Preisrutsch zum Start der Grillsaison: VEZG-Notierung fällt um 10 Cent
Die Notierung für Schlachtschweine der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) fällt um 10 Cent auf 1,60 €/kg SG – ausgerechnet zu Beginn der Grillsaison. Trotz saisonal abnehmendem Angebot am Lebendmarkt sind die Schlachtunternehmen unzufrieden mit dem Absatz am Fleischmarkt. ISN: Eine Absenkung auf dem ohnehin schon nicht auskömmlichen Niveau ist zu dieser Jahreszeit ein fatales Signal für die Schweinehalter.
Im Mai sind Deutschlands Schweinehalter normalerweise in Erwartung steigender Preise – in diesem Jahr müssen sie allerdings einen herben Rückschlag hinnehmen. Die VEZG-Notierung für Schlachtschweine fiel am heutigen Mittwoch um 10 Cent auf 1,60 €/kg SG. Als Gründe nennen die Schlachtunternehmen schwache Fleischgeschäfte bei gleichzeitig gut gefüllten Lagern. Zudem sei der EU-Markt reichlich mit Ware versorgt – unter anderem wegen ASP-bedingter Handelssperren in Spanien, aber auch weil europäische Exporteure mit teils preisgünstiger Ware aus Brasilien und den USA konkurrieren müssen. Mit diesen Argumenten hatten maßgebliche Schlachtunternehmen bereits in der Vorwoche erheblichen Druck auf eine Preisabsenkung gemacht. Nun haben sie sich durchgesetzt – und das obwohl die Grillsaison in den Startlöchern steht und das Angebot am Lebendmarkt in den kommenden Wochen saisonal weiter abnehmen wird.
Schweinehalter schreiben seit Monaten rote Zahlen
Besonders bitter ist der Preisrückgang vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Lage auf den Schweinebetrieben: Die Schweinepreise liegen bereits seit vielen Monaten deutlich unterhalb der Vollkostendeckung. Bei 1,60 €/kg SG fahren Schweinemäster und Ferkelerzeuger massive Verluste ein. Nach aktueller Vollkostenrechnung wäre ein Preis von rund 2,00 €/kg SG notwendig, um die Produktionskosten von Mästern und Sauenhaltern zu decken. Die Lücke von 40 Cent je Kilogramm bedeutet für die Schweinehaltung (also sowohl für Mäster als auch für Ferkelerzeuger) erhebliche betriebswirtschaftliche Verluste.
Die ISN meint:
Marktkenner reiben sich verwundert die Augen – ein Rückgang der Schweinepreise im Mai? Es ist Grillsaison und das das Angebot an Schlachtschweinen nimmt saisonal ab. Auch in diesem Jahr ist das Angebot nicht größer als vor einem Jahr – von einem strukturellen Überangebot kann also keine Rede sein. Aber schon in der vergangenen Woche kam von Seiten der Schlachtunternehmen mächtig Druck auf dem Preiskessel – da konnte die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften noch gegenhalten. Doch mit dem Argument der feiertagsbedingt entfallenden Schlachttage im Mai wurde nun zusätzlicher Druck auf den Preis ausgeübt. Die Schweinehalter können aber nicht allein die Margenprobleme der gesamten Wertschöpfungskette lösen. Mit 1,60 €/kg SG fehlen in Ferkelerzeugung und Mast nun 40 € am Schwein. Wer die Erzeuger dauerhaft dermaßen unter Druck setzt, sägt an dem Ast, auf dem die gesamte Wertschöpfungskette sitzt.
