25.05.2022rss_feed

ISN zur Trog-Teller-Diskussion: Kein Platz für Stammtischpolemik!

Durch den Ukraine-Krieg ist die "Trog-Teller-Diskussion" in aller Munde (Bild ©Canva)

Durch den Ukraine-Krieg ist die "Trog-Teller-Diskussion" in aller Munde (Bild ©Canva)

Durch den Ukraine-Krieg ist eine Diskussion um die Bedienung von Trog und Teller und die Ernährungseffizienz der Fleischerzeugung entbrannt.
ISN: Durch die Rolle des Schweins als Resteverwerter und als Teil des Kreislaufs mit Energiewirtschaft und Pflanzenbau, braucht sich die Schweinehaltung hinsichtlich ihrer Effizienz für die Ernährung nicht zu verstecken. Statt Stimmung gegen den Fleischverzehr brauchen Schweinehalter endlich eine Perspektive in der aktuellen Krisensituation.

 

Mit dem Beginn des Krieges in der Kornkammer Europas, der Ukraine, wächst die Sorge um die weltweite Versorgung mit Lebensmitteln – insbesondere in den ärmsten Ländern der Welt. In diesem Zusammenhang ist auch die Diskussion über die Konkurrenz um den Einsatz von Getreide für den Teller, den Tank oder auch den Trog entbrannt.

 

Fleischverzicht ist zu kurz gesprungen

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hat klar zu verstehen gegeben, dass der Teller, also die menschliche Ernährung, zuallererst kommen muss. Das ist nachvollziehbar. Als reine Stammtischpolemik muss allerdings die Schlussfolgerung des Bundeslandwirtschaftsministers eingeordnet werden, dass ein ‚Fleischverzicht gegen Putin‘ notwendig ist. Gleiches gilt für die Äußerungen des Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach, der jüngst im Rahmen einer Veranstaltung der Zeitschrift ‚Die Zeit‘ von an Wahn grenzenden unvernünftigem Fleischkonsum sowie u.a. von Tierquälerei und Gesundheitsschädlichkeit sprach, kritisiert ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. Wir haben zudem den Eindruck, dass sich nun alle diejenigen zu Wort melden, die ohnehin weniger Tierhaltung in Deutschland wollen und nun ihre Chance sehen. Es ist also wenig verwunderlich, dass Umwelt- und Tierrechtsorganisationen und andere Gegner der Nutztierhaltung nun auf den Zug aufspringen, um so ihrem Ziel der Abschaffung der Tierhaltung ein Stück näher zu kommen.

 

Mehr als eine Relation zwischen Getreide und Fleisch

In einer Fernsehtalkrunde sagte Landwirtschaftsminister Özdemir kürzlich, man brauche fünf Kilogramm Getreide, um ein Kilogramm Fleisch zu erzeugen. Dazu erläutert der Geschäftsführer der ISN-Projekt GmbH Dr. Karl-Heinz Tölle: Ich gehe davon aus, dass nicht Getreide, sondern Futter gemeint war. Und das ist bei Weitem nicht allein Getreide, sondern auch ein Großteil an Futterkomponenten, die nur über den Tiermagen für die menschliche Ernährung genutzt werden können. Auch wenn man hinsichtlich des Futterverbrauches nicht nur die Mast, sondern auch den Verbrauch in der Ferkelaufzucht und der Sauenhaltung einbezieht und diese Menge in Relation zum verzehrbaren Fleisch (ohne Knochen) setzt, ist die vom Bundeslandwirtschaftsminister angegebene Futtermenge trotzdem noch recht hoch veranschlagt. Darüber hinaus käme die Gleichsetzung des  ernährungsphysiologischen Wertes eines Kilogramm Getreides und eines Kilogramm Fleisches dem Vergleich von Äpfeln mit Birnen gleich.

 

Schweine sind Resteverwerter

Tölle erläutert weiter: Das Schwein ist nach wie vor ein Resteverwerter. Allein 40 Prozent des Futters kommen aus Futtermitteln, die ansonsten nicht in den Nahrungskreislauf des Menschen gelängen. Beispielsweise werden so die Reste genutzt, die bei der Ölherstellung aus Soja, Raps, Sonnenblumen oder anderen Ölsaaten entstehen. Gleiches gilt für Nebenprodukte aus der Mehlherstellung, aus Molkereien, aus Brauereien, aus der Zuckerherstellung und vieles mehr. Nicht zu vergessen sind zudem Lebensmittel, die nicht mehr für den menschlichen Verzehr verkauft werden können – beispielsweise Altbrot. Diese werden über den Schweinemagen sinnvoll wiederverwertet. Auch das Getreide müsse man differenziert betrachten, so Tölle: Bei dem mit Abstand größten Anteil des im Schweinefutter eingesetzten Getreides handelt es sich um reines Futtergetreide. Beispielsweise sind Gerste und Triticale gar nicht für den menschlichen Verzehr geeignet. Und auch bei Roggen und Weizen handelt es sich zum überwiegenden Teil um spezielle Futtersorten, die auf der einen Seite mehr Ertrag versprechen und an bestimmte Standortbedingungen angepasst sind. Auf der anderen Seite weisen sie aber auch keine geeigneten Backqualitäten und Inhaltsstoffe auf und sind deshalb kaum geeignet zur direkten menschlichen Versorgung. Ähnlich sieht es beim Mais aus, der (inkl. Silomais) nach dem Weizen die zweithäufigste Ackerfrucht in Deutschland ist. Welche Früchte und Sorten angebaut werden, ist insbesondere auch von den jeweiligen Standortbedingungen und notwendigen Fruchtfolgen abhängig. Fehlende Backqualitäten und Inhaltsstoffe können übrigens auch bei Brotgetreidesorten auftreten – wenn nämlich die Anbauverhältnisse und die Witterung nicht gepasst haben, ergänzt Tölle.       

 

Tierhaltung als Teil des Kreislaufs

Einen weiteren Faktor vergessen viele in ihrer Kalkulation, führt Tölle weiter aus: Gerade jetzt, da Mineraldünger aufgrund der extrem gestiegenen Energiekosten extrem teuer und auch knapp geworden ist, tritt die Bedeutung der Tierhaltung als wichtiger Bestandteil in der Kreislaufwirtschaft mit dem Ackerbau besonders deutlich zu Tage. Nährstoffkreisläufe zwischen Tierhaltung und Ackerbau waren bisher schon wichtig, jetzt werden sie aber elementar, um auch die Erträge im Pflanzenbau zu sichern. Wenn man den Kreislauf dann auch noch um die Energiegewinnung erweitert, dann ist das ideal – insbesondere auch hinsichtlich der Konkurrenz zwischen Trog, Tank und Teller, ergänzt Staack.

 

Fazit:

Die Stammtischparolen müssen endlich ein Ende haben. Die Welt zu retten, indem man Stimmung gegen den Fleischverzehr macht, funktioniert nicht. Das führt lediglich dazu, dass die Tierhaltung hierzulande als wichtiger Teil des Kreislaufs weiter gegen die Wand gefahren wird und das Fleisch am Ende importiert wird. Schon jetzt ist der Pro-Kopf-Verzehr an Schweinefleisch erheblich zurück gegangen. Schon jetzt haben wir viele schweinehaltenden Betriebe verloren und verlieren täglich mehr, weil sie seit inzwischen zwei Jahren tiefrote Zahlen schreiben und in der finanziellen Klemme stecken. Schon jetzt haben wir den niedrigsten Schweinebestand seit 25 Jahren, mahnt Staack. Und fordert abschließend dazu auf: In der Diskussion um Trog und Teller und auch dem Tank muss es darum gehen, die Ressourcen hierzulande effektiv zu nutzen. Das geht nicht mit Stammtischparolen sondern nur auf fachlicher Grundlage. Und wenn man dabei die beschriebene Rolle des Schweins als Resteverwerter und als Teil des Kreislaufs betrachtet, dann braucht sich die Schweinehaltung hinsichtlich ihrer Effizienz für die Ernährung nicht zu verstecken. Das Schlechtreden des Produktes ‚Schweinefleisch‘ und der Schweinefleischerzeugung muss endlich ein Ende haben, denn dadurch wird die ohnehin stockende Fleischnachfrage zusätzlich noch belastet. Die finanziell stark gebeutelten Ferkelerzeuger und Schweinemäster benötigen dringend eine Chance auf auskömmliche Preise!            


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