15.11.2021

Polen: Landwirtschaftskammern sehen großes Verbesserungspotential bei ASP-Bekämpfung

ASP in Polen (Bild ©Canva)

ASP in Polen (Bild ©Canva)

In der polnischen Landwirtschaft wächst die Unzufriedenheit mit den Maßnahmen der Europäischen Union und der eigenen Regierung gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP). In einem an Polens Landwirtschaftsminister gerichteten Schreiben, kritisiert der Rat der Landwirtschaftskammern das Vorgehen bei der Einrichtung von Restriktionszonen und mahnt eine effektivere Wildschweinbejagung an. Zur Verbesserung der Biosicherheit der schweinehaltenden Betriebe soll es ein präventives Beratungsprogramm geben, berichtet Agra Europe (AgE).

 

Kritik an Festlegung der Restriktionszonen

Der Rat der Landwirtschaftskammern, der in Polen auch die Interessen von Landwirten vertritt, kritisierte in dieser Woche in einem Schreiben an Landwirtschaftsminister Henryk Kowalczyk unter anderem die Größe der von der EU ausgewiesenen Kernzonen. Diese würden unnötigerweise nicht unmittelbar gefährdete Betriebe einschließen und sollten deshalb deutlich verkleinert werden. Auch müsse der Zeitraum zur erneuten Freigabe der Gebiete verkürzt werden.

 

Effektivere Wildschweinbejagung

Der Rat pocht zudem auf eine effektivere Bejagung des Wildschweinbestandes, der auch die Populationen in der Nähe urbaner Zentren einschließen müsse, um die Gefahr möglicher Rückzugsräume und damit Virenreservoirs in Städten zu vermindern. Plädiert wird grundsätzlich für eine bessere Abstimmung zwischen den land-, jagd- und forstwirtschaftlichen Einrichtungen.

Aus Sicht der Kammern muss auch auf die Vorschrift verzichtet werden, Tierkörper von Wildschweinfunden in Sperrzonen in Kühlhäusern zu lagern. Diese sollten besser nach Probennahme sofort vergraben werden. Bei der Treibjagd in Sperrzonen sollte zudem der bisher nicht überall zugelassene Einsatz von Hunden erlaubt werden. Ein Betretungsverbot wird vom Rat der Kammern hingegen für Pilzsammler, Touristen und andere Passanten in Sperrzonen-Wäldern gefordert, da davon auszugehen sei, dass diese oft zur Verbreitung des ASP-Virus in andere Regionen beitragen würden.

 

Biosicherheit der Betriebe verbessern

Um die Biosicherheit in den schweinehaltenden Betrieben zu verbessern, schlagen die Kammern ein präventives Beratungsprogramm vor, bei dem Fachleute die Höfe besuchen und im Bedarfsfall weitere Maßnahmen empfehlen. Getestetes Schweinefleisch aus nicht von ASP betroffenen Betrieben in Roten Zonen ist nach Einschätzung des Rates nicht gefährlicher als solches aus anderen Gegenden und sollte deshalb in der Verarbeitung nicht länger diskriminiert werden. Nötig seien auch mehr finanzielle Hilfen für die unverschuldet betroffenen Schweinehalter.