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Nährstoffbericht Niedersachsen 2018/2019 – deutliche Verbesserungen

Bruttoabgabemengen nach Wirtschaftsdüngerart in Niedersachsen (Quelle: Nährstoffbericht Niedersachsen 2018/2019)

Bruttoabgabemengen nach Wirtschaftsdüngerart in Niedersachsen (Quelle: Nährstoffbericht Niedersachsen 2018/2019)

Heute wurde zum 7. Mal ein niedersächsischer Nährstoffbericht veröffentlicht. Die Bilanz: Eine sichtbare Verbesserung bei der Nährstoff-Problematik im Wirtschaftsjahr 2018/19. Fünf statt bislang sieben Landkreise verzeichnen noch einen Stickstoffüberschuss. Das Emsland und das Ammerland haben es geschafft, ihre Überschüsse im Mittel unter den angestrebten Kontrollwert abzusenken. Die Phosphor-Salden sind allerdings gestiegen und der Überschuss ist deutlich.

ISN: Der neue niedersächsische Nährstoffbericht zeigt erneut auf, dass sich die Branche der Herausforderung der Nährstofffrage angenommen hat und deutliche Verbesserungen zu erkennen sind. Deutlich wird ebenfalls, dass es Zeit braucht, bis Maßnahmen greifen.

 

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat im Auftrag des niedersächsischen Agrarministeriums heute zum 7. Mal den jährlich erscheinenden Niedersächsischen Nährstoffbericht vorgelegt, der die Ergebnisse der gemeldeten Verbringungen von Wirtschaftsdüngern und Gärresten des Meldezeitraumes 01.07.2018 bis 30.06.2019 offenlegt. Auf Basis der 2017 novellierten Düngeverordnung wurde die Wirtschaftsdüngerbilanz durch die Düngebehörde der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) erstellt.

 

Nährstoffaufkommen ist gesunken

Bedingt durch 3,5 Prozent mehr Meldungen als im Vorjahr nahm die Bruttoabgabemenge insgesamt weiter zu und beträgt nun 35,7 Millionen Tonnen (Vorjahr 34,5 Millionen Tonnen). Dagegen entwickelten sich die Tierzahlen bei Rindern und Geflügel rückläufig und auch die Gärreste aus Biogasanlagen nahmen ab. Das wirkt sich positiv auf die Stickstoffbilanz aus: Insbesondere durch einen weiteren Rückgang des Mineraldüngerabsatzes sowie eine weiter rückläufige Stickstoffausbringung aus organischen Düngemitteln hat sich das Stickstoff-Düngesaldo (berechneter Bedarf vs. Düngung) von rund 50.000 Tonnen auf noch rund 31.000 Tonnen verringert. Der Bericht zeigt, dass das Nährstoffaufkommen aus Wirtschaftsdünger bei Stickstoff um rd. 2 % auf 323.456 t N und bei Phosphor um rd. 2 % auf 161.368 t P2O5 zurückgegangen ist. Die stark durch Tierhaltung geprägte Region Weser-Ems liegt erstmals mit 165 kg N/ha unterhalb der zulässigen Obergrenze von 170 kg N/ha. Wobei die Landkreise Cloppenburg und Vechta diese Schwelle immer noch deutlich überschreiten.


Stickstoff-Obergrenze: In fünf Landkreisen kommt es zu einer Überschreitung der Obergrenze, die bei 170 kg N/ha liegt.

Stickstoff-Obergrenze: In fünf Landkreisen kommt es zu einer Überschreitung der Obergrenze, die bei 170 kg N/ha liegt.

Weniger Landkreise überschreiten die Stickstoff-Obergrenze

Im Vergleich zum vorherigen Bericht, in dem noch sieben Landkreise die Obergrenze von 170 kg N/ha überschritten, kommt es aktuell noch in fünf Landkreisen zu einer Überschreitung der Obergrenze, die absolut gesehen noch 5.536 t N beträgt. Damit hat sich der bestehende N-Überschuss aus dem Nährstoffbericht 2017/2018 in Höhe von 11.406 t N nahezu halbiert

 

Phosphorüberschuss erfordert weitere Anstrengungen

Die Zahlen zeigen, dass der von uns eingeschlagene niedersächsische Weg richtig ist. Unser Mix von Maßnahmen für den Wasserschutz greift, betonte Ministerin Barbara Otte-Kinast. Dazu zählte sie die Transparenz der Düngedaten, die Beratung der Landwirte und die risikoorientierten Kontrollen.

Ganz anders beim Phosphor: Der Überschuss beträgt 11.380 Tonnen. Über dem künftig geltenden Grenzwert von 10 kg P/ha liegen zwölf Landkreise und kreisfreie Städte (Vorjahr sechs Landkreise). Die Qualitätsziele für das Grundwasser, die Oberflächengewässer sowie die Luftreinhaltung verpflichten alle Akteure zu weiteren Anstrengungen, forderte die Ministerin.

 


Stickstoffüberhang gemessen am Düngebedarf seit 2012. (Quelle: Nährstoffbericht Niedersachsen 2018/2019)

Stickstoffüberhang gemessen am Düngebedarf seit 2012. (Quelle: Nährstoffbericht Niedersachsen 2018/2019)

Nährstoffreduzierte Fütterung zeigt Wirkung

Der Dung- und Nährstoffanfall aus der Tierhaltung und den Biogasanlagen hat sich laut Bericht weiter verringert: Gegenüber dem vorangegangenen Nährstoffbericht fielen mit rd. 57,5 Mio. t rd. 900.000 t weniger an. Damit hat sich der grundlegende Anfall von Gülle, Mist und Gärresten weiter um rd. 1,5 % reduziert.Das Nährstoffaufkommen aus der Tierhaltung und den Biogasanlagen habe sich im aktuellen Berichtszeitraum zum dritten Mal in Folge reduziert, zieht auch Kammerpräsident Schwetje Bilanz. Die Tierbestände seien leicht rückläufig, vorhandene Tiere würden immer häufiger nährstoffreduziert gefüttert, und Biogasanlagen setzten immer öfter auf Geflügelmist und separierte Gülle. All das sind sehr ermutigende Zeichen dafür, dass die Regelungen der Düngeverordnung von 2017 greifen und immer mehr Betriebe ihre Wirtschaftsweise entsprechend verändert haben, betonte der Kammerpräsident.

 

Haben Sie Interesse beim Praktikernetzwerk Wirtschaftsdünger mitzumachen?

Das im vergangen Jahr gestartete Praktikernetzwerk Wirtschaftsdünger hat genau die Verbesserung der Nährstoffbilanz in der Modellregion Oldenburger Münsterland im Fokus.  Fachexperten, Wissenschaftler und Landwirte tauschen sich über verschiedene Separations- und Aufbereitungsmethoden aus und bewerten sie hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit und Effizienz. So soll der Wirtschaftsdünger in marktfähige Nährstoffe umgewandelt werden, um einen möglichst großen Teil des Mineraldüngereinsatzes zu ersetzen.

An diesem Projekt sind die Kreislandvolkverbände in Cloppenburg und Vechta, das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland, der Landesverband der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen sowie koordinierend die ISN-Projekt GmbH beteiligt. Die niedersächsischen Ministerien für Umwelt und für Landwirtschaft fördern das Projekt. Auch die Stiftung Gewässerschutz Weser-Ems leistet finanzielle Unterstützung.

Landwirte aus dem Oldenburger Münsterland, die Interesse an dem Projekt haben und sich noch beteiligen möchten, sind herzlichst eingeladen, uns unter praktikernetzwerk@schweine.net zu kontaktieren.

 

Die ISN meint:

Die Nährstofffrage ist ohne Zweifel eine große Herausforderung. Der neue niedersächsische Nährstoffbericht zeigt erneut auf, dass sich die Branche dieser Herausforderung angenommen hat und deutliche Verbesserungen zu erkennen sind. Er zeigt aber auch auf, dass noch viel zu tun ist. Deutlich wird ebenfalls, dass es Zeit braucht, bis Maßnahmen greifen. Schnellschüsse und immer weiter hinzukommende Neuregelungen sind deshalb wenig sinnvoll. Wichtig ist, dass die Tierhalter das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen und für praktikable Lösungen sorgen.


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