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Junge ISN Mitgliederversammlung: Vom Comeback der Frischfleischtheke

Stalleinblick: Die Teilnehmer stellten allerlei Fragen zu Bauweise, Technik und Erfahrungswerten des Offenstalls von Familie Ritz.

Stalleinblick: Die Teilnehmer stellten allerlei Fragen zu Bauweise, Technik und Erfahrungswerten des Offenstalls von Familie Ritz.

Lebensmittelhändler im Schweinestall – unter diesem Motto fand in diesem Jahr die Mitgliederversammlung der Jungen ISN statt. Nach einem Besuch des neuen Offenstalls von JISN-Mitglied Johannes Ritz, der seine Tiere über ein Tierwohlprogramm vermarktet, diskutierten die Junglandwirte mit Dr. Clemens Dirscherl von Kaufland über das neue Kaufland-Qualitätsfleischprogramm WERTSchätze.

 

Erfahrungsaustausch über die Besonderheiten eines Offenstalls

Bei frischem Wetter besichtigten die jungen Schweinehalter vergangene Woche den Betrieb von Johannes Ritz nahe Verden. Dieser hatte kürzlich den Schritt gewagt, und in einen neuen Offenstall investiert. Seit diesem Jahr vermarktet die Familie ihre Schweine über ein Tierwohlprogramm von Kaufland, in dem 40% mehr Platz, Stroheinstreu und die Gegebenheit eines Außenklimareizes vorschrieben sind. In Zukunft wird noch die gentechnikfreie Fütterung der Schweine als weiteres Kriterium hinzukommen. Von Vorteil war es, dass der Stall nicht so nah an Wohnbebauungen liegt, sodass die Lage emissionstechnisch günstig ist, berichtete Johannes Ritz vom insgesamt langen und komplizierten Genehmigungsverfahren. Viele Fragen hatten die JISN-Mitglieder auch zur Bautechnik des Stalls und zum Verhalten der Schweine in dem besonderen Konzept des Offenstalls.

 

Bei den privaten Labels des LEH entwickelt sich einiges

Auch dabei war Matthias Quaing, Marktexperte der ISN, der in seinem Vortrag auf die Entwicklung der privaten Label der Lebensmitteleinzelhändler sowie auf die 4-stufigen Kennzeichnungsmodelle einging. Er bemängelte dabei, dass das Thema bisher stark auf die Mast fokussiert ist und die Sauenhaltung in wenig Regelungen miteinbezogen wird, allerdings sei die ganze Kette wichtig.

In der Diskussion um Um- oder Neubauten für höhere Tierwohlstandards verwies ISN Geschäftsführer Torsten Staack auf die derzeitigen Zielkonflikte zwischen Tierwohl und Umweltschutz, die einer Genehmigung vielfach im Wege stehen: Die Zielkonflikte und Beurteilungslücken, vor allem hinsichtlich ‘Immissionsschutz vs. Tierschutz‘, müssen geklärt werden, um dann ganzheitliche Lösungen bis zum letzten Meter zu entwickeln.

 


Gemeinsam mit Dr. Clemens Dirscherl diskutierten die Mitglieder über mehr Tierwohl im Schweinestall.

Gemeinsam mit Dr. Clemens Dirscherl diskutierten die Mitglieder über mehr Tierwohl im Schweinestall.

Das Comeback der Frischfleischtheke

Zu Gast bei der Mitgliederversammlung war außerdem Dr. Clemens Dirscherl, der im Bereich Tierwohl und Nachhaltigkeit bei Kaufland tätig ist. Von ihm wurde das Qualitätsfleischprogramm WERTSchätze vorgestellt, welches Kaufland in diesem Jahr in 200 Filialen an den Frischfleischtheken eingeführt hat. Kaufland hatte vor 21 Jahren als erster Lebensmitteleinzelhändler die Frischfleischtheke abgeschafft, und einzig auf SB-Ware gesetzt. Nun verändern sich die Kundenansprüche wieder, erläuterte Dirscherl. Frische, Service, Beratung und der Einkauf als Kauferlebnis seien beliebt geworden, weshalb die Frischfleischtheken ihren Weg zurück in die Kaufland-Filialen fand. Das Besondere ist, das Kaufland an der neuen Theke ausschließlich Tierwohl-Fleisch aus dem neuen Qualitätsfleischprogramm verkauft. Das WERTSchätze-Konzept soll die Wertschätzung des Fleisches, des Tieres und des Landwirts unterstreichen, für das sich der Verbraucher an der Theke entscheidet, so Dirscherl.

 

Es gibt keinen Kaufland-Stall von der Stange

Die Haltungskriterien des Tierwohlprogramms sind laut Dirscherl vor allem auf Basis der zu vermittelnden Verständlichkeit beim Kunden ausgerichtet. Mehr Platz, Stroh und frische Luft seien Aspekte, die sich die Zielgruppe des Tierwohlprogramms nicht nur wünscht, sondern auch bildlich gut vorstellen kann, obwohl sie eigentlich keine Kenntnis über die Haltung von Schweinen besitzt. Bei den Fragen der JISNler rund um den Einstieg in das Programm von Kaufland stellte Dirscherl klar: Es gibt keinen Kaufland-Stall von der Stange". Jeder Betrieb habe sich in der Vergangenheit anders entwickelt und das soll bei der Aufnahme eines neuen Betriebes in das Programm, durch individuelle sowie ideenreiche Umsetzungsmöglichkeiten der Kriterien, berücksichtigt werden. Dirscherl war vor seinem Einstieg bei Kaufland Anfang 2018 über dreizehn Jahre der Ratsbeauftragte für Landwirtschaft, Ernährung und ländliche Räume der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).


Die Neuen im Sprecher- und Beraterteam der JISN: Jonas Osterkamp, Anneke Schumacher und Bane Eggers (v.l.).

Die Neuen im Sprecher- und Beraterteam der JISN: Jonas Osterkamp, Anneke Schumacher und Bane Eggers (v.l.).

Neuwahlen im Sprecherteam

Zwischen der Betriebsbesichtigung und den Vorträgen fand auch der offizielle Teil der Mitgliederversammlung statt. Mathis Meyer gab einen Rückblick auf die zurückliegenden Aktionen und Veranstaltungen der Jungen ISN. Außerdem standen Neuwahlen an, da durch den Ausstieg von drei Mitgliedern des Sprecher- und Beraterteams neue Plätze im Team zur Verfügung standen. An dieser Stelle geht ein herzlicher Dank an die drei für ihre jahrelange, engagierte ehrenamtliche Arbeit in der Jungen ISN! Für die frei gewordenen Plätze wurden einstimmig Bane Eggers, Anneke Schumacher und Jonas Osterkamp gewählt.


Fotonachweis Kaufland Fleischtheke © Kaufland


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