12.06.2026rss_feed

Wie geht es weiter am Schlachtschweinemarkt?

Anzahl der Schweineschlachtungen in ausgewählten EU-Ländern (vorläufig), Januar bis März 2026 in Mio. Stück ©ISN nach Eurostat, AMI

Anzahl der Schweineschlachtungen in ausgewählten EU-Ländern (vorläufig), Januar bis März 2026 in Mio. Stück ©ISN nach Eurostat, AMI

Nachdem die VEZG-Notierung am vergangenen Mittwoch um satte 10 Cent auf 1,50 € je kg SG nachgeben musste, ist der Schweinemarkt zwar weiterhin angespannt. Die Hoffnung darauf, dass sich der Markt mit dem geringeren Preisniveau nun aber wieder freistrampeln kann, ist durchaus angebracht. Ein durch fehlende Drittlandsexporte überversorgter EU-Markt und eine schwächelnde Gastronomie hierzulande stehen positiven Absatzzahlen für Schweinefleisch im Lebensmitteleinzelhandel gegenüber.

 

Die Ursachen der aktuellen Preisschwäche liegen nicht an einem Überangebot auf dem heimischen Lebendmarkt. Von Januar bis April lag die Zahl der Schlachtungen in Deutschland mit einem minimalen Minus von 0,1 % etwa auf Vorjahresniveau. Auch die wöchentlichen BLE-Schlachtzahlen deuten auf eine Fortsetzung dieser stabilen Entwicklung hin. In der EU sind die Schlachtungen im ersten Quartal allerdings um 2 % angestiegen – getrieben durch höhere Schlachtzahlen in Dänemark (+8,0 %) und Spanien (+3,9 %). Nur in den Niederlanden waren die Schlachtungen stark rückläufig (-6,3 %). In der Gesamtbetrachtung dürften die gestiegenen Schlachtzahlen zwar Druck auf den Markt gebracht haben, aber sinkende Bestände (insbesondere auch bei den Sauen) sowie ein weiterer saisonaler Angebotsrückgang im Sommer sollten wieder für Entlastung sorgen.

 

Zu viel Schweinefleisch bleibt in der EU

Das aktuelle EU-weite Preisproblem ist in erster Linie auf der Nachfrageseite zu suchen. Da Spanien einen Anteil von mehr als einem Drittel an allen EU-Schweinefleischexporten in Drittländer hat, treffen die dortigen durch die Afrikanische Schweinepest (ASP) bedingten Exportstopps das gesamte europäische Gefüge im Mark. Weil die Spanier im ersten Quartal 2026 rund 60.000 Tonnen (bzw. 16 %) weniger in Drittländer exportierten, drängten diese Fleischmengen in den EU-Binnenmarkt. . Spanien konnte seine Gesamtexporte im selben Zeitraum jedoch nahezu ausgleichen, indem die Ausfuhren in andere EU-Staaten um über 20 % gesteigert wurden. Und das ging und geht über den Preis.

 

Nachfrage in Deutschland zweigeteilt

Die Nachfrage nach Schweinefleisch in Deutschland ist zweigeteilt. Während der Fleischabsatz im Außer-Haus-Bereich rückläufig ist – die Gastronomie musste im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr Umsatzrückgänge von minus 6,2 % hinnehmen – läuft der Schweinefleischabsatz im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) stabil. Für April ist im LEH sogar mengenmäßig ein Plus von 4,2 % im Vergleich zum Vorjahresmonat zu verzeichnen – für den Mai liegen uns die Zahlen noch nicht vor. An der Ladentheke jedenfalls ist das Bekenntnis der meisten Unternehmen im LEH zur deutschen Erzeugung sehr deutlich zu erkennen. Leider sieht das im Großhandel und der Gastronomie ganz anders aus.

 

Strukturen hierzulande nicht in Gefahr bringen

Der beschriebene Druck am EU-Markt ist nicht neu – die ASP in Spanien und das damit verbundene Wegbrechen von Drittlandexporten sind schon seit Ende November Realität. Die Märkte hatten sich schon wieder nach dem anfänglichen Preisknall ein stückweit erholt. Warum also nun der erneute Preisrückgang hierzulande? Scheinbar haben die Schlachtunternehmen die entfallenen Schlachttage Ende Mai und Anfang Juni als Anlass genutzt, um den ohne Zweifel bestehenden Druck in vollem Umfang auf den Lebendmarkt zu übertragen.

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, das ist nicht neu, schlussfolgert ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack, mahnt aber: Genauso klar ist, dass die Schweinehalter nicht alleine fehlende Margen der gesamten Kette abfangen können. Die Absenkung der Erzeugerpreise dermaßen weit unter ein kostendeckendes Niveau ist keine Lösung. Denn damit sägen die Abnehmer der Schweine bzw. des Fleisches an ihrem eigenen Ast und setzen Lieferantenstrukturen aufs Spiel, die, wenn sie einmal weg sind, nicht mehr zurückkommen.


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