Über 4 Milliarden Euro Investitionsbedarf in der Sauenhaltung

244 Ferkelerzeuger haben im November und Dezember 2025 an einer Spezialabfrage der ISN zur Sauenhaltung teilgenommen ©ISN/Jaworr, Canva
Eine Spezialabfrage der ISN zum Umbau von Deckzentrum und Abferkelstall zeigt deutschlandweit einen riesigen Investitionsbedarf von über 4 Mrd. € in der deutschen Sauenhaltung auf. Viele Sauenhalter beabsichtigen aufzugeben und die Vorgaben nicht mehr umzusetzen.
Die ISN fordert Bund und Länder auf, die Ferkelerzeugung mit den bevorstehenden Fristen zum Umbau der Sauenhaltung nicht allein im Regen stehen zu lassen. Die Betriebe benötigen von der Politik praktikable und machbare Lösungen.
Anlässlich der in Berlin heute und morgen stattfindenden Amtschefkonferenz und dem Beginn der grünen Woche in Berlin veröffentlichen wir heute die Ergebnisse einer Abfrage unter deutschen Ferkelerzeugern, welche die durch die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung notwendig werdenden Investitionen in der Sauenhaltung und die damit verbundenen dramatischen Strukturfolgen detailliert beleuchtet.
Ferkelerzeuger nicht im Regen stehen lassen
Eine aktuelle und personalisierte Abfrage unter Ferkelerzeugern zeigt: Auf die deutsche Ferkelerzeugung kommt ein Investitionsbedarf zur Umsetzung der Haltungsvorgaben für Sauen von insgesamt über 4 Mrd. € zu. Gleichzeitig werden viele Ferkelerzeuger diese Umbauschritte nicht mehr mitgehen und aussteigen. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, wenn besonders viele Betriebe die Förderung des Bundes als entscheidend für die weitere Betriebsentwicklung ansehen und versuchen, noch Anträge im Rahmen der verbleibenden Frist bis Ende August zu stellen. Für sehr viele Betrieb ist eine Antragstellung innerhalb der Frist aber nicht mehr zu schaffen. Ohne adäquaten Ersatz für die Bundesförderung und einen Bestandsschutz für bestehende Abferkelställe, wird die Ausstiegswelle in der Ferkelerzeugung dramatisch werden.
Hier sind nun Bund und Bundesländer gleichermaßen gefordert, schnell und gemeinsam für Lösungen zu sorgen, wenn sie sie Ferkelerzeugung in Deutschland erhalten wollen
, so ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack in seiner abschließenden Bewertung.
Die Ergebnisse der Spezialabfrage zur Sauenhaltung im Detail:
Die nächste Frist zur Umsetzung der Haltungsvorgaben für Sauen durch die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung steht mit dem 9. Februar 2026 bereits unmittelbar bevor. Sauenhalter müssen dann nämlich den Bauantrag zum Umbau des Deckzentrums eingereicht haben, sofern eine Baugenehmigung für den Umbau erforderlich ist. Wie weit sind die Ferkelerzeuger konkret mit der Umsetzung der Vorgaben in Abferkelstall und Deckzentrum? Wie viele werden den Schritt nicht mehr mitgehen und aussteigen? Welche Bedeutung spielt hierbei die Bundesförderung, die Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer aufgrund mangelnder Nachfrage vorzeitig einstellen wird? Genau dies hat die ISN bei Ferkelerzeugern nun sehr detailliert und spezifisch abgefragt.
Personalisierte Abfrage
Im Abfragezeitraum November/Dezember 2025 nahmen 244 Ferkelerzeuger in personalisierter Form an der Abfrage teil – das heißt mit Nennung ihres Namens und damit nachvollziehbar. Die teilnehmenden Ferkelerzeuger halten im Mittel 400 Sauen und sind damit deutlich größer als der Bundesdurchschnitt (295 Sauen je Betrieb). Insgesamt halten die Sauenhalter aus der Abfrage somit knapp 100.000 Sauen. Der Löwenanteil der Betriebe kommt aus Niedersachsen (77), NRW (68) und Bayern (61).

Stand beim Umbau des Deckzentrums bundesweit - ISN-Spezialabfrage zur Sauenhaltung Nov/Dez 2025 ©ISN
59 % beim Umbau des Deckzentrums noch unklar oder vor dem Ausstieg
Auf die Frage, wie weit die Sauenhalter mit der Umsetzung der Haltungsvorgaben im Deckzentrum sind, konnten diese sehr differenziert antworten – von bereits umgesetzt bis zur Aufgabe der Sauenhaltung (Abbildung 1). 14 % der Betriebe erfüllen die Vorgaben im Deckzentrum bereits bzw. befinden sich aktuell im Umbau. Weite 13,6 % haben bereits eine Umbaugenehmigung für das Deckzentrum bzw. den Baueintrag eingereicht und noch einmal der gleiche Anteil kann in Kürze eine Baugenehmigung für den Deckzentrumumbau einreichen. Zusammengenommen kann man bei diesen 41,2 % der Betriebe davon ausgehen, dass sie trotz des notwendigen Umbaus des Deckzentrums weiter Sauenhaltung betreiben werden.
Unklarer ist die Situation bei weiteren 44 % der Betriebe. Hierzu zählt insbesondere über ein Viertel der Betriebe, die bei ihrem Konzept zunächst einmal angegeben haben, die Umsetzung durch innerbetriebliche Umstrukturierungen zu bewerkstelligen und keine Baugenehmigung zu brauchen. So haben sie nun erst einmal Zeit bis Februar 2029 für die Umsetzung. Bei knapp 15 % der Betriebe ist bereits klar, dass sie aussteigen werden, weil sie entweder den Ausstieg erklärt haben oder weil sie noch keine Planungen für den Umbau gemacht haben und den Ausstieg bereits angedeutet haben.

Stand beim Umbau des Deckzentrums nach Bundesland - ISN-Spezialabfrage zur Sauenhaltung Nov/Dez 2025 ©ISN
Unterschiede zwischen den Bundesländern
Betrachtet man den Fortschritt des Umbaus des Deckzentrums je Bundesland, so sind Unterschiede in der Umfrage sichtbar. Während bei den Betrieben aus Niedersachsen bereits rund 62 % der Sauenhalter mindestens so weit sind, demnächst eine Baugenehmigung für den Umbau des Deckzentrums einreichen zu können, sind dies in NRW und Bayern nur ca. 35 bzw. ca. 33 %. Bei den Betrieben aus Bayern wird zudem eine deutlich höhere Ausstiegsrate sichtbar. Hier dürfte sich insbesondere die kleinere Größenstruktur bemerkbar machen. Während die teilnehmenden Betriebe aus Niedersachsen 489 Sauen im Mittel halten, sind es in NRW 361 und in Bayern 245 Sauen.

Stand beim Umbau des Abferkelstalls bundesweit - ISN-Spezialabfrage zur Sauenhaltung Nov/Dez 2025 ©ISN
Dramatische Folgen durch Investitionsbedarf in den Abferkelstall
Auch für die Umsetzung der Neuvorgaben im Abferkelstall haben die Sauenhalter sehr differenziert geantwortet. Hier haben aber nur knapp 5 % die Vorgaben bereits erfüllt bzw. befinden sich im Umbau. Nur 21,4 % sind mindestens so weit, dass ihre Planungen erfolgt sind und demnächst eine Baugenehmigung eingereicht werden kann, so dass von der Weiterführung der Sauenhaltung relativ sicher ausgegangen werden kann. Rund 30 % der Betriebe sind noch sehr unklar in ihrer Perspektive für die Sauenhaltung. Aber bei fast der Hälfte der Betriebe muss von einem Ausstieg aus der Sauenhaltung ausgegangen werden, wenn der Umbau des Abferkelstalles ansteht. Davon haben 33 % noch keinerlei Planungen durchgeführt und den Fortbestand der Sauenhaltung mindestens in Frage gestellt und knapp 15 % den Ausstieg bereits beschlossen.
Auch hier sind die Zahlen besonders dramatisch in Bayern, wo fast zwei Drittel der Ferkelerzeugung mit dem Abferkelstallumbau vor dem Aus stehen. Auch hier durfte der Betriebsgrößeneffekt wieder durchschlagen.

Stand beim Umbau des Abferkelstalls nach Bundesland - ISN-Spezialabfrage zur Sauenhaltung Nov/Dez 2025 ©ISN
Viele Sauenhalter setzen noch auf die Bundesförderung
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hat angekündigt, das Bundesprogramm zur Förderung des Umbaus der Tierhaltung (BUT) aufgrund zu geringer Nachfrage mit Wirkung zum 31.08.2026 vorzeitig einzustellen. Die ISN hat die Ferkelerzeuger nach der Bedeutung des Programmes gefragt. Auf einer Skala von -2 (Spielt keine Rolle
) bis +2 (Entscheidend
) konnten Sie ihre Bewertung abgeben. Wie der Anteil der Farbe grün in der Abbildung 3 deutlich macht, sehen die Ferkelerzeuger das Förderprogramm als entscheidend bzw. mindestens als wichtig an. Der Mittelwert von +0,61 liegt demzufolge deutlich im positiven Bereich und unterstreicht die Bedeutung des Programms für die Ferkelerzeuger.

Bedeutung des Bundesprogramms zum Umbau der Tierhaltung (BUT) - ISN-Spezialabfrage zur Sauenhaltung Nov/Dez 2025 ©ISN
Die Einschätzung der Ferkelerzeuger wird auch sehr deutlich bei der Frage der Bedeutung der Bundesförderung für die eigene Betriebsentwicklung. Während gut 31 % angeben, den Umbau ohne Förderung zu planen, will fast ein Viertel der Betriebe (23,6 %) versuchen, die BUT-Förderung noch innerhalb der Frist bis zum 31. August 2026 zu beantragen. Ein weiteres Viertel gibt an, die Förderung gerne beantragen zu wollen, dieses aber in der Frist nicht mehr zu schaffen. Erwartungsgemäß liegt der Anteil der Betriebe, die eine BUT-Förderung beantragt bzw. sogar schon erhalten haben mit zusammen 6,6 % auf einem niedrigen Niveau.
4,4 Milliarden Euro für den Umbau
Die abgefragten Betriebe machten auch Angaben zu den notwendigen Investitionssummen. 165 Betriebe gaben an, im Mittel 278.000 € für den Umbau des Deckzentrums investieren zu müssen. Umgelegt auf alle Sauenplätze sind das im Mittel 696 € je Platz. Natürlich ist hierbei die Spannweite enorm – allein schon deshalb, weil einige Betriebe neu bauen, andere im günstigen Fall nur leichte Anpassungen vornehmen müssen. Gleiches gilt auch für die notwendigen Investitionen im Abferkelbereich – allerdings sind die Investitionen hier weit höher. Zum Abferkelstall gaben 135 Betriebe an, im Mittel 1,35 Mio. € investieren zu müssen, um die neuen Vorgaben zu erfüllen. Das sind im Mittel 3157 € je Sau bzw. Sauenplatz.
Betriebe, die also sowohl den Umbau im Deckzentrum als auch den im Abferkelstall noch umsetzen müssen, haben somit (bei einer durchschnittlichen Zahl von 400 Sauen) mit Investitionen von ca. 1,6 Mio. € (fast 4000 € je Sau bzw. Sauenplatz) zu rechnen. Hier spielt auch eine große Rolle, dass die allgemeinen Baukosten in den vergangenen Jahren geradezu explodiert sind und sich somit die Umsetzung der ohnehin teuren Umbaumaßnahmen noch einmal erheblich verteuern.
Unter der Berücksichtigung, dass Betriebe einzelne Vorgaben bereits umgesetzt haben und viele Betriebe aus der Erzeugung aussteigen, ergibt sich auf alle 244 abgefragten Ferkelerzeugerbetriebe im Mittel eine Investitionssumme von 1,24 Mio. €. Wenn man diesen Wert nun auf alle deutschen Ferkelerzeugerbetriebe hochrechnet und dabei die geringere mittlere Sauenzahl in Deutschland (295 Sauen) berücksichtigt, ergibt sich ein Gesamtinvestitionsvolumen für die deutsche Ferkelerzeugung von 4,4 Mrd. €. Davon ausgehend, dass ggf. der Anteil der aussteigenden Betriebe deutschlandweit noch höher ausfällt als in der Abfrage, dürfte trotzdem ein Betrag für die notwendigen Investitionen von über 4 Mrd. € allein in der Ferkelerzeugung anstehen.