04.08.2021

Weiterer Preisverfall bei Schlachtschweinen – Preisdrückerei von LEH und Schlachtern muss aufhören!

Die Lage am Schlachtschweinemarkt spitzt sich weiter zu - die VEZG-Notierung fiel heute um 5 Cent auf 1,37€7kg SG

Die Lage am Schlachtschweinemarkt spitzt sich weiter zu - die VEZG-Notierung fiel heute um 5 Cent auf 1,37€7kg SG

Die Schweinepreise fallen nach dem Druck der abnehmenden Seite um weitere 5 Cent auf 1,37 €/kg SG. Damit wird die wirtschaftliche Situation auf den schweinehaltenden Betrieben immer kritischer. Zusätzlich gibt es Ärger bei der Auszahlung des Bonus für ITW-Schweine.

ISN: Die Preisdrückerei von LEH und Schlachtern muss aufhören! Unter diesen Umständen ist an eine Umstellung auf die Haltungsstufen 3 und 4 gar nicht zu denken. Ansonsten bleibt die deutsche Schweineerzeugung auf der Strecke und das Fleisch in den Kühltheken kommt bald aus dem Ausland.

 

Die Lage am Schlachtschweinemarkt spitzt sich weiter zu. Zwar ist das Angebot an schlachtreifen Schweinen so gering wie zuletzt 2007, was sich unter anderem in den Schlachtzahlen letzten fünf Wochen widerspiegelt. Diese lagen rund 10 % niedriger als im entsprechenden Zeitraum 2019 (2020 ist wegen der Schlachthofschließung in Rheda-Wiedenbrück nicht vergleichbar). Allerdings präsentiert sich die Nachfrageseite ebenfalls sehr schwach. Die Schlachtunternehmen beklagen die schwierige Situation am EU-Binnenmarkt und forderten immer wieder Preisrückgänge. Durch die Hauspreise der Schlachtunternehmen ist der Druck in den vergangenen Tagen zu groß geworden, so dass die Notierung der Vereinigung der Erzeuger­gemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) heute um weitere 5 Cent auf 1,37 €/kg SG nachgeben musste. Damit liegt der deutsche Schweinepreis trotz ebenfalls deutlicher Preisrückgänge in den anderen EU-Ländern aktuell 39 Cent hinter Spanien, 20 Cent hinter Dänemark und 21 Cent hinter Frankreich zurück. In den letzten Wochen hat sich gezeigt, dass jede noch so kleine Möglichkeit von der abnehmenden Seite dazu genutzt wurde, um die Preise zu drücken. Für die Schweinehalter ist das eine unerträgliche Situation, denn bereits seit Monaten sind die Preise bei gestiegenen Kosten, insbesondere für Futter, ruinös. Die Verluste an jedem Schwein dürften mittlerweile mehr als 40 Euro betragen.

 

Ärger um ITW-Schweine

Zu allem Überfluss gibt es in dieser katastrophalen Markt­situation noch Ärger um die ITW-Schweine. Etwa ein Drittel der in Deutschland produzierten Schweine wird nach ITW-Standard der Haltungsstufe 2 gehalten. Die meisten davon sind vertraglich gebunden, der Rest wird frei vermarktet. Die Vermarktung genau dieser freien ITW-Schweine ist derzeit aber schwierig und es kommt zu Problemen bei der Auszahlung des Bonus von 5,28 € pro Tier. Von einigen Schlachtunternehmen scheinen alle Möglichkeiten genutzt zu werden, um Angebote von nicht benötigten ITW-Tieren geradezu abzuwehren. Das geht teilweise sogar so weit, dass selbst bei bestehenden Vermarktungsverträgen über die Abnahme von ITW-Tieren nach formalen Fehlern gesucht wird, um die Tiere nicht abnehmen zu müssen bzw. um den Bonus nicht zu bezahlen. Von der Seite der Schlachtunternehmen wird wiederum beklagt, dass der Lebensmitteleinzelhandel die ITW-Teilstücke nicht in ausreichendem Maße abnehme. Somit ließe sich der ITW-Bonus von 5,28 € pro Schwein nicht im Fleischerkauf ins Geld bringen, heißt es aus deren Reihen.

 

Die ISN meint:

Die wirtschaftliche Situation für die Schweinehalter ist schon seit Monaten katastrophal. Gleichzeitig wird gefordert, dass Schweine zu höheren Standards gehalten werden sollen. Bezahlen will es aber niemand. Stattdessen erhöhen die Abnehmer den Druck auf die Schweinepreise immer weiter. Zum Ärger um die ITW-Schweine der Haltungsstufe 2 ist unsere Position klar: Alle Tiere, die zum ITW-Standard gehalten werden, müssen auch mit dem ITW-Bonus vergütet werden. Hier sehen wir die abnehmende Seite in der Pflicht, sicherzustellen, dass der Absatz der ITW-Ware auch funktioniert. Ganz besonders die Lebensmitteleinzelhändler, welche die höheren Haltungsstufen 3 und 4 fordern, müssen jetzt dafür sorgen, dass Schweine aus den Haltungsstufen 1 und 2 vernünftig bezahlt werden. Ansonsten ist es völlig utopisch, dass es auch nur annähernd genug Schweinehalter geben wird, die auf die Stufen 3 und 4 umstellen (können). Wenn es so weiter geht wie derzeit, stammt das Fleisch in den Kühltheken bald aus dem Ausland. Um dieses Szenario zu verhindern, muss das Schweinefleisch deutscher Herkunft gestärkt und auch entsprechend beworben werden. Ein erster logischer Schritt ist dabei, auf eine deutsche Ferkelherkunft zu setzen. Außerdem muss möglichst schnell ITW-Fleisch bei der Verarbeitungs­ware einbezogen werden. Aber am wichtigsten bleibt: Der ständige Preisdruck des LEH auf seine angeblichen Partner muss sofort aufhören, denn sonst muss sich der LEH bald neue Partner im Ausland suchen.