05.11.2020rss_feed

Schweinestau wächst weiter – Weihnachten drohen 1 Million Schweine in der Warteschleife – ISN: Laumann muss endlich die Bremse lösen

Damme, 05. November 2020. Der Schweinestau baut sich immer weiter auf – nach aktueller Kalkulation der ISN warten derzeit ca. 570.000 Schweine auf die Schlachtung und dieser Überhang wächst weiter. Jede Woche kommen 30.000 – 60.000 zusätzliche Schweine zum bestehenden Stau dazu. In den schweinehaltenden Betrieben spitzt sich die Lage immer weiter zu, weil die Stallplätze nicht frei werden. Spätestens zu Weihnachten droht die nächste Eskalationsstufe, weil dann mehrere Schlachttage bedingt durch die Feiertage wegfallen.

 

Die ISN sieht bei NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann in entscheidendem Maße politische Verantwortung dafür, dass sich schweinehaltenden Betriebe in dieser katastrophalen und existenzbedrohenden Lage befinden.

 

Seit inzwischen ca. 20 Wochen baut sich der Schweinestau immer weiter auf. Die Zahlen belegen eindeutig: Die erhebliche Einschränkung der Kapazitäten von Europas größtem Schlachtbetrieb bei Tönnies in Rheda ist ein Schlüsselfaktor. Inzwischen kann der Infektionsschutz längst nicht mehr als Begründung für diese Einschränkung in Rheda herhalten. Denn dass die Ausweitung des Schlachtbetriebes bei Einhaltung der Corona-Vorsichtsmaßnahmen funktioniert, zeigen eine ganze Reihe von positiven Beispielen aus verschiedenen Bundesländern, auch aus NRW. Warum geht das ausgerechnet bei Europas größtem und zudem wohl auch modernsten Schlachtbetrieb nicht? Dass hier nicht mehr möglich ist, hat aus unserer Sicht wenig mit Sachzwängen zu tun, sondern ist ein reines Politikum.

 

Kraftmeierei auf dem Rücken der Bauern

NRW-Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat bereits im Mai gegenüber dem WDR verkündet: Egal, wer Schlachthofbetreiber ist. Wir müssen jetzt diesen Sumpf austrocknen. Die Pandemie gibt uns die Möglichkeit, das zu tun. Und genau das scheint er nun durchziehen zu wollen - zu Lasten der deutschen Schweinehalter. Inzwischen sollte selbst Minister Laumann erkennen, welche katastrophalen Folgen sein Handeln für Schweinehalter und auch für die Tiere bedeutet. Die Blockadehaltung seines Ministeriums und der nachgelagerten Behörden hat maßgeblichen Anteil, dass der Schweinestau so stark angewachsen ist und nach wie vor weiter anwächst. Er steht in der Verantwortung, die behördliche Bremse zu lösen. Er muss seinen Widerstand aufgeben und ermöglichen, dass Europas größter Schlachthof wieder seine Arbeit vollumfänglich machen kann. Das ist kein Einknicken vor dem Unternehmen Tönnies, dass ist Nothilfe für die Bauern!, fordert ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. Dass die Schlachtungen nicht nur am Tönnies-Schlachthof in Rheda wieder hochgefahren werden müssen, ist klar. Aber gerade die Kapazitätsauslastung an diesem größten deutschen Schlachtstandort ist mitentscheidend für das Ausmaß des Schweinestaus, so Staack.

 

Zollstockmentalität behindert Lösung des Schweinestaus

Wir waren und sind an so vielen Stellen eingebunden und müssen daher zu dem klaren Schluss kommen: Man will Rheda nicht hochfahren lassen – aus politischen Gründen. Natürlich messen auch wir dem Arbeits- und Infektionsschutz höchste Bedeutung zu, aber unser Eindruck ist: Mithilfe einer überbordenden behördlichen Zollstockmentalität sucht man penibel immer weitere Gründe, damit der Schlachthof nicht weiter hochfahren kann. Anders ist dieser lange Zeitraum nicht mehr zu erklären., so der ISN-Geschäftsführer. Und das hat fatale Folgen, ISN-Marktanalyst Klaus Kessing fasst die Lage so zusammen: Zwar konnten die Schlachtmengen bei anderen Schlachtbetrieben wieder etwas hochgefahren werden, dennoch reichen die deutschlandweiten Kapazitäten noch immer nicht aus, um das Angebot an Schlachtschweinen, das jede Woche neu hinzukommt, zu bewältigen. Der Berg an angestauten Schweinen wächst zwar langsamer, aber er wächst noch immer deutlich.

 

Weihnachten drohen 1 Million Schweine in der Warteschleife

Die Notlage ist schon heute auf vielen schweinehaltenden Betrieben kaum noch zu ertragen. Und spätestens zu Weihnachten droht die nächste Eskalationsstufe, wenn nicht sofort gegengesteuert wird, skizziert Staack die Lage. Dazu erläutert Marktexperte Kessing: Schon in normalen Jahren baut sich aufgrund der eingeschränkten Schlachtungen an den Feiertagen ein Überhang auf, der bis in den späten Januar abgebaut werden muss. Dabei werden schon in normalen Jahren Schweineschlachtungen in die Tage vor Weihnachten vorgezogen, um die Situation etwas zu entzerren. Dies ist angesichts der aktuell verfügbaren Schlachtkapazitäten in diesem Jahr nicht möglich. Dementsprechend wird die Zahl der angestauten Schweine über Weihnachten und den Jahreswechsel geradezu explodieren.

 

Problem ist lösbar, wenn man nur will

Um diesem Katastrophenszenario in den schweinehaltenden Betrieben zu entgehen, muss nun sofort und wirkungsvoll gehandelt werden. Die wirkungsvollste Maßnahme ist in diesem Zusammenhang die - unter Berücksichtigung des Infektionsschutzes - höchstmögliche Auslastung aller Schlachtkapazitäten in Deutschland und ganz besonders auch in Rheda. Allein hier sind noch Kapazitäten für etwa 40.000 Schweine pro Woche verfügbar. Um die Mitarbeiter an den Schlachthöfen aber nicht zu überlasten, braucht es neben der vorübergehenden Flexibilisierung der Arbeitszeiten, durch verlängerte Schichten und teilweise die Arbeit an Sonn- und Feiertagen aber weitere Hilfsmaßnahmen. Ähnlich wie im Frühjahr bei der Rekrutierung von Erntehelfern zum Spargelstechen muss es von Seiten der Politik kurzfristige Initiativen geben, um das latente Personalproblem an den Schlachthöfen zu lösen. Das Problem ist lösbar, wenn man politisch nur will.

 


arrow_upward