21.10.2020rss_feed

Schweinestau: Wöchentlich fehlen weiterhin mindestens 80.000 Schlachtungen

Wöchentlich fehlen noch immer mindestens 80.000 Schlachtungen in Deutschland, damit der bestehende Überhang von aktuell ca. 480.000 Schlachtschweinen nicht noch größer wird. Weiterhin gibt es ein erhebliches Defizit an Schlachtungen. Mehrere Maßnahmen wurden angekündigt, z.B. die Schlachterlaubnis an Sonn- und Feiertagen - bei der Umsetzung in die Praxis hakt es jedoch noch deutlich.

ISN: Die Verzögerungen bei diesem drängenden Thema sind ein Schlag ins Gesicht der Schweinehalter! Es darf nicht sein, dass man sich in den Behörden hinter Formalismus und vorgeschobenen Positionen zurückzieht und die Bereitschaft der Schlachtbetriebe zu einer Ausweitung der Kapazitäten zunichte macht.


Wöchentlich fehlen weiterhin mindestens 80.000 Schlachtungen

Sonntags- und Feiertagsarbeit in Niedersachsen bisher nicht genehmigt

Die ISN hat in den vergangenen Wochen zusammen mit verschiedenen anderen Organisationen alles dafür getan, um für Entlastungen beim immer weiter anwachsenden Stau von Schlachtschweinen und Ferkeln in den Schweinebetrieben in Deutschland zu sorgen. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast hatte in den vergangenen Tagen bereits angekündigt, für eine Genehmigung von Sonntags- und Feiertagsarbeit auf den Schlachtbetrieben in Niedersachsen zu sorgen.

Wie sich nun jedoch zeigt, hakt es bei der Umsetzung in die Praxis aber noch erheblich. Nach einem heutigen Bericht der Nordwest-Zeitung haben verschiedene Schlachtunternehmen in Niedersachsen noch keine Zusage für die Genehmigung von Sonntagsarbeit und auch noch nicht für den Reformationstag am Samstag nächster Woche, der ja u.a. in Niedersachsen ein Feiertag ist, erhalten. Den Gewerbeaufsichtsämtern fehle dazu noch die Direktive durch das Sozialministerium in Hannover.

 

Weiterhin erhebliches Defizit an Schlachtungen

Aus zahlreichen Gesprächen mit Schlachtunternehmen wissen wir, dass man in einer ganzen Reihe von Unternehmen derzeit versucht, trotz der aktuellen Schwierigkeiten bzgl. des Corona-Infektionsschutzes und der eingeschränkten Verfügbarkeit von Personal die Schlachtungen auszuweiten. Mit einer Verlängerung der jeweiligen Schichten bzw. zusätzlichen Schlachtungen an Sonntagen oder Feiertagen wollen diese Betriebe einen Beitrag zur Entzerrung des Schweinestaus leisten. Dazu zählen z.B. Müller-Fleisch, Westfleisch, Böseler Goldschmaus oder auch Tönnies.


Verteilung der Schweineschlachtungen in den Top 10 Schlachtbetriebe im Jahr 2019 in Deutschland (ISN-Schlachthofranking)

Verteilung der Schweineschlachtungen in den Top 10 Schlachtbetriebe im Jahr 2019 in Deutschland (ISN-Schlachthofranking)

Zumindest konnten die in den vergangenen Wochen von Corona-Infektionen bei Mitarbeitern betroffenen Schlachtstandorte in Sögel und Emstek ihren Betrieb inzwischen wieder auf ca. 50% der normalen Kapazitäten hochfahren. Hierbei darf es aber nicht bleiben, die Schlachtstandorte müssen wieder komplett hochgefahren werden. Denn ein Blick auf das jährliche ISN-Schlachthofranking macht deutlich, dass die erheblichen Einschränkungen bei Top 1 (Tönnies) und Top 3 (Vion) nicht durch die übrigen Schlachtunternehmen aufgefangen werden können.

 


Wöchentlich fehlen noch immer mindestens 80.000 Schlachtungen in Deutschland, damit der bestehende Überhang von aktuell ca. 480.000 Schlachtschweinen nicht noch größer wird. Für einen Abbau des bisher schon entstandenen Überhangs fehlen noch deutlich mehr Schlachtungen. Die wären erreichbar, wenn die stark eingeschränkten großen Schlachtbetriebe wieder ihre Kapazitäten nutzen könnten – dann wären nämlich deutlich über 100.000 Schlachtungen mehr je Woche möglich. Aktuell brennt es aber weiter lichterloh! Der Angebotsüberhang kann nicht weggeschlachtet werden. Der Schweinestau wächst weiter fasst ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack zusammen.

Um die Lage endlich zu entspannen, braucht es noch weit mehr Engagement der Landesregierungen in Niedersachsen und NRW! so Staack weiter. Unser Eindruck ist, dass man von Seiten der jeweiligen Landwirtschaftsministerien alles tut, um den Schweinehaltern aus der Notlage zu helfen. Bei den außerdem zuständigen Arbeits- und Sozialressorts sieht das aber nach unserer Wahrnehmung deutlich anders aus. Man will zwar offiziell nicht im Weg stehen, aber ein aktives unter die Arme greifen sieht definitiv anders aus! kritisiert Staack. Warum dauert es mit den Genehmigungen für Sonntagsschlachtungen in Niedersachsen so lange? Warum darf man nicht am 31.10. schlachten? Und in NRW: Wo hakt es beim Schlachtstandort in Rheda-Wiedenbrück? Wieso darf einer von Europas führenden Schlachthöfen seit Juli nicht mehr die Kapazitäten auslasten? Es ist den Schweinehaltern doch vollkommen egal, ob da jetzt der Kreis, die Bezirksregierung oder das Land zuständig ist. Die Landesregierungen müssen hier koordinieren und die Knoten endlich durchhauen. Der schwarze Peter wird hier durch alle Zuständigkeiten hin und her geschoben. Das ist mehr als unsäglich und muss sofort beendet werden!! Wenn man von Seiten der jeweiligen Landesregierungen nicht helfen will, dann muss man es jetzt auch offen sagen und sich nicht feige hinter Paragraphen oder der Nicht-Zuständigkeit verstecken!    

 

ISN fordert zusätzliche Schlachtungen und Lösung des Personalmangels

Die Verzögerungen bei diesem drängenden Thema sind ein Schlag ins Gesicht der Schweinehalter! Die niedersächsische Sozialministerin Dr. Carola Reimann muss endlich tätig werden und für eine schnelle Erteilung der notwendigen Genehmigungen sorgen!, fordert ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. Es darf nicht sein, dass man sich in den Behörden hinter Formalismus und vorgeschobenen Positionen zurückzieht und die Bereitschaft der Schlachtbetriebe zu einer Ausweitung der Kapazitäten zunichte macht! An die niedersächsische Sozialministerin Dr. Carola Reimann und an NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann richtet Staack zudem die Forderung: Wir haben aufgrund der prekären Lage der Schweinehalter mehrfach und sehr deutlich um Hilfe gebeten! Helfen Sie den Schweinehaltern endlich! Jeder zusätzliche Schlachttag und jede Stunde für zusätzliche Schlachtungen zählen! Das bekommen wir nur hin, wenn auch gleichzeitig das offenkundige Problem des Personalmangels konsequent angegangen wird. Unabhängig von der Frage der Anstellungsverhältnisse der Schlachthofmitarbeiter darf es hier zu keiner Überregulierung kommen, die dazu führt, dass das Personalproblem nicht gelöst werden kann.


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