08.10.2020rss_feed

ISN-Presseinfo: Schweinestau: Bis Weihnachten mehr als 1 Mio. zusätzliche Schweine in den Ställen – Schweinehalter steuern unverschuldet auf Katastrophe zu

Für Schweinehalter spitzt sich Lage drastisch zu. Corona-bedingt will der Landkreis Emsland den Weidemark-Schlachthof in Sögel ab Sonntag vorübergehend schließen. Auch die Schlachtungen am Vion-Standort in Emstek wurden deutlich reduziert.  Deutschlandweit sind zudem weitere Schlacht- und Zerlegekapazitäten stark eingeschränkt, was den Schweinestau dramatisch wachsen lässt und immer mehr Schweinehalter unverschuldet in eine existentielle Notlage bringt. Wie geht die Politik mit systemrelevanten Unternehmen um? Stopp! So darf es nicht weitergehen. Wenn es nicht schnell wieder zu einer Ausweitung der Schlacht- und Zerlegekapazitäten kommt, stehen zu Weihnachten weit über eine Million Schweine in den Ställen. Und dieses Ausmaß ist sogar noch optimistisch kalkuliert. Wir fordern, dass jetzt schnell gegengesteuert wird, sonst fahren die Schweinehalter geradewegs in eine Katastrophe!

 

Sögel-Schließung ist ein Faustschlag gegen Schweinehalter

Der Landkreis Emsland will den Schlachtbetrieb in Sögel wegen aktuell hoher Corona-Fallzahlen zunächst für die Dauer von 22 Tagen vorübergehend schließen. Diese vorübergehende Schließung des Weidemark-Schlachthofes in Sögel wäre ein zusätzlicher schwerer Faustschlag in die Magengrube der Schweinehalter. Wir fordern den Landkreis auf, die Verfügung zurück zu nehmen und mindestsens den reduzierten und kontrollierten Schlachtbetrieb weiter aufrecht zu halten. Die Verfügung für drei Wochen anzusetzen, geht angesichts der jetzt schon existierenden Notlage der Schweinehalter überhaupt nicht, kommentiert ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack die Situation in Sögel.  

 

Zu Weihnachten weit über eine Mio. Schweine in Warteschlange?

Zusammen mit der Einschränkung der Schlacht- und Zerlegekapazitäten am Vion-Schlachthof in Emstek, der gänzlichen Einstellung der Schweineschlachtungen in Bochum und den weiterhin reduzierten Schlachtkapazitäten an anderen Schlachtstandorten ergibt sich in der Summe deutschlandweit nach den Kalkulationen der ISN eine Reduzierung der Kapazitäten von deutlich über 200.000 Schweineschlachtungen je Woche.

Zwar finden bereits deutliche Anpassungsreaktionen bei den Erzeugern statt. So wurden nicht nur die Schlachttierimporte, sondern beispielsweise auch die Ferkelimporte aus Dänemark und den Niederlanden bereits reduziert. Auch ein deutlicher Anstieg bei den Sauenschlachtungen zeigt, dass bereits eine Reihe von Sauenhaltern den Betriebszweig aufgibt. Weniger Besamungen von Sauen zum jetzigen Zeitpunkt können sich am Markt aber ohnehin erst im kommenden Jahr auswirken.

In der Bilanz fehlen trotz der Anpassungen auf der Erzeugerseite und rückläufigen Beständen über 100.000 Schlachtungen in der Woche, um den bereits bestehenden aktuellen Überhang von knapp 400.000 Schlachtschweinen nicht noch zu erhöhen, Tendenz steigend. Um den Überhang abzubauen braucht es noch mehr Schlachtungen. Das heißt, wenn es nicht schnell wieder zu einer Ausweitung der Schlacht- und Zerlegekapazitäten kommt, würden zu Weihnachten weit über eine Million Schweine in den Ställen stehen, was aber praktisch in den Ställen gar nicht möglich ist.

              

ISN: Wir fordern schnelle Hilfe!

Die Schweinehalter erleben gerade eine absolute Notsituation, für die sie schlicht und einfach nichts können! Die Lage ist jetzt schon äußerst angespannt, Schlachthofschließungen müssen daher unbedingt verhindert werden, mahnt Staack. Um in dieser verzwickten Situation nun schnell für eine Lösung zu sorgen, braucht es eine koordinierende Stelle mit den Beteiligten aus den Behörden und der Wirtschaft. Ob man diese nun Task Force, Krisenstab oder sonst wie nennt, ist völlig egal – Hauptsache, die Aktivitäten werden an einer Stelle zusammengeführt, damit man Maßnahmen einsetzt, die auch helfen. Gelingt es nicht, passgenau an den Stellschrauben zu drehen, steuern die Schweinehalter auf eine Katastrophe zu, denn die Lage für die Betriebe ist existenzbedrohend. Die Schweinehalter, die bereits seit dem Sommer in dieser unverschuldeten und sich verschärfenden Situation stecken, brauchen Hilfe – und zwar schnell! Und gerade, weil die Lebensmittelerzeugung systemrelevant ist, haben wir einen deutlichen Notruf an die Landesregierungen abgesetzt", so Staack.


 

Ihr Ansprechpartner

Viktoria Große-Gödinghaus

Tel. 05491/9665-61

presse@schweine.net

 


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