11.10.2017 rss_feed

US-Schweineproduktion: Europa ist uns zehn Jahre voraus

Auf dem Betrieb DeDecker in Illinois: Die erste EPP-Flagge auf amerikanischem Boden. Foto: Häuser

Auf dem Betrieb DeDecker in Illinois: Die erste EPP-Flagge auf amerikanischem Boden. Foto: Häuser

Die Organisation der European Pig Producers (EPP) hat im September eine Studienreise in die USA gemacht. Dort wurden verschiedene Schweinefarmen besichtigt. In diesem Bericht von EPP-Geschäftsführer Sven Häuser werden wesentliche Erkenntnisse über die Schweinehaltung in der USA dargestellt.

 

Produktionssystem und -kosten

Europa ist uns zehn Jahre voraus, was Regularien und Produktionsbedingungen betrifft, so ein Farmer gegenüber den EPP-Mitgliedern. Er erwartet in den kommenden Jahren, spätestens nach der Trump Administration, weitere Verschärfungen der Produktionsbedingungen in den USA.

Aktuell sieht es in den Vereinigten Staaten wie folgt aus:

Etwa 70 Prozent der schweinehaltenden Betriebe sind in integrierten Systemen organisiert und somit vertraglich gebunden. Die Farmer sehen dieses System als eine Form der Risikoabsicherung und Preisgarantie, die auch in schwierigen Phasen, wie zum Beispiel dem PED-Ausbruch, ein gewisses Grundeinkommen sichern. Während in Europa in erster Linie an der Effizienz in Form von Optimierung der biologischen Leistungen oder der Effektivität gearbeitet wird, setzt man in den USA aktuell auf Wachstum. In den letzten fünf Jahren wurde vor allem die Zahl der Mastschweine gesteigert, wenngleich die Anzahl der Sauen eher stagniert. Die benötigten Ferkel kommen dann zum Beispiel aus dem benachbarten Kanada.

Die Kosten für Arbeitserledigung, Energie, Umwelt und Stallbau liegen zum Teil deutlich unterhalb der Kostensätze in Europa, was die Schweineproduktion in den USA profitabel macht. In den letzten beiden Jahren wurden und werden daher zahlreiche neue Stalleinheiten gebaut. Im Vergleich zu Europa ist das Genehmigungsverfahren recht einfach - oft reichen die Stallzeichnung eines Architekten sowie ein Gülleverwertungskonzept aus.

 

Fütterung

Als Fütterungssystem werden in den amerikanischen Ställen überwiegend Automaten zur ad-libitum-Fütterung eingesetzt. Die Fütterung basiert ausschließlich auf Mais- und Sojabasis, welches vor Ort großflächig angebaut wird. Essentielle Aminosäuren und Spurenelemente werden durch zusätzliche Mineralstoffgaben gedeckt, so dass die Schweine mit einfachen und heimischen Rationen gefüttert werden. Diese stammen zum Teil aus eigenen Futtermühlen, was die Futterkosten zusätzlich senkt. Häufig kommt noch DDGS (Nachprodukt aus der Ethanolproduktion aus Mais) als weiterer Energieträger zum Einsatz.

 

Antibiotikaeinsatz

Während in Europa der Einsatz antibiotischer Leistungsförderer seit vielen Jahren gänzlich verboten ist, ist der Einsatz auch in den USA zurückgegangen, wenngleich er in einigen Bereichen in Zusammenarbeit mit dem Tierarzt noch erlaubt ist. Seitens des Handels wird viel Druck aufgebaut, so dass künftig auch auf die häufig noch angewendete Einstallprophylaxe in der Mast verzichtet wird.

 

Tierwohl und Nachhaltigkeit

Auch in den USA sind Tierwohl und Nachhaltigkeit wichtige Themen, diese werden jedoch anders diskutiert als in Europa. Tierbezogene Maßnahmen gibt es – außer der Gruppenhaltung bei Sauen – kaum. Vielmehr wird das Personal im Hinblick auf den schonenden Umgang mit dem Tier geschult. Dies wird dokumentiert und kann bei Anfragen jederzeit nachgewiesen werden.

Gülle wird in den USA als Wirtschaftsdünger und nicht als Abfallprodukt angesehen. Im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft wird das Produkt auf den eigenen Flächen oder in Kooperation auf den Flächen benachbarter Crop-Farms ausgebracht. Verwundert waren einige US-Farmer darüber, dass in Europa viele Schweinehalter nicht unerhebliche Kosten für die Gülleentsorgung ansetzen müssen.

 

Qualität, Lebensmittelsicherheit und Export

Laut Aussage des National Pork Producers Councils (NPPC) sind lediglich 15 Prozent der US-Bürger daran interessiert, wie und wo Lebensmittel produziert werden. Für 85 Prozent zählen vorrangig Preis, Qualität und Lebensmittelsicherheit. Diese Eigenschaften werden auch beim Export groß geschrieben und dienen als Hauptargumente bei der Verhandlung von neuen Handelsabkommen. Neben dem NAFTA-Abkommen zwischen USA, Kanada und Mexico stehen aktuell Korea, Vietnam und Japan als weitere Handelspartner im Fokus der USA.


Die Originalpressemeldung finden Sie hier

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