25.06.2021

Viehzählungsergebnisse bestätigen Rückgang der Schweinehaltung – Niedrigster Stand seit Jahrzehnten

Zum Stichtag 3. Mai 2021 wurden in Deutschland 24,6 Millionen Schweine gehalten

Zum Stichtag 3. Mai 2021 wurden in Deutschland 24,6 Millionen Schweine gehalten

Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) zeigen einen starken Rückgang des Schweinebestands in Deutschland. Im Vergleich zum Mai 2020 ist die Zahl der Schweine um 840.000 bzw. 3,3% gesunken. Ursachen für diese Entwicklung sind z.B. die deutlich gesunkenen Schweinepreise, die Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie die Afrikanische Schweinepest, aber auch die fehlende Perspektive für viele Betriebe. Binnen Jahresfrist gaben laut Destatis rund 700 Schweinehalter ihren Betrieb auf. Damit ist  innerhalb der letzten zehn Jahre die Zahl der Betriebe um mehr als ein Drittel auf 19.800 Betriebe gesunken.

 

Die heute veröffentlichten Viehzählungsergebnisse von Destatis machen deutlich, dass sich der rückläufige Trend der Schweinehaltung in Deutschland fortsetzt. Laut Agra Europe (AgE) sinkt das aktuelle Ergebnis damit auf den niedrigsten Stand bei einer Frühjahrszählung seit 1997.

Zum Stichtag 3. Mai 2021 wurden in Deutschland 24,6 Millionen Schweine gehalten. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, ist die Zahl der Schweine nach den vorläufigen Ergebnissen seit der letzten Erhebung am 3. November 2020 um 5,5 % oder 1.430.600 Tiere gesunken. Gegenüber dem Vorjahreswert vom 3. Mai 2020 ist der Bestand um 3,3 % oder 840.400 Tiere zurückgegangen.

 

Schweinestau prägt die Entwicklung in der Mast

Den Wiesbadener Statistikern zufolge gab es im Mai 2021 im Vorjahresvergleich nur bei den Mastschweinen einen Bestandsaufbau, und zwar um 1,2 % auf 11,24 Millionen Tiere. Dagegen nahm die Zahl der Ferkel kräftig ab, nämlich um 7,2 % auf 7,28 Millionen, und die der Jungschweine um 5,6 % auf 4,47 Millionen Stück. Dies sind Folgen der zuletzt deutlich verringerten Ferkelimporte und des Abbaus der heimischen Sauenbestände. Die Zahl der gehaltenen Zuchtsauen ging im Vorjahresvergleich stark zurück, und zwar um 146.700 oder 8,3 % auf nur noch 1,63 Millionen Tiere, so AgE. 

 


Innerhalb der letzten zehn Jahre die Zahl der Betriebe um mehr als ein Drittel auf 19.800 Betriebe gesunken

Innerhalb der letzten zehn Jahre die Zahl der Betriebe um mehr als ein Drittel auf 19.800 Betriebe gesunken

Anzahl der schweinehaltenden Betriebe geht weiter bergab

Neben den Tierzahlen ist auch die Zahl der schweinehaltenden Betriebe rückläufig. Zum 3. Mai 2021 gab es 19.800 schweinehaltende Betriebe. Das sind 3,3 % oder 700 Betriebe weniger als noch im November 2020. Im Vergleich zum Vorjahr liegt der Rückgang bei 3,2 % (700 Betriebe). Ursachen für diese Entwicklung sind z.B. die deutlich gesunkenen Schweinepreise, die Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie die Afrikanische Schweinepest, aber auch die fehlende Perspektive für viele Betriebe.

 

Zehnjahresvergleich: Mehr als 1/3 der Betriebe gab auf

Im Zehnjahresvergleich ging sowohl die Anzahl der gehaltenen Schweine als auch die Anzahl der Betriebe zurück. Die Zahl der Schweine sank um 7,9 % oder 2,1 Millionen Tiere, während die Anzahl der Betriebe um 37,5 % oder 11.900 Betriebe abnahm. Da die Zahl der Betriebe also stärker abnahm als die Zahl der gehaltenen Schweine, erhöhte sich der durchschnittliche Schweinebestand in den letzten zehn Jahren von 845 auf 1.246 Schweine je Betrieb.

 

Die ISN meint:

Wie zu befürchten war, spiegelt sich das zurückliegende äußerst schwierige Jahr in den aktuellen Viehzählungsergebnissen des Statistischen Bundesamtes deutlich wider. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie, aber auch der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland und weitere Faktoren haben das Jahr 2020 für die deutschen Schweinehalter zu einem Krisenjahr gemacht. 

Viele Schweinehalter sind durch den entstandenen Schweinestau und die Absatzprobleme beim Schweinefleisch unverschuldet in eine katastrophale Notlage geraten. Der Ausbruch der ASP im September hat den Rest dazugegeben. Der Wegfall der Exportmöglichkeiten von deutschem Schweinefleisch in viele bedeutende Drittländer führte zu einem massiven Preisverfall am deutschen Schweinemarkt.

Das starke Minus von 8,3% bei den Bestandszahlen der Zuchtsauen lässt erkennen, dass es die Sauenhalter besonders hart getroffen hat. Sie mussten massive Preisrückgänge und Absatzprobleme hinnehmen und haben darauf mit einem massiven Bestandsabbau reagiert. 

Die Auswirkungen des Krisenjahrs sind auch weiterhin zu spüren. Momentan sorgen Kostensteigerungen in allen Bereichen, insbesondere aber bei Futtermitteln, weiter für eine defizitäre Ferkelerzeugung und Schweinemast. So geht vielen Betrieben derzeit die Luft aus.

Bei immer weiter steigenden Anforderungen an Haltung, Tierwohl und Umwelt und gleichzeitigem Preisdruck von LEH und Schlachtbetrieben wird sich der Strukturwandel und die Verlagerung der heimischen Schweineerzeugung ins Ausland mit den immer größer werdenden Wettbewerbsnachteilen der deutschen Schweinehalter rasant beschleunigen. Die Schweinehalter brauchen endlich wieder Planungssicherheit, Perspektive und auskömmliche Preise!