09.06.2021

Lage am Schlachtschweinemarkt bessert sich stetig – Preisanstiege werden aber systematisch von den Schlachtunternehmen ausgebremst

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Die Lage am Schlachtschweinemarkt entwickelt sich zusehends positiv. Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch belässt die Notierung unverändert bei 1,57 €/kg SG, weil die Hauspreispolitik der Schlachtunternehmen möglichen Notierungsanstiegen den Wind aus den Segeln genommen hat.

ISN: Ein Notierungsanstieg wäre für Ferkelerzeuger und Schweinemäster dringend notwendig, denn gestiegene Kosten zehren seit Monaten an der Liquidität der Betriebe. Anstatt weiteren Druck auf die Erzeuger auszuüben, sollten die Schlachtunternehmen alles daran setzen, die Kosten an den Einzelhandel weiterzugeben.

 

Am Schlachtschweinemarkt zeigen sich Tag für Tag etwas freundlichere Tendenzen. Dazu trägt maßgeblich das überschaubare Angebot an schlachtreifen Schweinen bei.

Zudem werden die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie Schritt für Schritt gelockert, was weitere Nachfrageimpulse im Außer-Haus-Verzehr bedeutet. Des Weiteren bedingt das wärmere Wetter höhere Umsätze im Grillgeschäft.

Dennoch wird die positive Grundstimmung immer wieder von der Käuferseite ausgebremst. Die Schlachtunternehmen klagen über schwache Geschäfte am Fleischmarkt bei weiterhin umfangreichen Lagerbeständen und über größere Fleischmengen am EU-Binnenmarkt, weil der China-Export der umliegenden Länder nicht mehr so gut laufe.

 

Schlachtunternehmen bremsen Notierungsanstiege taktisch aus

Unter dem Deckmantel der oben angeführten Argumente versuchten die Top-3-Schlachtunternehmen in der letzten Woche kurzzeitig mit Hauspreisen den Markt zu verunsichern. Letztlich konnten sich diese am Markt aber nicht durchsetzen - auch wegen der knapp verfügbaren Mengen an schlachtreifen Schweinen.

Dementsprechend wurde heute von der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch erneut ein Preis von 1,57 €/kg SG notiert.

 

Die ISN meint:

Bei der Verunsicherungstaktik der Schlachtunternehmen in der letzten Woche drängte sich die Vermutung auf, dass mit den Hauspreisen ein weiteres Druckmittel gezogen wird, um noch nicht gebundene freie Schweine in feste Lieferverträge zu drängen. Denn genau diese freien Schweine werden mit den Hauspreisen getroffen und nicht die Schweine, deren Abrechnungsbasis im Rahmen der Lieferverträge der VEZG-Preis ist, kommentiert ISW-Geschäftsführer Matthias Quaing. Außerdem sollte den zu erwartenden Preissteigerungen vorsorglich der Wind aus den Segeln genommen werden – das ist ein Unding, ergänzt er.

Vorerst dürften die Hauspreise nun vom Tisch sein, jedoch konnte die Verunsicherungstaktik der Schlachtunternehmen einen möglichen Notierungsanstieg in dieser Woche verhindern. Ein entsprechender Notierungsanstieg wäre für Ferkelerzeuger und Schweinemäster dringend notwendig, denn gestiegene Kosten – vor allem für Futter – zehren seit Monaten an der Liquidität der Betriebe, kommentiert ISN-Marktanalyst Klaus Kessing die Lage. Entsprechend groß ist der Unmut vieler Schweinehalter.

Anstatt weiteren Druck auf die Erzeuger auszuüben, sollten die Schlachtunternehmen alles daran setzen, die Kosten an den Einzelhandel weiterzugeben. Schweinemäster und Ferkelerzeuger haben stark unter den niedrigen Preisen gelitten, die Lebensmitteleinzelhändler dagegen haben stark von der Corona-Krise profitiert und riesige Rekordgewinne eingefahren, so Kessing.