29.07.2021

Schlachtschweinepreise: VEZG-Notierung stabil – Aber große Schlachter zahlen deutlich niedrigere Hauspreise

Die VEZG-Notierung konnte sich diese Woche stabil halten, die großen Schlachter reagierten mit deutlich niedrigeren Hauspreisen. ©ISN/Canva

Die VEZG-Notierung konnte sich diese Woche stabil halten, die großen Schlachter reagierten mit deutlich niedrigeren Hauspreisen. ©ISN/Canva

Seit Wochen gestaltet sich die Preisfindung am Schlachtschweinemarkt außerordentlich schwierig. Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) ließ den Preis gestern unverändert bei 1,42 €/kg SG. Von den großen Schlachtunternehmen werden für nicht vertragsgebundene Schweine trotzdem Hauspreise gezahlt, die mit 1,35 € deutlich darunter liegen.

ISN: Es ist ein Unding, dass die Schlachtunternehmen von der Bezahlung in Anlehnung an die VEZG-Notierung abweichen. Bei diesen Preisen bleibt die deutsche Schweineerzeugung auf der Strecke. Die ständige Preisdrückerei muss sofort ein Ende haben. Wenn man es jetzt nicht einmal schafft, auskömmliche Preise für Schweine aus den Haltungsstufen 1 und 2 zu zahlen, erscheinen Forderungen der Einzelhändler zur Umstellung auf die Haltungsformen 3 und 4 wie ein schlechter Witz.

 

Am deutschen Schlachtschweinemarkt befinden sich sowohl das Angebot als auch die Nachfrage momentan auf einem sehr niedrigen Niveau. Das Angebot an schlachtreifen Schweinen ist so gering wie zuletzt 2007, saisonal bedingt kommen Ende Juli weniger Tiere als sonst auf den Markt. In den letzten fünf Wochen lagen die Schlachtzahlen von Schweinen in Deutschland rund 10 % niedriger als im entsprechenden Zeitraum vor zwei Jahren (2020 ist wegen der Schlachthofschließung in Rheda-Wiedenbrück nicht vergleichbar). Einen solch großen Angebotsrückgang in so kurzer Zeit hat es in den vergangenen 30 Jahren noch nie gegeben.

Gleichzeitig fehlt allerdings auch die Fleischnachfrage in erheblichem Maße. Auf Seiten der Schlacht­unternehmen wird seit Wochen der schwierige Fleischabsatz beklagt. Weil den exportorientierten Nationen, wie Spanien, aber auch den Niederlanden oder Dänemark, nicht mehr so umfangreiche Bestellungen aus China vorliegen, ist der EU-Markt reichlich mit Schweinefleisch versorgt. Dement­sprechend schwierig gestaltet sich der Fleischhandel. Daran können auch Impulse aus der Gastronomie nur wenig ändern.

 

Schlachter zahlen weniger als Notierungspreis

Insgesamt beklagen viele Schlachtunternehmen ihre schwindenden Margen und drängen massiv auf Preissenkungen für Schlachtschweine. Bei der gestrigen Notierungsfindung konnte sich die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh- und Fleisch (VEZG) erfolgreich gegen weitere Preisrückgänge stemmen. Das niedrige verfügbare Angebot war dafür ausschlaggebend, denn schlachtreife Schweine lassen sich mit kleineren regionalen Unterschieden zumeist ohne größere Probleme vermarkten. So blieb der Schweinepreis bei 1,42 €/kg SG stehen. Seitens der großen Schlachtunternehmen wird das aktuelle Notierungsniveau jedoch nicht akzeptiert, sondern es werden Hauspreise von 1,35 €/kg SG für freie (d.h. für vertraglich ungebundene) Schweine gezahlt. Bei vertraglich gebundenen Schweinen haben sich die meisten Schlachtunternehmen jedoch vertraglich zur VEZG-Notierung als Preisbasis verpflichtet.

 

Massive Verluste für Schweinehalter

Die Mindererlöse durch Hauspreise sind für die deutschen Schweinehalter ein weiterer Schlag ins Gesicht, denn schon seit Monaten kämpfen die Betriebe um ihr wirtschaftliches Überleben. Schon seit dem vergangenen Jahr befinden sich die Schweinepreise unterhalb eines kostendeckenden Niveaus. Zusätzlich kamen enorme Preisanstiege, z. B. für Futter um etwa 25 % hinzu. Die Verluste nehmen damit immer drastischere Ausmaße an – mittlerweile dürften es mehr als 40 Euro an jedem Schwein sein.

Auch die Ferkelerzeuger sind stark betroffen. Die Einstallbereitschaft der Mäster war angesichts niedriger Schweinepreise ohnehin schon gering, zusätzlich halten sich jetzt noch weitere Mäster wegen der Unsicherheit durch die ASP-Fälle bei Hausschweinen in Deutschland mit Ferkelkäufen zurück. So befinden sich auch die Ferkelpreise auf einem desaströsen Niveau von 36,00 €, auf dem keine kostendeckende Ferkelerzeugung möglich ist.

 

Die ISN meint:

Es ist ein Unding, dass die Schlachtunternehmen erneut von der Bezahlung in Anlehnung an die VEZG-Notierung abweichen. Von dem immer wieder beschworenen partnerschaftlichen Verhalten ist keine Spur zu erkennen. Sowohl Schlachtunternehmen als auch LEH nutzen derzeit ihre Marktmacht gnadenlos aus, indem sie nun schon seit Wochen größtmöglichen Preisdruck ausüben, sobald sich auch nur die kleinste Möglichkeit dazu ergibt. Wenn ihnen die deutschen Schweinehaltung wichtig ist, dann ist es jetzt spätestens an der Zeit, das auch beim Schweinepreis zu zeigen.  

ISN-Marktanalyst Klaus Kessing kommentiert dies: Natürlich sind wir uns der schwierigen Situation am europäischen Fleischmarkt bewusst, aber der Schaden, der durch die aktuelle Preispolitik in der deutschen Landwirtschaft angerichtet wird, ist dramatisch. Die Zahl der Betriebsaufgaben ist bereits katastrophal hoch und angesichts der niedrigen Schweine- und Ferkelpreise bei gleichzeitig stark gestiegenen Kosten ist eine noch drastischere Entwicklung zu befürchten.

Ergänzend fügt er hinzu: Wenn es preislich so weitergeht, bleibt die deutsche Schweineerzeugung auf der Strecke. Und bei den Betrieben, die am Ende noch überleben, ist an einen Umbau zu höheren Haltungsstufen überhaupt nicht zu denken – das Geld für diese enormen Investitionen fehlt schlicht und einfach. Wenn man es jetzt nicht einmal schafft auskömmliche Preise für Schweine aus den Haltungsstufen 1 und 2 zu zahlen, erscheinen Forderungen der Einzelhändler zur Umstellung auf die Haltungsformen 3 und 4 wie ein schlechter Witz. Abschließend stellt er fest: Die Forderungen an die deutsche Schweinehaltung passen vorne und hinten nicht mit der wirtschaftlichen Realität auf den Betrieben zusammen. Die ständige Preisdrückerei ist völlig inakzeptabel und muss sofort ein Ende haben! Ich frage mich, wie die Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels und die Schlachtunternehmen so verantwortungslos mit ihren angeblichen Partnern umgehen können. Wer seine Partner in dieser schwierigen Phase hängen lässt, wird seine Ziele niemals erreichen können.