27.04.2015rss_feed

Tönnies Livestock: Großer Schritt in Richtung vertikale Integration

Tönnies Vertikale Integration Start

Mit dem Einstieg von Tönnies in das Viehhandelsgeschäft dürften tiefgreifende Veränderungen auf die Strukturen des Schweinemarktes zu erwarten sein. Diese Einschätzung teilen nicht wenige Branchenkenner.

 

Es ist alles andere als Zufall, dass Tönnies sich gerade jetzt für den Einstieg in ein Geschäft entscheidet, in dem die Margen eigentlich schon heute eher gering sind. Ob Herkunftskennzeichnung, risikoorientierte Fleischbeschau, Tierwohl oder Befunddatenindex. Der Informationsbedarf über die Produktion und die Produktionsbedingungen nimmt immer mehr zu und entwickelt sich zu einem Wettbewerbskriterium.

 

Schritt in Richtung vertikale Integration

Durch die Gründung einer eigenen Viehhandelsgesellschaft geht Tönnies einen gewaltigen Schritt in Richtung vertikaler Integration, wie man sie z.B. aus dem Geflügelsektor kennt. Mäster und Ferkelerzeuger werden vertraglich oder quasi-vertraglich an das Unternehmen Tönnies gebunden. Durch die Einbindung der Ferkelerzeugerstufe gelingt der unmittelbare Zugriff auf die Mastbetriebe: Sauenbetriebe, ostdeutsche wie niederländische oder dänische Großanlagen, werden an die Livestock GmbH gebunden; die von ihnen verkauften Ferkel können vom Mäster jedoch nur bezogen werden, wenn die Mastschweine ebenfalls an die Firma Tönnies vermarktet werden. Tönnies Livestock Geschäftsführer Heiner Strömer nennt dies eine intelligente Verzahnung von Ferkel- und Schweineeinkauf. Das System ist nicht neu, die Westfleisch beispielsweise praktiziert über ihre Best-Ferkel- und Best-Schwein Verträge in Verbindung mit einem 4-Wochen-Preis bereits seit Jahren eine enge Anbindung der zumeist genossenschaftlichen Teilhaber.

 

LEH und Schlachtunternehmen bestimmen die Regeln

Das bisherige Geschäftsmodell der nordwestdeutschen Schweinehaltung dürfte vor grundlegenden Änderungen stehen. Schon heute gibt es Erzeugerverbünde und Genossenschaften mit engen vertraglichen Bindungen, der Einstieg von Tönnies in dieses System eröffnet jedoch eine andere Dimension. Der Branche droht damit der Weg in die vertikale Integration. Eine enge vertragliche Anbindung oder gar Vertragsmast machen es dem LEH und Schlachtunternehmen natürlich einfacher, Vorgaben durchzudrücken, denen ansonsten der Betroffene im freien Wettbewerb vielleicht ausweichen könnte.

Markt braucht keine Vertrags- oder Lohnmast!

Eine stufenübergreifende Zusammenarbeit und Transparenz funktioniert auch ohne Vertragsmast oder Quasi-vertragliche-Anbindungen an die Schlachtbetriebe. Das QS-System wie auch die Salmonellendatenbank haben dies beispielhaft in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen. Kaum abzuschätzen sind die Folgen für die Erzeugerpreisfindung. Wenn ein Großteil der deutschen Schweinehalter vertraglich eng an Schlachtunternehmen gebunden ist, wird es immer schwerer für den einzelnen Mäster oder Vermarkter, durch sein Anbieterverhalten marktbeeinflussend zu wirken.

Bisherige Marktimpulse von der Angebotsseite, gerade im Hinblick auf die Preisbildung, drohen damit gänzlich verloren zu gehen.

Die ISN hat sich immer gegen ein System der Schweinehaltung ausgesprochen, in dem der Landwirt nicht mehr Herr auf seiner eigenen Scholle ist und bestimmt, was er einkauft und an wen er vermarktet.

Wer auch zukünftig als freier Unternehmer arbeiten will, sollte dies bei der Auswahl seiner Vermarktungspartner berücksichtigen.


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