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Wäre die Erde eine Köchin – ein Kommentar von Dr. Torsten Staack zum kulinarischen Ablasshandel in der VW Autostadt

ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack

ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack

Auf seiner Website wirbt der Wolfsburger Autokonzern VW mit einer Lebensmittelphilosophie, in der Vegetarismus und Veganismus Bewunderung hervorruft,  für einen Restaurantbesuch in der Autostadt. Der Mitarbeiter vom Fließband greift in seiner Mittagspause hingegen bevorzugt zum günstig produzierten Verkaufsschlager der VW-Kantine, der hauseigenen Currywurst.

Soweit so gut. Womit VW seine proklamierte Überzeugung für eine bewusste Ernährung mit wenig Fleisch und vorzugsweise vegetarischen und veganen Gerichten allerdings begründet, kommt der Doppelmoral vom Wasser predigen, aber Wein saufen gleich.

 

Zitat: Andererseits schluckt die Landwirtschaft enorme Mengen an Rohstoffen, Energie und Fläche. Gleichzeitig produziert sie beträchtliche Emissionen. Der Rohstoffverbrauch, die Energiegewinnung, der Wasserverbrauch sowie die Abfalllagerung und Entsorgung haben massive negative Auswirkungen unter Anderem auf Biodiversität, Klima, Gewässer und Böden.  Müssen wir Tierhalter uns im Hinblick auf die absolute Notwendigkeit unseres Sektors für die Ernährung der Menschen wirklich von einem Autokonzern wie VW vorwerfen lassen, beträchtliche Emissionen zu produzieren und die alleinige Schuld an massiven negativen Auswirkungen für unsere Umwelt zu tragen?

Ressourcenschonende Kost als appetitlicher Ablass bei VW

Rohstoffverbrauch, Abfalllagerung und Klimaschäden – vom wem ist hier eigentlich die Rede? War da nicht was mit Abgasen? Kein Hinweis zur eigenen Umweltbelastung, kein Wort zum Abbau von Millionen Tonnen Stahl und Kupfer in Förderländern, kein Vermerk zur erfolgreichen Verhinderung von schärferen CO2-Abgas-Grenzwerten in Brüssel. Bevor die Käufer beim Besuch im Werk einen zu genauen Blick ins Handbuch über Kraftstoffverbrauch und Emission werfen, sollen sie sich anscheinend lieber mit einem vital-vegetarisch-veganen Menü (Fleischgerichte werden jetzt als vitale Mischkost bezeichnet) vom Autoerwerb freikaufen.

Dass VW selbst einen nicht unerheblichen Teil seines Gewinns durch den Verkauf von Würstchen aus konventioneller Tierhaltung macht? Geschenkt. Schlimm genug, dass Landwirte mittlerweile als Sündenbock vor fast jeden medialen Karren gespannt werden – aber dieses von VW betrieben Greenwashing wirkt eher wie Augenwischerei. Das der Autobauer damit auf einen Trend setzt, dessen Protagonisten bestimmt keine Fans von Autokonzernen sind, will nicht so richtig einleuchten. Eines hat VW mit seiner Marketing-Strategie allerdings erreicht: Nämlich viele Kunden in der Landwirtschaft und deren Umfeld vor den Kopf zu stoßen.

Nachhaltig ja, aber bitte auch vor der eigenen Werkstür!

Irgendwie drängt sich mir der Gedanke auf, dass die Automobilindustrie (und da stecke ich jetzt alle in einen Sack), bei ihrer Produktion für den Weltmarkt wesentlich mehr und vor allem nicht-erneuerbare Ressourcen verschlingt als die Landwirtschaft. Außerdem verbrauchen Autos weitere Energiereserven, während unsere Produkte Energie für Körper und Geist liefern!

 

Dass VW zum Nachtisch eine verstörende Falschaussage über die Hormonbehandlung in der Schweinemast serviert, passt nicht so richtig zum VW-Fazit über die verschiedenen Ernährungsweisen. Eine Ernährung mit Fleisch sei die einfachste Möglichkeit, den Körper mit allen benötigten Nähr- und Mineralstoffen, Vitaminen und Energie zu versorgen. Um einem Nährstoffmangel vorzubeugen, ernähren sich Veganer sehr bewusst und achten darauf, die sonst aus Fleisch oder tierischem Eiweiß bezogenen Nährstoffe durch gezielte pflanzliche Ernährung in ausreichender Menge zu sich zu nehmen.

 

Die Aussage von VW, die Erde als Köchin würde sich an den meisten Tagen für vegane oder vegetarische Rezepte entscheiden, ergänzen wir daher gerne um folgende völlig unbelegbare Behauptung: Und sicherlich würde sie nicht mit dem Auto zur Arbeit fahren.


open_in_newZur Website der Autostadt


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