28.01.2016 rss_feed

Massentierhaltung einschränken? Perspektiven bitte! Ein Kommentar von Sauenhalter Philipp Lütjens, Junge ISN Sprecherteam

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat den Beginn des Vorwahlkampfs eingeläutet. Bedauerlicherweise geht sie auf Kosten der Tierhalter auf Stimmenfang: Hendricks will die Massentierhaltung einschränken hieß die Schlagzeile in der BILD am SONNTAG (BamS) vom 24. Januar.

 

In einem internen Positionspapier hat Hendricks eine Reihe von Maßnahmen zusammen tragen lassen, welche die bisherige Genehmigungspraxis verschärfen sollen. Auch der Staub- und Ammoniakausstoß soll durch strengere Vorgaben verringert werden.

Insbesondere ist Hendricks die Praxis ein Dorn im Auge, dass statt einer einzigen Baugenehmigung für einen großen Stall mehrere formal selbstständige Ställe nacheinander für jeweils eine kleinere Anzahl von Tieren beantragt werden können. Diese Salamitaktik müsse beendet werden, heißt es laut BamS in dem Positionspapier der Ministerin.

 

Wir erleben, wie industrielle Tierfabriken immer größer werden, während zehntausende kleine Bauernhöfe sterben. Das ist eine Fehlentwicklung. Wir brauchen eine Umkehr in der Tierhaltung, fordert Hendricks in der BamS.


Philipp Lütjens, Sauenhalter und Mitglied im Sprecherteam der Jungen ISN in seinem Sauenstall

Philipp Lütjens, Sauenhalter und Mitglied im Sprecherteam der Jungen ISN in seinem Sauenstall

Ein Kommentar dazu von Sauenhalter Philipp Lütjens:

Ja, Frau Hendricks, ich bin Tierhalter, genauer gesagt Massentierhalter. Doch, auch wenn ich viele Tiere habe, ist mir jedes einzelne davon wichtig. Wir sind ein Familienbetrieb, wie 98 % Prozent der Schweine haltenden Betriebe in Deutschland auch, die zum Teil seit Jahrhunderten in Familienhand bewirtschaftet werden.

Wo ist da die Fehlentwicklung, Frau Hendricks? Ihr Interview mit der BamS ist nichts anderes, als ein weiterer Grund, als Familienbetrieb die Brocken hinzuschmeißen.

Denn in der Tat liegt eine massive Fehlentwicklung vor, wenn immer mehr Schweinehalter das Handtuch werfen. Nur über Ursachen lässt sich streiten und vor allem darüber, ob schärfere Auflagen dies verhindern würden.

 

Meiner Meinung nach ist es das explosive Gemisch aus den unterirdischen Ramschaktionen des LEH für Qualitätsfleisch und der ideologisch verkappten Diskussion um die Tierhaltung, die Familienbetriebe an die Wand drängt.

Hinzu kommen die unverhältnismäßigen Auflagen und überzogenen politischen Forderungen. Wenn ich sie richtig verstehe, wollen Sie genau dort ansetzen Frau Hendricks. Ich könnte dazu jetzt weit ausholen… Doch nur ein Punkt: In Zeiten, in denen ich jedes Ferkel mit Verlust verkaufe, bringen mir strengere Auflagen rein gar nichts außer weitere Kosten. Damit werden Sie eine Umkehr in der Tierhaltung ganz sicher nicht erreichen und das Sterben zehntausender kleiner Bauernhöfe ganz sicher nicht verhindern, sondern verschärfen!

 

Besonders ärgert mich, dass Sie als Ministerin in die gleiche Kerbe hauen wie einschlägig bekannte Umwelt- und Tierschutzorganisationen, indem Ihr Ministerium undifferenziert nachplappert, die Intensivtierhaltung belaste Natur und Umwelt und schränke die Lebensqualität auf dem Land ein. Denn gerade die Landwirtschaft sichert Arbeitsplätze in strukturschwachen, ländlichen Regionen!

 

Mit solchen Aussagen nehmen Sie vielmehr zehntausenden Familienbetrieben die Perspektive, gesellschaftlich anerkannt Landwirtschaft und Tierhaltung in Deutschland zu betreiben. Wollen Sie, dass zukünftig Fleisch aus dem Ausland in den Theken liegt? Dann sagen Sie dies auch deutlich und geben Sie nicht vor, die deutschen Tierhalter mit verschärften Auflagen schützen zu wollen!

 

Ich wünschte, Sie hätten den Mumm, sich gegen die Mainstreammaschinerie der -schutz-Organisationen zu stellen und die Sicht eines jungen Tierhalters zu hören, der seinen Betrieb beständig weiter entwickelt und sich seine Handlungsspielräume für die Zukunft nicht verbauen lassen möchte. Ein gesundes, zukunftsorientiertes Wachsen ist für uns als Familienbetrieb überlebensnotwendig!

 

Ich lade Sie herzlich ein, lernen Sie eines Ihrer Schreckgespenster einmal persönlich kennen. Denn unser Familienbetrieb hat eine Größenordnung, die Sie als Massentierhaltung - vielleicht sogar als Industrielle Tierhaltungs-Anlage - bezeichnen würden.

 

Es geht hier weiß Gott nicht nur um Extra-Würstchen, wie es Greenpeace formulierte, sondern schlichtweg um die Existenz von Familienbetrieben, die Schweine halten. Geben Sie uns eine Perspektive!



Hier lesen Sie die BamS-Meldung zum Interview mit Umweltministerin Hendricks

Hier finden Sie die Kommentierung des Greenpeace-Magazins


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