08.01.2021rss_feed

Schweinemarkt startet mit großem Überhang ins neue Jahr – Ferkelnotierung zieht an

Der Schweinestau fällt nach den Feiertagen höher aus als erwartet. Dennoch sollten die Anpassungsreaktionen der Landwirte in den nächsten Wochen ihre Wirkung zeigen, sodass sich der Abbau des Überhangs nun schneller gestaltet.
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Der Schweinestau fällt nach den Feiertagen höher aus als erwartet. Dennoch sollten die Anpassungsreaktionen der Landwirte in den nächsten Wochen ihre Wirkung zeigen, sodass sich der Abbau des Überhangs nun schneller gestaltet.

Der Anstieg des Überhangs am Schlachtschweinemarkt über die Feiertage fällt deutlicher aus als erwartet. Gut 1 Million Schlachtschweine stehen damit zu Jahresbeginn in der Warteschleife. Eine weitere Verschärfung bedeutet das aber nicht: Zuletzt wurden vermehrt überschwere Schweine geschlachtet und die Ferkelnotierung zieht wieder an. Kurzum: Das zurückpendelnde Lebendangebot, bereits sichtbar u.a. an seit Monaten niedrigen Ferkelimporten, dürfte in den nächsten Wochen kontinuierlich zur Marktentspannung beitragen. Durch die ebenfalls erhöhten Sauenschlachtungen wird das Angebot im weiteren Verlauf noch stärker zurückgehen.

 

Dass der Überhang an Schlachtschweinen über die Feiertage – wie in jedem Jahr – deutlich ansteigen würde, war abzusehen. Die Höhe des Anstiegs ist jedoch etwas überraschend. Vor Weihnachten sah es so aus, als könnte man durchaus unter der 1 Mio.-Marke bleiben. Die amtlichen Schlachtzahlen der vergangenen Kalenderwochen 52 und 53 deuten aber darauf hin, dass sich mittlerweile mehr als 1 Mio. schlachtreife Schweine in der Warteschlange befinden. Eine exakte Bezifferung kann erst in der nächsten Woche erfolgen, da sich in den Zahlen des Landesamtes NRW ein Fehler eingeschlichen hat, der zunächst korrigiert werden muss. In welcher Form sich der Fehler auf die Zahlen zum Schweinestau auswirkt, lässt sich derzeit nicht genau abschätzen.  

Die entfallenen Schlachttage rund um Weihnachten konnten auch mit dem zusätzlichen Schlachttag am Sonntag, den 27.12.20 nicht kompensiert werden. Auch das zu den Feiertagen die Heimatländer abgereiste Schlachthofpersonal hinterließ Lücken bei den Schlachtmöglichkeiten. Sicherlich haben auch die gesetzlich notwendigen Umstellungen der Anstellungsverhältnisse zum Jahresbeginn einige Verschiebungen bewirkt. Zusammengefasst ist es in anderen Jahren besser gelungen, die Kapazitäten über die Feiertage zu Weihnachten und über den Jahreswechsel aufrecht zu erhalten. Auch die kurz vor Weihnachten eingeleiteten Verschärfungen beim Lockdown haben sich negativ auf den Absatz am Schweinefleischmarkt ausgewirkt. So blieben einige Unternehmen deutlich hinter ihren Schlachtmöglichkeiten zurück.

 

Schnellerer Abbau des Überhangs innerhalb des ersten Quartals

Trotz des großen Überhangs hat sich der bereits zuvor hohe Druck am Schweinemarkt zu Jahresbeginn erkennbar nicht weiter erhöht. Durch die vorausschauende Disposition rund um die Feiertage werden die Schweine kontinuierlich nach der aktuellen Gewichtsentwicklung geschlachtet. Zudem werden Tierschutzprobleme dadurch verhindert, dass der Druck durch nachrückende Ferkel bei einem kleineren Ferkelangebot deutlich reduziert wurde. So gibt es auf dem Ferkelmarkt aufgrund der Anpassungsreaktionen der landwirtschaftlichen Betriebe inzwischen keinen Ferkelstau mehr in dem Ausmaß, wie wir es bei den Schlachtschweinen sehen. Mit dem nun schon seit Monaten abnehmenden Angebot an Ferkeln entspannt sich die Situation und bereitet weniger Platzprobleme in den Ställen als noch vor Weihnachten. In der VEZG-Ferkelnotierung äußerte sich dies heute in einem Plus von einem Euro je Ferkel. Auch auf dem Schlachtschweinemarkt sollten die Anpassungsreaktionen in den nächsten Wochen ihre Wirkung zeigen. Zeitversetzt kommt das zurückpendelnde Angebot dann auch an den Schlachthaken an. Seit September wurden wöchentlich ca. 40.000 Ferkel weniger aus den Niederlanden und Dänemark importiert – das heißt in der Summe mindestens 400.000 Ferkel, die weniger aufgestallt wurden. Um mindestens die gleiche Größenordnung dürfte auch das inländische Ferkelangebot durch die Betriebsaufgaben und Bestandsreduktionen deutscher Sauenhalter zurückgehen. Denn bereits seit dem späten Sommer liegt die Zahl der Sauenschlachtungen ca. 20-30 % höher als üblich.


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