19.03.2021rss_feed

Schlachter treten auf die Preisbremse

Preiskurve KW11

Nach vier Preisanstiegen in den vergangenen Wochen ist die Schweinepreisnotierung am Mittwoch bei 1,50 € / kg SG stehen geblieben. Für viele kam dies überraschend, denn die Stimmung am Schweinemarkt war durchweg freundlich. Die großen Schlachter haben einen weiteren Preisanstieg ausgebremst.

 

Der unerwartete Stopp der Aufwärtsbewegung ist vor allem auf die Signale der großen Schlachtunternehmen gegen weitere Preissteigerungen zurückzuführen. Im Vorfeld der Notierungsfindung wurden kurzfristig die angefragten Mengen bei den Viehvermarkter gekürzt, um Druck aufzubauen. Das Tempo der Preissteigerungen am Schweinemarkt war den Schlachtunternehmen scheinbar zu hoch, obwohl es ihnen in den letzten Wochen recht gut gelungen ist, die Preissteigerungen am Schlachtschweinemarkt über den Fleischmarkt weiterzugeben. Daher traten sie nun spürbar auf Bremse.

 

Eigentor der Schlachtbranche?

Der kurzfristige Affront der Schlachtbranche in Richtung Erzeuger und Viehvermarkter könnte sich jedoch noch als Eigentor herausstellen, denn grundsätzlich ändert sich die knappe Angebotssituation nicht. In den nächsten Wochen und Monaten kommen infolge der Anpassungsreaktionen während des Schweinestaus schätzungsweise 5-6 % weniger Schlachtschweine als im Vorjahr auf den Markt. Sollten die deutschen Schlachtschweinepreise im europäischen Umfeld auf Dauer nicht wettbewerbsfähig sein, dürften die Rückgänge noch höher ausfallen und der Rohstoff für die Schlachter noch knapper werden. Die Lösung kann nur sein, dass die Schweinepreise nachhaltig ein höheres Niveau erreichen müssen, denn mit 1,50 € / kg SG kommen die Schweinehalter finanziell nicht klar. Für die Sauenhalter sind 51 € pro Ferkel bei gestiegenen Futterkosten zu wenig und die Mäster haben bei diesen Preisen keine Chance, kostendeckend zu wirtschaften.

 

Kann der Schweinepreis seine Aufholjagd fortsetzen?

Einerseits ist durch Nachfrageimpulse durch das Ostergeschäft zu rechnen. Andererseits schwinden die Hoffnungen auf eine baldige Wiederöffnung der Gastronomie. Im Hinblick auf das Grillgeschäft lässt sich aktuell sagen: Es bestehen Chancen auf einige sonnige Tage mit Temperatursteigerungen, noch ist das Grillgeschäft aber nicht richtig angelaufen. Damit der Schweinepreis die Aufholjagd wieder aufnehmen kann, werden trotz des kleinen Angebots an Schlachtschweinen weitere Nachfrageimpulse benötigt.

Derweil steigen die Notierungen in anderen EU-Ländern wie Frankreich oder Spanien weiter. Besonders die Spanier können momentan von gut laufenden Exportgeschäften mit den asiatischen Ländern profitieren. Das nimmt etwas Druck vom europäischen Markt und ermöglicht teilweise höhere Preise.

Für die deutschen Unternehmen ergeben sich dadurch auch ohne Exporterlaubnis nach China einige Lücken, die sie füllen können. Die Preissteigerungen, die sich für die deutschen Unternehmen auf diesem Weg erzielen lassen, sind allerdings deutlich geringer als durch den Asienexport möglich wäre. Bemühungen um Regionalisierungsabkommen mit China, Japan oder Südkorea seitens des Bundeskanzleramtes sollten daher höchste Priorität haben. Längerfristig gilt auch hier, dass Preisnachteile der deutschen Schweinehalter die Strukturen der deutschen Schweinehaltung gefährden. Der Preisunterschied zwischen deutscher und spanischer Schweinepreisnotierung beträgt nach dem EU-Vergleich der korrigierten Schweinepreise der ISN aktuell 41 Cent!


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