21.01.2019rss_feed

Schweinemarkt 2018: Es war ein Extremjahr

Die Notierungen standen 2018 häufig unter Druck

Die Notierungen standen 2018 häufig unter Druck

Der Schlachtschweinemarkt im Jahr 2018 war herausfordernd. Zum einen stand die Notierung für Schlachtschweine ordentlich unter Druck und gab im Jahresmittel gegenüber dem Vorjahr spürbar nach. Parallel dazu stiegen die Futterpreise in Folge witterungsbedingt deutlicher Ernteeinbußen in die Höhe. Auch die Anforderungen und Kosten für das Ausbringen, bzw. die Abgabe von Wirtschaftsdünger haben zugenommen. Etliche Unklarheiten bezüglich der zukünftigen Haltungsanforderungen und schlussendlich der Ausbruch der ASP in unmittelbarer Nähe, nämlich in Belgien, brachten viele Herausforderungen für die Schweinehalter.

 

Europaweit hohe Produktion

Während die Notierung für Schlachtschweine im Jahr 2017 einen Durchschnittspreis von 1,61 €/kg SG ergab, lag das durchschnittliche Mittel der Notierung im nun endenden Jahr 2018 bei lediglich 1,41 €/kg SG. Ein wesentlicher Grund für den Preisdruck in 2018 war das EU-weit hohe Angebot an Schweinen bzw. Schweinefleisch. Die Bestände sind in vielen EU-Mitgliedsländern gestiegen. Vor allem Spanien springt in den vergangenen Jahren immer mit deutlichen Bestandszuwächsen ins Auge und hält inzwischen mit 30,1 Mio. Stück insgesamt deutlich mehr Schweine als Deutschland mit 26,9 Mio. Tieren.

Gleichzeitig schwächelte die Nachfrage. Der Verzehr von Schweinefleisch ist in Deutschland aufgrund veränderter Verzehrgewohnheiten bei nur noch 35,8 kg pro Kopf in 2017 angekommen. Das entspricht einem Rückgang von fast 5 kg in nur sieben Jahren.

 

Export insgesamt leicht rückläufig

Auch im Export lief es nicht immer rund. Die Konkurrenz in Übersee schläft nicht und der globale Wettbewerbsdruck ist hoch Die Ausfuhren von deutschem Schweinefleisch sind in 2018 bis Oktober gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,3 % gesunken. Allerdings nahmen die Exportmengen in Drittländer zu. Nach China nahmen die Ausfuhren um 6 % zu. Durch die auch dort seit August grassierende Schweinepest kam es zu umfangreichen Keulungen, was einen erhöhten Importbedarf Chinas zur Folge hatte.

 

Hauspreisjahr 2018

So stand der Schlachtschweinemarkt grundsätzlich auf wackeligen Füßen und wurde zusätzlich von den marktführenden Schlachtunternehmen mit einigen Hauspreiswochen bedacht, mehr als in 2017 und 2016. Sich auf diese Art und Weise schadlos zu halten scheint einfacher zu sein, als im Verkauf höhere Preise umzusetzen. Auch von den mittelständischen Schlachtunternehmen war deutliche Kritik an der Preispolitik ihrer Berufskollegen zu hören.


Die ASP-Situation hat sich im vergangenen Jahr in Europa extrem verschärft (Bildquelle: FLI, Übersicht vom 21.11.2018)

Die ASP-Situation hat sich im vergangenen Jahr in Europa extrem verschärft (Bildquelle: FLI, Übersicht vom 21.11.2018)

Hitzewelle und hohe Produktionskosten

Der Sommer bescherte Europa tropische Temperaturen. Landauf, landab schwitzten die Bewohner. Den Schweinen verging hitzebedingt der Appetit und die Tageszunahmen gingen zurück, ebenso das Wachstum der Tiere. Daraus resultierend fiel das Angebot an schlachtreifen Schweinen streckenweise stark unterdurchschnittlich aus. In einigen Schlachtwochen bewegten sich die amtlichen Schlachtzahlen deutlich unter der Linie von 900.000 Stück. Das knappe Angebot führte sofort zu einem Preisanstieg und die Notierung kletterte auf 1,55 €/ kg SG in der Spitze. Witterungsbedingt fiel auch die Ernte kleiner und qualitativ durchwachsen aus. Nach der Ernte schnellten die Getreidepreise in die Höhe und auch die Preise für Mischfutter legten kräftig zu. Nach einer Phase der Überhitzung beruhigten sich die Märkte dann wieder etwas. Dennoch müssen aktuell für Endmastfutter in Raum Südoldenburg rund 3 €/dt mehr gezahlt werden als vor einem Jahr.

Auch im Zuge der neuen Düngeverordnung sind die Anforderungen und Kosten für die Ausbringung und Abgabe von Wirtschaftsdüngern gestiegen.

 

Bedrohung durch Afrikanische Schweinepest

Am 13. September 2018 wurden die ersten beiden Fälle Afrikanischer Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen in Belgien und damit in unmittelbarer Nachbarschaft Deutschlands festgestellt. Mit diesen Nachweisen machte die Seuche, die schon seit Jahren in Osteuropa grassiert, einen sehr großen, überraschenden und beunruhigenden Sprung nach Westen.

Die Folge waren Marktverwerfungen insbesondere auf dem belgischen Markt für Schlachtschweine und Schweinefleisch. Die belgische Notierung für Schlachtschweine gab deutlich nach und belgisches Schweinefleisch drängte infolge von Importsperren für belgisches Schweinefleisch in Drittländern verstärkt auf den europäischen Markt.

 

Entwicklung in Deutschland gegen den Trend rückläufig

Die deutsche Gründlichkeit hat ihren Preis. Während der Konkurrent Spanien beispielsweise unbeirrt auf das Gaspedal drückt, gilt in Deutschland das Tempolimit. Die Anforderungen in der Nutztierhaltung nehmen zu. Die so genannten K-Fragen (Kastration, Kupierverbot, Kastenstand) beschäftigen die Branche und sorgten bis zuletzt für Unsicherheit und fehlende Planungssicherheit. Bezogen auf das Kastrationsverbot besteht seit Mitte Dezember Sicherheit in der Fristverlängerung bei der betäubungslosen Ferkelkastration. Doch gelöst ist das Problem damit noch lange nicht.

 

2019: Noch ein Jahr der Entscheidungen

Das Jahr 2018 war schwierig. Und auch, wenn sich die Schweinehalter im laufenden Kalenderjahr 2019 vielen Herausforderungen stellen müssen, zeichnen sich positive Tendenzen ab. Für die Schweinefleischproduktion gehen Schätzungen von einem leichten Minus der EU-Schweinefleischproduktion aus. Gleichzeitig dürfte sich der Export von Schweinefleisch insbesondere nach Asien gut entwickeln. In der Summe dürfte der Schweinepreis im Vergleich zum Vorjahr merklich Luft nach oben haben.



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