschied in den Ferkelgewichten

Wie bereits bekannt konnte auch in dieser Untersuchung gezeigt werden, dass die Geburtsgewichte in Abhängigkeit von der Wurfnummer zunächst steigen und ab dem sechsten Wurf wieder etwas geringer werden. Die Ferkel der Jungsauenwürfe haben allerdings mit 1,16 kg mit Abstand das geringste Geburtsgewicht. Dieser Trend ist in vergleichbarer Weise beim Absetzgewicht nach vierwöchiger Säugedauer zu beobachten. Setzten die Jungsauen Ferkel mit einem mittleren Gewicht von 6,6 kg ab, lagen die Absetzgewichte in den Würfen zwei bis sechs konstant 1,0 bis 1,2 kg darüber.

Was muss bei der frühen Erstbesamung beachtet werden?

Wie bei jeder Jungsau ist darauf zu achten, dass die erste Besamung erst in der zweiten dokumentierten Rausche erfolgt. Der Knackpunkt bei der frühen Erstbesamung von Sauen ist, dass die Sauen körperlich gut entwickelt sind. Hier werden von der PIC mindestens 135 kg bis maximal 160 kg zum Zeitpunkt der Besamung gefordert, was einer Lebenstageszunahmen zwischen 620 und 770 g entspricht. In keinem Fall sollte eine Sau vor dem Erreichen der 135 kg besamt werden. Die PIC strebt an mindestens 80 % der Sauen zwischen 135 und 150 kg und maximal 20 % bis 160 kg zu besamen. Ist im Betrieb keine Waage vorhanden, kann das Körpergewicht der Jungsuaen einfach mit der Maßbandmethode geschätzt werden. Hierfür wird ein spezielles Maßband für die PIC-Sauen angeboten, welches beim Messen im Flankenbereich eine hinreichend genaue Gewichtsschätzung der Tiere erlaubt. Um diese Zielmarken zu erreichen, dürfen die Jungsauen in keinem Haltungsabschnitt restriktiv gefüttert werden. Besser ist eine Reduzierung des Energiegehaltes des Futters ab 100 kg. Zu diesem Zeitpunkt kann z.B. ein NT-Futter gefüttert werden. Heutzutage sind in der Jungsauenaufzucht nicht zu geringe sondern eher zu hohe Lebendtageszunahmen die größere Herausforderung. Die Sau bringt den Wuchs für das Mastschwein mit, welches 1000 g Tageszunahmen erreichen soll. Diese Leistungen sind nur möglich, wenn das Potential genetisch verankert ist und alle äußeren Faktoren perfekt stimmen. Die Nachkommen einer Sau mit geringen Lebenstageszunahmen werden solche Leistungen nicht erreichen. In keinem Fall darf Mastfutter an Jungsauen gefüttert werden. Dieses ist nicht ausreichend mineralisiert und vitaminisiert. Dadurch kann es passieren, dass der Bewegungsapparat der Sau nicht ausreichend gut entwickelt wird, und es später zu Fundamentproblemen kommt.

Kosten einsparen für eine effiziente Ferkelproduktion

An den oben gennannten Zahlen wird deutlich, dass die PIC-Sauen nicht so viele lebend geborene Ferkel wie andere Genetiken haben, was allerdings auch nicht primäres Zuchtziel ist. Vielmehr soll eine effiziente Ferkelerzeugung durch deutliche Kosteneinsparungen bei guten Leistungen erreicht werden. Insbesondere der Futterverbrauch der Sauen ist deutlich niedriger als bei anderen Genetiken. In dieser Untersuchung fraßen die Sauen im Mittel 227,7 kg NT-Futter und 190,5 kg Laktationsfutter pro Trächtigkeit. Bei angenommenen 2,32 Würfen pro Sau und Jahr (Schweinereport 2018) wird so eine Jahresfuttermenge von 970,2 kg ermittelt. Die Futtermenge im Deckzentrum wurde in dieser Untersuchung nicht erfasst. Rechnet man hier weitere 3,6 kg pro Sau und Tag (PIC-Fütterungsempfehlungen von 44,1 MJ ME in der Güstzeit, NT-Futter mit 12,2 MJ ME) bei 9-tägiger Verweildauer im Deckzentrum ergibt sich eine Jahresfuttermenge von 1045,4 kg. Dies deckt sich mit der PIC-Futterempfehlung und liegt knapp 3 dt unterhalb der im Schweinereport ermittelten Jahresgesamtfuttermenge pro Sau, was das Einsparpotential in den Futterkosten offenbart. Weiterhin kann dies in der Stickstoff- und Phosphorsaldierung für flächenarme Betriebe von Vorteil sein. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Futtermengen zu einem früheren Zeitpunkt ermittelt wurden. Zu diesem Zeitpunkt lag ein Anteil von 45% an Jungsauenwürfen vor, was nicht repräsentativ für normale Herden ist, wo mit einem Anteil von ca. 20% an Jungsauenwürfen zu rechnen ist. In einer normalen Herde dürfte die Jahresfuttermenge somit etwas darüber liegen. In jedem Fall ist es absolut notwendig den Fütterungsempfehlung für die PIC-Sau zu folgen. Optimale Leistungen erreichen die Sauen bei strikter Einhaltung dieser Empfehlungen. Bei zu hohen Futterverbräuchen sind die Kostenvorteile weiterhin schnell aufgebraucht. Es ist zwingend notwendig hier gerade in der Anfangsphase sehr eng mit dem Berater zusammenzuarbeiten und die Fütterung und Kondition der Sauen regelmäßig zu überprüfen.

Verzicht auf Ammensysteme

Die etwas geringere Anzahl an lebend geborenen Ferkeln im Vergleich zu fruchtbareren Sauengenetiken ermöglicht den weitgehenden Verzicht auf künstliche Ammensysteme. Hierin kann ein weiterer Kostenvorteil liegen, indem zunächst die Investitionskosten, dann die Kosten für Milchprodukte und nicht zuletzt die Arbeitserledigungskosten zur Bewirtschaftung der Ammensysteme eingespart werden. Ein einwandfreies Management der Sauenherde ist allerdings notwendig, um tatsächlich darauf verzichten zu können. Hier müssen natürliche Ammen oder punktuelle Lösungen vorgehalten werden, um einen Wurfausgleich sicherstellen zu können.

Fazit

In einer Untersuchung am LVZ Futterkamp wurden 100 PIC-Jungsauen eingestallt, um die frühe Erstbesamung dieser Sauen im Alter von 210 Tagen zu erproben. Die körperliche Entwicklung dieser Tiere ist zum Zeitpunkt der Erstbesamung sicherzustellen. Hier sind mindestens 135 kg Körpergewicht zu fordern. Weiterhin darf die Besamung frühestens in der zweiten dokumentierten Rausche erfolgen. Während der Aufzucht dürfen die Jungsauen nicht restriktiv gefüttert werden. Besser ist die Verabreichung eines NT-Futters ab 100 kg. Die Jungsauen erreichen vergleichbare Aufzuchtleistungen wie die Altsauen bei etwas weniger lebend geborenen Ferkeln. Insgesamt werden mit PIC-Sauen häufig etwas weniger Ferkel abgesetzt als mit fruchtbareren Genetiken. Allerdings überzeugt die Sau durch einen deutlich niedrigeren Verbrauch an Sauenfutter, was Kosteneinsparungen nach sich zieht. In der vorliegenden Untersuchung wurden hier 10,5 dt pro Sau und Jahr ermittelt, was die im Zuchtziel verankerte Effizienz der Sau verdeutlicht. Wichtig für den Ferkelerzeuger ist gerade am Anfang eine intensive Zusammenarbeit mit dem Fachberater.

 

Autor:

Dr. Onno Burfeind

Landwirtschaftskammer

Tel.: 0 43 81-90 09-20

oburfeind@lksh.de

 

veröffentlicht im Bauernblatt Schleswig-Holstein, Ausgabe 33/2019


Mehr zum Management der Camborough© von PIC finden Sie HIER (PIC-Webseite - Rubrik Ratgeber)



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