03.09.2021

Nun auch ALDI: Wie der Lebensmitteleinzelhändler den Schweinehaltern helfen will

Screenshot der heutigen ALDI-Pressemitteilung (© https://www.aldi-nord.de/content/dam/aldi/germany/corporate/presse/20210903_Pressemitteilung_ALDI_Schweinepreis.pdf)

Screenshot der heutigen ALDI-Pressemitteilung (© https://www.aldi-nord.de/content/dam/aldi/germany/corporate/presse/20210903_Pressemitteilung_ALDI_Schweinepreis.pdf)

In die aktuelle Diskussion zu den katastrophal niedrigen Schweine- und Ferkelpreisen schalten sich nun weitere Lebensmitteleinzelhändler ein. Nach REWE,  Edeka, Kaufland und anderen, will nun auch ALDI seinerseits den Markt entlasten und setzt zeitweilig Neuausschreibungen für bestehende Schweinefleischartikel aus. Lieferanten sollen so zunächst weiterhin eine Vergütung für bestehende Schweinefleischartikel enthalten, die rund 15 bis 20 Prozent über dem aktuellen Schweineauszahlungs-Preisniveau liege, so ALDI.

ISN: Angesichts der immer dramatischer werdenden schlechten finanziellen Lage der Schweinehalter ist das ohne Frage ein positives Signal, aber leider dann doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Entscheidend ist, dass nun alle Vertriebswege für deutsches Schweinefleisch voll ausgenutzt werden. Deshalb müssen insbesondere auch Großhandel, Außer-Haus-Verzehr und Fleischverarbeitung reagieren und konsequent auf die deutsche Herkunft beim Schweinefleisch setzen.   

 

Nachdem Kaufland am Donnerstag die Einführung einer Mindestnotierung von 1,40 €/kg für Schweinefleisch aus Haltungsform Stufe 2 angekündigt hatte, zieht nun auch ALDI nach und verspricht eine höhere Vergütung für Lieferanten.

Zuvor hatte bereits EDEKA Südwest den Schweinemästern des Regionalprogramms Gutfleisch für die angelieferten Schweine einen Aufpreis garantiert für den Fall, dass die Notierung unter 1,40 € pro Kilogramm Schlachtgewicht fällt. Zudem hatte der EDEKA-Verbund angekündigt, das frische SB-Schweinefleisch-Angebot in den EDEKA-Märkten bereits bis Ende des Jahres 2021 ausschließlich auf Haltungsstufe 2 und höher umzustellen – beginnend mit der nationalen Eigenmarke GUT&GÜNSTIG bereits bis Ende September 2021. Auch die REWE-Group hatte parallel zur Ankündigung zukünftig auf 5 X D zu setzen, bereits angekündigt, die Einkaufspreise auf dem vor-ASP-Niveau zu halten bzw. diese anheben zu wollen.

 

ALDI setzt Neuausschreibungen für bestehende Schweinefleischartikel aus

Nach und nach reagieren die Lebensmitteleinzelhändler auf die finanzielle Misere der Schweinehalter. Heute erklärten die Unternehmensgruppen ALDI Nord und ALDI SÜD in einer Pressemitteilung ebenfalls zur Entspannung der aktuellen Situation am Markt beitragen zu wollen. Dies solle mit dem zeitweiligen Aussetzen von Neuausschreibungen für bestehende Schweinefleischartikel gelingen. Die Einkaufspreise seien derzeit an einem Preiskorridor, der das Niveau vor dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland abbilde, orientiert. Damit sollen Lieferanten zunächst weiterhin eine Vergütung für bestehende Schweinefleischartikel, die rund 15 bis 20 Prozent über dem aktuellen Schweineauszahlungs-Preisniveau liege, erhalten.

Im Unternehmen wisse man um die äußert angespannte Situation der Landwirte und Verarbeiter. Mit dem vorübergehenden Verzicht auf Neuausschreibungen zahlen wir bewusst über Schweineauszahlungs-Preisniveau und möchten so zu einer Entspannung der Situation beitragen, erklärte Tobias Heinbockel, Managing Director Category Management bei ALDI Nord das Vorgehen.

 

ALDI setzt auf Herkunft aus Deutschland

Der Ankündigung nicht genug, setzte ALDI noch ein vollmundiges Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft obendrauf. So betonte Erik Döbele, Managing Director Corporate Buying bei ALDI SÜD, dass ALDI die Qualität heimischer Produkte schätze und auf die Herkunft aus Deutschland setze. Bereits heute stammten rund 90 Prozent des verkauften Frischfleischvolumens von Lieferanten und Erzeugern, die in Deutschland ansässig seien. Dieser Ansatz wolle konsequent weiterverfolgt werden und dafür sei ALDI auf eine zukunftsfähige deutsche Landwirtschaft angewiesen.

 

Die ISN meint:

Die Lebensmittelhändler scheinen inzwischen den Ernst der Lage in der Schweinehaltung zu erkennen bzw. auf den Druck aus der Landwirtschaft zu reagieren. Angesichts der immer dramatischer werdenden schlechten finanziellen Lage der Schweinehalter ist das ohne Frage ein positives Signal, aber dann doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn die hochgesteckten Tierwohlziele zukünftig noch erreichbar sein sollen, müssen die Schweinehalter heute Geld mit Schweinen der Haltungsformen 1 und 2 verdienen. Das heißt, die Ferkel- und Mastschweinepreise müssen nun schnell wieder auf ein weit höheres und auskömmliches Niveau. Dafür braucht es Absatz. Absatz, und noch mal Absatz. Hier können alle Lebensmitteleinzelhändler durch Absatzwerbung für deutsches Schweinefleisch mit Nachdruck weiter mithelfen. Besonders entscheidend ist aber, dass alle Vertriebswege für deutsches Fleisch voll genutzt werden. Deshalb müssen insbesondere auch Großhandel, Außer-Haus-Verzehr und Fleischverarbeitung reagieren und konsequent auf die deutsche Herkunft und die Einhaltung der hiesigen Standards beim Schweinefleisch setzen. Denn hier gibt es noch besonders viel Luft nach oben.