Notfallplan bei akuten Schwanzbeißgeschehen
Ein akutes Schwanzbeißgeschehen kann innerhalb kürzester Zeit zu schweren Verletzungen, Stress und hohen Verlusten führen. Ein neuer Notfallplan des Netzwerks Fokus Tierwohl zeigt, wie Betriebe schnell und strukturiert reagieren können.
Die Arbeitsgruppe Kupierverzicht
des Netzwerks Fokus Tierwohl hat einen Notfallplan zum Umgang mit Schwanzbeißen in der Schweinehaltung veröffentlicht. Der Notfallplan richtet sich an Schweinehalter und ist als praxisorientiertes Schulungskonzept aufgebaut. Basierend auf bestehenden Praxisleitfäden, Beratungsempfehlungen und Praxiserfahrungen umfasst der Notfallplan insgesamt sechs Schulungsmodule, die Betriebe dabei unterstützen sollen, im akuten Fall von Schwanzbeißen schnell, strukturiert und zielgerichtet zu reagieren. Hintergrund ist, dass Schwanzbeißen ein erhebliches Tierwohlproblem darstellt und häufig mit Schmerzen, Verletzungen, Leistungseinbußen und wirtschaftlichen Verlusten verbunden ist.
Geschehen schnell erfassen
Der Notfallplan beschreibt, dass im Ereignisfall zunächst eine rasche Einschätzung der Situation im Stall notwendig ist. Ziel ist es, das Ausmaß des Geschehens zu erfassen, betroffene Tiergruppen zu erkennen und eine Grundlage für das weitere Vorgehen zu schaffen. Darauf aufbauend wird in den Schulungsmodulen dargestellt, welche Sofortmaßnahmen geeignet sind, um das Beißgeschehen schnell zu unterbrechen. Dazu gehört insbesondere das umgehende Angebot zusätzlicher, geeigneter Beschäftigungsmaterialien, um Stress abzubauen und die Tiere abzulenken.
Umgang mit betroffenen Tieren
Ein weiterer Schwerpunkt der Schulungsmodule liegt auf dem gezielten Umgang mit betroffenen Tieren. Beißende Schweine sollen möglichst identifiziert und aus der Gruppe genommen werden, während gebissene Tiere geschützt, separiert und versorgt werden müssen. Falls erforderlich, ist eine tierärztliche Behandlung einzuleiten, um Schmerzen zu lindern und weitere Komplikationen zu vermeiden.
Systematische Ursachenanalyse
Darüber hinaus vermitteln die Schulungsmodule, dass akute Maßnahmen immer mit einer systematischen Ursachenanalyse verbunden sein sollten. Mögliche Einflussfaktoren wie Fütterung, Stallklima, Tiergesundheit, Platzangebot, Buchtenstruktur und Beschäftigungsmöglichkeiten werden als zentrale Ansatzpunkte benannt, die überprüft und gegebenenfalls angepasst werden müssen, um weitere Ausbrüche zu verhindern.
Warnsignale frühzeitig erkennen
Ein eigenes Modul widmet sich der frühzeitigen Erkennung von Warnsignalen. Veränderungen im Verhalten der Tiere, zunehmende Unruhe, stark wedelnde oder hängende, eingeklemmte Schwänze und erste Verletzungen sowie gesundheitliche Auffälligkeiten im Tierbestand werden unter anderem als wichtige Hinweise auf ein beginnendes Schwanzbeißgeschehen beschrieben. Ein frühzeitiges Eingreifen von ist hierbei entscheidend. Ergänzend wird empfohlen, Vorbereitungen zu treffen, etwa durch das Bereithalten eines Notfallkoffers mit geeigneten Beschäftigungsmaterialien und Hilfsmitteln zur Versorgung verletzter Tiere.
Praxisorientierter Aufbau
Die Schulungsmodule sind praxisorientiert aufgebaut und werden durch zahlreiche Beispielbilder und Videosequenzen ergänzt, die die beschriebenen Maßnahmen und Vorgehensweisen anschaulich darstellen und die Anwendung im Stallalltag unterstützen. Zusätzlich steht ein Poster mit den wesentlichen Punkten des Notfallplans zum Download zur Verfügung.
Sechs Schulungsmodule als Orientierungshilfe
Insgesamt macht der Notfallplan deutlich, dass beim Auftreten von Schwanzbeißen ein schnelles, strukturiertes und abgestimmtes Vorgehen entscheidend ist. Durch die sechs Schulungsmodule werden sowohl kurzfristige Maßnahmen zur Eindämmung eines akuten Geschehens als auch weiterführende Schritte zur Stabilisierung der Situation im Bestand aufgezeigt. Der Notfallplan dient damit als praxisbezogene Orientierungshilfe, um Tierwohl zu sichern, Schäden zu begrenzen und betriebliche Abläufe im Ernstfall zu unterstützen.
>> Der umfassende Notfallplan Schwanzbeißen
mit allen zugehörigen Schulungsmodulen ist unter nachfolgendem Link auf der Internetseite des Netzwerks Fokus Tierwohl frei zugänglich abrufbar: Notfall im Schweinestall: Management eines akuten Schwanzbeißgeschens






