21.12.2022rss_feed

Viehzählungsergebnisse: Schweinebestand in Deutschland seit 2020 um 18,2 % gesunken

Innerhalb von einem Jahr ist die Anzahl der gehaltenen Schweine in Deutschland um 10,2 % zurückgegangen. ©ISN nach Destatis, Stand 03. November 2022

Innerhalb von einem Jahr ist die Anzahl der gehaltenen Schweine in Deutschland um 10,2 % zurückgegangen. ©ISN nach Destatis, Stand 03. November 2022

Nach den Viehzählungsergebnissen aus einzelnen Bundesländern zeigen nun auch die heute veröffentlichten bundesweiten Zahlen des Statistischen Bundesamtes den dramatischen Strukturbruch in der Schweinehaltung: Die Schweinebestände erreichen einen neuen Tiefstwert - Zum Stichtag 3. November 2022 wurden in Deutschland 21,3 Millionen Schweine gehalten, 10,2 % weniger als noch vor einem Jahr und 18,2 % weniger im Zweijahresvergleich.

ISN: Über zwei Jahre finanzielle Verluste zeigen deutliche Folgen, aber genauso auch die mangelnde Planungssicherheit und das fehlende Vertrauen in die Politik. Die Ausstiegswelle rollt immer stärker. Wenn jetzt nicht schnell reagiert wird, werden morgen in Deutschland keine schweinehaltenden Betriebe mehr da sein, die den gesellschaftlich gewollten Wandel in der Schweinehaltung umsetzen.

 


In einem Jahr ist der Sauenbestand in Deutschland um 11,9 % gesunken. ©ISN nach Destatis, Stand 03. November 2022

In einem Jahr ist der Sauenbestand in Deutschland um 11,9 % gesunken. ©ISN nach Destatis, Stand 03. November 2022

Nach den heute vom Statistischen Bundesamt (Destatis) veröffentlichten vorläufigen Ergebnissen ist der Schweinebestand in Deutschland zum Stichtag 3. November 2022 ein weiteres Mal stark gesunken – eine starke Reduzierung bei inzwischen bei vier Viehzählungen in Folge. Insgesamt werden in Deutschland nach vorläufigen Ergebnissen 21,3 Millionen Schweine gehalten. Laut den Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) sank die Zahl der Schweine gegenüber dem Vorjahreswert vom 3. November 2021 um 10,2 % oder 2,43 Millionen Tiere, im Zweijahresvergleich ging der Bestand sogar um 18,2 % oder 4,74 Millionen Tiere zurück.

 

Sauenbestand in einem Jahr 11,9 % gesunken

Für die einzelnen Tierkategorien der Schweinehaltung ergibt sich folgendes Bild: Zum Stichtag 3. November 2022 wurden 9,7 Millionen Mastschweine (über 50 kg) in Deutschland gehalten, das waren 11,7 % oder ca. 1,3 Mio. Mastschweine weniger als ein Jahr zuvor. Auch die Zahl der Ferkel ging im Jahreszeitraum deutlich um 9,1 % (-636.700 Ferkel) auf ca. 6,4 Millionen Tiere zurück. Die Zahl der Zuchtsauen verringerte sich im Vergleich zum November 2021 am deutlichsten um 11,9 % beziehungsweise ca. 188.000 Sauen auf knapp 1,4 Millionen Tiere.

 


Die Ausstiegswelle in der deutschen Schweinehaltung rollt immer stärker. ©ISN nach Destatis, Stand 03. November 2022

Die Ausstiegswelle in der deutschen Schweinehaltung rollt immer stärker. ©ISN nach Destatis, Stand 03. November 2022

10% weniger Schweinehalter als im Vorjahr

Neben den Beständen war auch die Zahl der schweinehaltenden Betriebe weiterhin stark rückläufig. Zum 3. November 2022 gab es 16.900 schweinehaltende Betriebe und damit 5,2 % oder 900 Betriebe weniger als noch im Mai 2022. Gegenüber dem Vorjahr (November 2021) sank die Zahl der schweinehaltenden Betriebe um 10,1 % (-1.900 Betriebe) und im Zweijahresvergleich um 17,1 % (-3.500 Betriebe).

 

Zahl der schweinehaltenden Betriebe im Zehnjahresvergleich um 43 % gesunken

Auch beim Zehnjahresvergleich wird der starke Rückgang bei Betrieben und gehaltenen Schweinen deutlich: Die Zahl der Schweine sank seit 2012 um 24,7 % oder 7,0 Millionen Tiere, während die Zahl der Betriebe sogar um 43,5 % (13.000 Betriebe) abnahm. Da die Zahl der Betriebe stärker abnahm als die Zahl der gehaltenen Schweine, erhöhte sich der durchschnittliche Schweinebestand in den vergangenen zehn Jahren von 949 auf 1.259 Schweine je Betrieb.

 

Die ISN meint:

Die Viehzählungsergebnisse des Statistischen Bundesamtes sind erschreckend und zeigen eine dramatische Entwicklung in der Schweinehaltung auf: Bundesweit gibt es immer weniger Zuchtsauen, weniger Ferkel, weniger Mastschweine und auch deutlich weniger Schweinehalter. Die Ausstiegswelle in der deutschen Schweinehaltung rollt immer stärker.

Die Betriebe haben seit inzwischen über zwei Jahren große finanzielle Verluste eingefahren – hervorgerufen durch eine Multikrise aus Corona-Pandemie, dem Auftreten der ASP, den Turbulenzen auf den Rohstoffmärkten und der hohen Inflation. Das konnten und können viele Betriebe nicht durchhalten. Die schwierige finanzielle Situation und die stark gestiegenen Kosten sind aber nicht allein verantwortlich für die dramatische Strukturentwicklung. Auch die Politik hat einen hohen Anteil daran. Denn ihr ist es nicht gelungen, wichtige Weichen für die Schweinehaltung zu stellen. Den Schweinehaltern fehlt der politischem Rückhalt. Sie sehen deshalb keine Planungssicherheit und Perspektive, kommentiert ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack die aktuellen Zahlen.

Besonders die Bundesregierung steht in der Verantwortung schnell für Lösungen und Planungssicherheit aber insbesondere eine Perspektive für Schweinehalter zu sorgen! Das geht weder mit einem mangelhaft zusammengeschustertem Tierhaltungskennzeichnungsgesetz noch mit immer mehr Ordnungsrecht, das weitere Nachteile im EU-Wettbewerb befeuert. Es geht nur mit einem Gesamtkonzept, das nicht allein auf Bestandsabbau ausgerichtet ist. Die noch aktiven Betriebe brauchen schleunigst wieder eine Perspektive. Denn wenn jetzt nicht schnell reagiert wird, werden morgen in Deutschland keine schweinehaltenden Betriebe mehr da ein, die den gesellschaftlich gewollten Wandel in der Schweinehaltung umsetzen, warnt Staack. Natürlich geht dabei auch nichts ohne auskömmliche Ferkel- und Mastschweinepreise, die den deutlich gestiegenen Erzeugungskosten gerecht werden. Die braucht es deshalb ganz schnell, bevor es für noch mehr Betriebe zu spät ist, fordert Staack.


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