12.10.2021

Schlachtzahlen bei Schweinen im August weiter rückläufig

©Canva

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Die Schweineschlachtungen in Deutschland waren auch im August gegenüber dem Vorjahresmonat klar rückläufig. Die Zahl der inländischen Schweine, die geschlachtet wurden, hat dabei auf den ersten Blick nur geringfügig abgenommen.

ISN: In der Betrachtung der Zahlen muss beachtet werden, dass sich die Schlachtungen durch den Corona-bedingten Schweinestau erheblich nach hinten verschoben haben. Dadurch spiegeln die Schlachtzahlen von Januar bis August 2021 den tatsächlichen Rückgang der Tierzahlen in Deutschland nicht angemessen wider, obwohl die Schweinebestände derzeit so stark wie selten zuvor abgebaut werden.

 

Schlachtaufkommen gegenüber 2019 um 5,3% gesunken

Wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hervorgeht, kamen im August mit knapp 4,22 Millionen Schweinen 194.300 oder 4,4 % Tiere weniger an die Haken der Fleischproduzenten als im Vorjahr. In den ersten acht Monaten dieses Jahres ist das Schlachtaufkommen gegenüber der Vorjahresperiode um rund 1 Million Tiere oder 2,8 % auf 34,51 Millionen Schweine gesunken. Nimmt man das Vor-Corona-Jahr 2019 als Maßstab, wurden 1,92 Millionen oder 5,3 % weniger Schweine verarbeitet. Die Schweinefleischerzeugung war gegenüber Januar bis August 2020 aufgrund höherer Schlachtgewichte nur um 2,0 % auf 3,32 Mio. t rückläufig, berichtet Agra Europe (AgE).

 

Weniger Schweine aus EU-Nachbarländern geschlachtet

Der Rückgang der hiesigen Schweineschlachtungen ist weiterhin klar auf das geringere Angebot von Schweinen aus den EU-Nachbarländern zurückzuführen. Dieses fiel im Vorjahresvergleich mit nur noch 822.300 Tieren um 964.100 Stück oder 54,0 % kleiner aus als in den ersten acht Monaten 2020. Die Schlachtungen von Schweinen aus deutschen Ställen nahmen dagegen nur um 36.700 Stück beziehungsweise 0,1 % auf 33,69 Millionen Tiere ab. Die meisten Schweine wurden mit 11,43 Millionen Stück in Niedersachsen geschlachtet, knapp vor Nordrhein-Westfalen mit 11,32 Millionen Tieren.

 

Die ISN meint:

Bei der Betrachtung der Zahlen ist Vorsicht geboten, weil sich die Schlachtungen durch den Schweinestau erheblich verschoben haben. Aus den konstanten Schlachtzahlen inländischer Schweine zwischen Januar und August könnte man den Schluss ziehen, dass wir in Deutschland noch genauso viele Schweine wie vor einem Jahr halten. Das wäre aber falsch.

Dass die Zahl der inländischen Schlachtungen in der Statistik konstant geblieben ist, liegt lediglich daran, dass im Januar und Februar der riesige Schweinestau beseitigt werden musste, kommentiert ISN-Marktanalyst Klaus Kessing die Zahlen. Nach den Feiertagen stauten sich statt der üblichen 300.000-400.000 Tiere in diesem Jahr nach unseren Berechnungen mehr als 1 Mio. Schweine in den Ställen. Diese zusätzlichen 600.000-700.000 Schweine fallen nun in die Schlachtstatistik dieses Jahres und heben die Zahl der inländischen Schlachtungen so stark an, dass der Angebotsrückgang an nachwachsenden Tieren verschleiert wird. Die Schlachtzahlen an inländischen Tieren fielen im Juli und August bereits etwa 3 % geringer aus als im Vorjahr. Ein Vergleich mit dem Vorjahr ist allerdings nur sehr eingeschränkt möglich. Im Vergleich zum Juli bzw. August 2019 war es ein Minus von 5 – 6 %. In den nächsten Monaten dürfte sich noch stärker bemerkbar machen, dass die Schweinebestände im Inland deutlich zurückgegangen sind. Bei der letzten Viehzählung im Mai wurden 3,1 % weniger Schweine als noch im Mai 2020 gezählt. Bei den Sauen betrug der Rückgang sogar 7,8 %.