08.09.2021

Schweinepreis unverändert niedrig – Proteste für heimische Produkte und Standards

Katastrophale Lage für Schweinehalter - Mit jedem Schwein gehen in der Ferkelerzeugung und Mast zusammen inzwischen 60 bis 70 € verloren

Katastrophale Lage für Schweinehalter - Mit jedem Schwein gehen in der Ferkelerzeugung und Mast zusammen inzwischen 60 bis 70 € verloren

Der VEZG-Preis ist beim niedrigen Niveau von1,25 €/kg Schlachtgewicht stehen geblieben. Die finanzielle Notlage der Schweinehalter verschlimmert sich weiter. Die Bauernproteste für heimische Produkte und Standards nehmen weiter an Fahrt auf.

 

Auch wenn die Notierung für Schlachtschweine heute nicht weiter gefallen ist, ist das angesichts des katastrophal niedrigen Niveaus von 1,25 € je kg Schlachtgewicht und 20 € je Ferkel bei gleichzeitig hohem Kostendruck alles andere als ein Grund zur Freude. Im Gegenteil, mit jedem Schwein, welches erzeugt wird, gehen in der Ferkelerzeugung und Mast zusammen inzwischen 60 bis 70 € verloren. Das kann Niemand lange durchhalten. Die finanzielle Notlage auf den Betrieben spitzt sich täglich immer weiter zu.

 


LSV NRW demonstriert heute vor der Zentrale von Aldi Süd in Mühlheim (©Screenshot Twitter LSV NRW)

LSV NRW demonstriert heute vor der Zentrale von Aldi Süd in Mühlheim (©Screenshot Twitter LSV NRW)

Verständliche Bauernproteste

Vor dem Hintergrund der desaströsen Erlössituation verlagert sich der enorme Druck nun immer stärker auf die Straße. Protestaktionen von Bauern nehmen nun – trotz verschiedener Dialogformate, die nach den letzten Bauernprotesten im vergangenen Jahr ins Leben gerufen worden waren - wieder deutlich an Fahrt auf. So demonstrieren heute beispielsweise Landwirte unter der Organisation des Vereins LSV NRW vor der Zentrale von Aldi Süd in Mühlheim. Bei der Kundgebung, die laut Pressemeldung des Vereins stellvertretend für alle Lebensmitteleinzelhändler vor den Toren der Aldi-Zentrale stattfindet, wird gefordert, die hohen deutschen Standards bei der Preisgestaltung zu berücksichtigen. Ein klares Bekenntnis zur heimischen Produktion (5 mal D) abzugeben, wäre ein beispielsweise ein deutliches Zeichen, heißt es in der PM. Wie sollen wir unsere Ställe umbauen, wenn die jetzigen Erlöse nicht einmal die Kosten decken? fragt LSV NRW mit Bezug auf die Ankündigung von Aldi, zukünftig beim Frischfleisch nur noch Fleisch von Tieren aus der Haltungsform 3 und 4 verkaufen zu wollen. 

 

 

Die ISN meint:

Vorfahrt für deutsches Schweinefleisch – genau das fordern auch wir. Ebenso wie auch die Einhaltung deutscher Standards auf allen Vertriebskanälen. Denn in der aktuellen Situation brauchen wir mehr denn je Absatz und verkaufsfördernde Werbemaßnahmen für deutsches Schweinefleisch. Allerdings: Im Lebensmitteleinzelhandel(LEH) speziell beim Frischfleisch passiert hier schon Einiges und verschiedene Händler – u.a. auch Aldi - haben bereits zugesagt, hier noch mehr zu tun.

Auch wenn die Zentrale von Aldi Süd nach Angabe des LSV stellvertretend für den LEH als Kundgebungsstandort mögen sich viele fragen: warum Aldi? – hat das Unternehmen doch in jüngster Zeit durch verschiedene Ankündigungen und einem vollmundigen Bekenntnis zur deutschen Herkunft reagiert. Das ist richtig, aber diese Ankündigungen bleiben in vielen Bereichen nebulös. So ist zum einen völlig unklar, wie die deutschen Schweinehalter angesichts der finanziellen Krise und auch der bekannten Genehmigungshürden das Aldi-Tierwohlversprechen (zukünftig nur noch Fleisch der Haltungsstufen 3 und  4 zu vermarkten) überhaupt umsetzen sollen. Und auch das Aldi-Bekenntnis zur deutschen Herkunft bleibt vage. Zum einen bleibt die Ferkelerzeugung weiter unberücksichtigt und zum anderen bezieht sich das Bekenntnis nur auf das Frischfleisch-Segment. Der bedeutende Teil der Verarbeitungsware (z.B. Wurst) bleibt bislang außen vor. Aber gerade hier brauchen wir – durchgehend im deutschen Lebensmittelhandel – ein klares Bekenntnis zum deutschen Schweinefleisch und den deutschen Standards. Ganz eklatant wird es aber noch immer Großhandel und Außer-Haus-Verzehr. Hier ist nach wie vor allzu oft der Preis wichtiger als die deutsche Herkunft und insbesondere die deutschen Standards. Bezeichnend ist es auch, wenn Großhändler wie zum Beispiel die Metro-Gruppe nicht einmal bei der Initiative Tierwohl mitmachen. Auch im Großhandel und Außer-Haus-Verzehr müssen deutsche Erzeugerstandards selbstverständlich sein – auch hier muss es schnell Vorfahrt für deutsches Schweinefleisch geben! Deshalb wird es auch bei diesen Handelsakteuren sicherlich bald besonders intensiven landwirtschaftlichen Besuch geben.