27.07.2021

Organische Materialien aus ASP-Risikogebieten nicht in den Schweinestall!

Raufutter in einer Raufe ©ISN/Jaworr

Raufutter in einer Raufe ©ISN/Jaworr

Die Märkische Oderzeitung (MOZ) berichtete gestern darüber, dass trotz der in Polen grassierenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) weiterhin Silomais aus Polen an eine Biogasanlage in Brandenburg geliefert wird. Die dortige Landwirtschaft weist zu Recht auf die Gefahr der Virusübertragung hin. Wir nehmen dies zum Anlass, insbesondere beim Einsatz von organischen Materialien im Schweinestall zur Achtsamkeit und Vorsicht hinsichtlich der Herkunft des Materials zu mahnen.

 

Obwohl die Schäden und Sorgen der Bauern in Brandenburg immer größer werden, so die MOZ, werde zugleich noch immer Mais aus dem Nachbarland Polen in einer Biogasanlage verwertet, die sich in dem gleichen Ort Sembten befinde, in dem vor zehn Monaten das erste mit ASP infizierte Wildschwein in Deutschland entdeckt worden sei.

Der Präsident des Brandenburger Landesbauernverbands, Henrik Wendorff, weist in dem Beitrag zu Recht darauf hin, dass man dort hinsichtlich der ASP auf einem Pulverfass sitze und der aus Polen angelieferte Mais nur ein Fragezeichen von vielen sei. Das Unternehmen E.ON edis Contracting (Edic), welches die Biogasanlage betreibt, habe laut dem MOZ-Bericht langfristige Lieferverträge mit einem polnischen Unternehmen. Man sei auf die Lieferungen aus Polen angewiesen, so ein Sprecher von Edic. Dieser verweist zugleich auf die ausschließliche Nutzung der Maissilage im Biogasfermenter hin, in welchem eine hohe Temperatur und Säure wirkten und jegliche Keime unschädlich gemacht würden.

 

Die ISN meint:

Wir nehmen die Diskussion um organische Materialien aus ASP-Risikogebieten zum Anlass, noch einmal zur Vorsicht und Achtsamkeit bei der Herkunft organischer Materialien, die im Schweinestall eingesetzt werden, zu mahnen. Gerade mit den Anforderungen der Initiative Tierwohl und der Umsetzung der Neuregelung zum Beschäftigungsmaterial im Rahmen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung halten immer mehr organische Materialien Einzug in den Schweinestall. Egal ob organisches Beschäftigungsmaterial oder Raufutter – hier sind alle Schweinehalter aufgefordert, ganz genau darauf zu achten, woher die Materialien stammen, die im Schweinestall eingesetzt werden: Wir sagen Finger weg von organischen Materialien im Schweinestall, bei denen die Herkunft nicht bekannt ist oder die aus ASP-Risikogebieten z.B. aus Osteuropa stammen!, mahnt ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack.

Im ASP-Krisenhandbuch heißt es dazu: Es ist zu beachten, dass Gras, Heu und Stroh, das in gefährdeten Gebieten gewonnen worden ist, nicht zur Verfütterung an oder als Einstreu oder Beschäftigungsmaterial verwendet werden darf. Laut Schweinepestverordnung kann das Material verwendet werden, wenn es früher als sechs Monate vor Feststellung des gefährdeten Gebietes gewonnen worden ist, vor der Verwendung mindestens für sechs Monate sicher geschützt gelagert oder für mindestens 30 Minuten einer Hitzebehandlung bei mindestens 70 °C unterzogen wurde.