09.05.2022rss_feed

Schweineschlachtungen im ersten Quartal 2022 deutlich gesunken

Die wöchentliche Schlachtzahlen zeigen den rückläufigen Trend ©ISN nach BLE

Die wöchentliche Schlachtzahlen zeigen den rückläufigen Trend ©ISN nach BLE

Im ersten Quartal diesen Jahres wurden laut Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) in Deutschland rund 10 % weniger Schweine geschlachtet als im Vorjahreszeitraum. Die Schweinefleischerzeugung sank sogar um 11,6 %, weil gleichzeitig die Schlachtgewichte deutlich niedriger waren. Hintergrund des geringeren Schlachtviehaufkommens war der sich auflösende Schweinestau mit höheren Schlachtmengen im vergangenen Jahr, aber insbesondere auch die drastisch zurückgehenden Schweinebestände in Deutschland.

ISN: Die erneut gesunkenen Schlachtungen spiegeln einmal mehr die dramatische Strukturkrise in der Schweinehaltung deutlich wider. Wenig verwunderlich, denn seit zwei Jahren hält die existenzbedrohende Verlustphase in den Mast- und Ferkelerzeugerbetrieben an.

 

10 % weniger Schweine geschlachtet

Nach Angaben von Destatis kamen von Januar bis März 2022 bundesweit insgesamt 12,08 Millionen Schweine an die Haken; das waren gut 1,34 Millionen oder 10,0 % weniger als im ersten Quartal 2021. Die Schweinefleischerzeugung nahm wegen des um 1,7 kg auf 95,5 kg je Schwein gesunkenen durchschnittlichen Schlachtgewichts sogar um 11,6 % auf 1,15 Mio. t ab. Anfang des vergangenen Jahres waren viele Schlachtschweine aufgrund des Schweinestaus verzögert ins Schlachthaus gekommen und hatten ein höheres Gewicht. Zudem dürften die aktuell hohen Futterkosten abnehmende Schlachtgewichte bewirken, berichtet Agra Europe (AgE).

 

Heimisches Angebot deutlich zurückgegangen

Der Rückgang des Schlachtviehaufkommens ist neben dem Abbau des Schweinestaus im vergangenen Jahr maßgeblich auf das deutlich kleinere Inlandsangebot zurückzuführen. Die Schlachtungen von Schweinen aus heimischen Ställen brachen gegenüber dem ersten Quartal 2021 um 1,34 Millionen Tiere oder 10,2 % auf 11,78 Millionen Stück ein. Auch das Aufkommen ausländischer Schweine zur Schlachtung in Deutschland verringerte sich weiter. Den Statistikern zufolge sank das Auslandsangebot im Vergleich zu den ersten drei Monaten 2021 um 2,0 % auf 304.490 Tiere. Im vergangenen Jahr war im Vergleich zum Vorjahresquartal 2020 ein starker Rückgang bei den Auslandsschweinen von 61 % festzustellen, das inländische Angebot verringerte sich nur um 0,6 %.

 

Die ISN meint:

Auch wenn man bei der Bewertung der Schlachtzahlen und Schlachtgewichte die Verzerrungen durch den Abbau des Corona-bedingte Schweinestaus Anfang letzten Jahres und das damit verbundene höhere Schlachtaufkommen berücksichtigen muss, spiegeln die drastisch gesunkenen Schlachtungen die dramatische Strukturkrise in der Schweinehaltung dennoch deutlich wider.

Die Schweinehaltung in Deutschland verzeichnet einen nie dagewesenen Rückgang. Wenig verwunderlich, denn seit zwei Jahren hält die existenzbedrohende Verlustphase in den Mast- und Ferkelerzeugerbetrieben bereits an. Der Schweinepreis ist insbesondere auch angesichts der extrem gestiegenen Erzeugerkosten katastrophal niedrig und ist von einem kostendeckenden Niveau weit entfernt. Darüber hinaus mangelt es, abgesehen davon, dass an Investitionen aktuell so oder so nicht zu denken ist, an Planungssicherheit und es gibt keine klare Perspektive für die Weiterentwicklung der Schweinehaltung.

Damit nicht noch mehr Betriebe aus der Schweinehaltung aussteigen und die heimische Versorgung mit Schweinfleisch weiter wegbricht, ist es wichtiges denn je, dass Fleisch aus Deutschland endlich Vorfahrt in Deutschland bekommt und die Bundesregierung hierzulande eine Herkunftskennzeichnung bei allen Schweinefleischprodukten und auf allen Absatzwegen verpflichtend einführt.


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