18.08.2021

Preisverfall am Schweinemarkt – Lebensmittelhandel enttarnt eigene Doppelmoral

Preisverfall am Schweinemarkt – Lebensmittelhandel enttarnt eigene Doppelmoral ©EDEKA Foodservice, Metro, Canva

Preisverfall am Schweinemarkt – Lebensmittelhandel enttarnt eigene Doppelmoral ©EDEKA Foodservice, Metro, Canva

Mit dem heutigen Rückgang der Notierung für Schlachtschweine verschärft sich die ohnehin schon schwierige Situation für die Schweinehalter noch weiter. Währenddessen zeigt der Handel sein wahres Gesicht. Auf der einen Seite wird die Unterstützung der heimischen Fleischproduktion in Werbeprospekten angepriesen, andererseits wird im Großhandel ausländische Ware zu deutlich niedrigeren Preisen verkauft.

ISN: Das stinkt zum Himmel! Wenn die Handelshäuser tatsächlich zu ihren Beteuerungen stehen, dann müssen sie solche Angebote konsequent auslisten und ausschließlich auf heimische Erzeugung setzen! Und zwar konzernweit und für alle Marktsegmente.

 

Die ohnehin schon schwierige Situation am Schlachtschweinemarkt verschärft sich noch weiter. Heute fiel die Notierung für Schlachtschweine um weitere 7 Cent auf 1,30 €/kg SG. Gleichzeitig sind die Futtermittelpreise extrem angestiegen - mit weiter steigender Tendenz.

Die Verluste an jedem verkauften Schwein bzw. jedem verkauften Ferkel erreichen damit katastrophale Dimensionen und das, obwohl das Angebot an Schlachtschweinen so gering ist wie zuletzt 2007, verdeutlicht ISN-Marktanalyst Klaus Kessing das Ausmaß der Lage. In den vergangenen Jahren wurden die Schweinebestände in hohem Tempo abgebaut und besonders während des letzten Jahres hat sich diese Entwicklung noch einmal deutlich beschleunigt. Die Sauenbestände nahmen innerhalb eines Jahres um 8,3 % ab. Einen so starken Rückgang in so kurzer Zeit hat es seit Beginn der Viehzählung 1973 noch nie gegeben. Auch die Importe von Ferkeln nahmen im 1. Halbjahr 2021 im Vergleich zum 1. Halbjahr 2020 um 17,3 % ab. Insgesamt führte das zu 8,8 % niedrigeren Schlachtzahlen in den vergangenen 5 Wochen verglichen mit dem gleichen Zeitraum im Jahr 2019 (2020 ist wegen der starken Kapazitätseinschränkungen nach Corona-Fällen in einigen Schlachthöfen nicht vergleichbar).


EDEKA Foodservice ist eine bedeutende Tochtergesellschaft der EDEKA ©Screenshot https://edeka-foodservice.de/ueber-uns

EDEKA Foodservice ist eine bedeutende Tochtergesellschaft der EDEKA ©Screenshot https://edeka-foodservice.de/ueber-uns

Andere Maßstäbe im Großhandel?

Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel muss in der aktuellen Krise endlich seiner Verantwortung gerecht werden. Wer morgen Schweinefleisch aus heimischer Produktion aus den Haltungsstufen 3 und 4 will, der muss heute schon in Gänze auf heimisches Schweinefleisch der Stufen 1 und 2 setzen und dieses ordentlich bezahlen. Auf Handelsseite wird man zwar nicht müde darauf hinzuweisen, dass man an der Seite der deutschen Landwirte stehe und die heimische Produktion unterstütze. Auf der anderen Seite zeigt der Lebensmittelhandel jedoch ganz aktuell wieder sein wahres Gesicht, wie zuletzt bei der Edeka-Foodservice oder der Metro. Hier wird spanisches oder sogar chilenisches Schweinefleisch neben deutscher Ware zu deutlich niedrigeren Preisen angeboten – und hier handelt es sich mit Sicherheit nicht um Spezialitäten, die am deutschen Markt nicht zu bekommen wären.


Screenshot Fleischangebot Metro ©https://produkte.metro.de/shop/search?q=schweinefilet

Screenshot Fleischangebot Metro ©https://produkte.metro.de/shop/search?q=schweinefilet

Preisdruck durch die Hintertür!

Dieses Handelsgebaren ist einfach nur beschämend, denn es hat gleich einen doppelt negativen Effekt für die hiesigen Schweinehalter. Zum einen üben genau diese Angebote erheblichen Preisdruck auf den gesamten Markt, also auch auf deutsche Ware, aus. Zum anderen fließen die angebotenen Mengen aus heimischer Produktion schlicht nicht ab, kommentiert ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. Dass der Lebensmittelhandel so agiert, obwohl bekannt ist, dass wichtige Teile des deutschen Schweinefleischabsatzes schwächeln oder fehlen, wie zum Beispiel der Außer-Haus-Verzehr bzw. der Export, macht uns wütend. Das ist das Gegenteil von Unterstützung heimischer Erzeugung, schimpft Staack.    

 

Die ISN meint:

Im Klartext: Während bei allen möglichen Dialogformaten von Seiten des Handels das Hohelied auf die deutsche Produktion gesungen wird, betreiben konzerneigene Tochtergesellschaften zeitgleich diese schändliche Preisdrückerei! Das stinkt zum Himmel! Wenn die Handelshäuser tatsächlich zu ihren Beteuerungen stehen, dann müssen sie solche Angebote konsequent auslisten und ausschließlich auf heimische Erzeugung setzen! Und zwar konzernweit und für alle Marktsegmente. Hier müssen die gleichen Maßstäbe gelten wie an der Frischetheke im Supermarkt, alles andere ist einfach nur beschämend und zeigt die verwerfliche Doppelmoral der Lebensmittelhändler!

 

Einen lesenswerten Kommentar dazu hat Marcus Arden von top agrar verfasst, dem wir nur zustimmen können.

top agrar Kommentar von Marcus Arden: Krise am Schweinemarkt: Politik und Handel, wacht endlich auf!